header

„Wissens- und Techno­lo­gie­transfer spielt eine ganz entschei­dende Rolle.“

Im Umfeld produk­ti­ons­tech­ni­scher Forschung setzt sich das Fraun­hofer-Institut für Werkzeug­ma­schinen und Umform­technik IWU als Trans­fer­geber bei Forschungs- und Entwick­lungs­pro­jekten ein. Im Interview erzählt Roman Elsner von der Bedeutung und der prakti­schen Umsetzung des Wissens- und Techno­lo­gie­transfers und vom Beweg­grund Teil des futureSAX-Know-how-Netzwerkes zu werden

futureSAX: Herr Elsner, bitte beschreiben Sie Ihre Einrichtung in wenigen Worten.

Roman Elsner: Das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU ist Motor für Neuerungen im Umfeld der produktionstechnischen Forschung und Entwicklung. Wir erschließen Potenziale, entwickeln Lösungen, verbessern Technik und treiben Innovationen in Wissenschaft und Auftragsforschung voran. Im Fokus: Bauteile und Verfahren, Technologien und Prozesse, komplexe Maschinensysteme – die ganze Fabrik.

futureSAX: Welche Bedeutung hat der Wissens- und Technologietransfer aus Ihrer Sicht für die wirtschaftliche Entwicklung im Allgemeinen und für Ihr Fraunhofer-Institut im Speziellen?

Roman Elsner: Aufgrund der steigenden Komplexität von Produkten, Prozessen und Technologien werden spezialisierte und komplementäre Kompetenzen zur Komplexitätsbewältigung benötigt. Darum werden Lösungen zunehmend in interdisziplinären Teams mit externen Partnern erarbeitet. Wissens- und Technologietransfer spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle. Für das Fraunhofer IWU ist Wissens- und Technologietransfer integraler Bestandteil des eigenen Geschäftsmodells - Auftragsforschung für die Wirtschaft. 

futureSAX: Rund 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter forschen in Chemnitz, Dresden und Zittau beim Fraunhofer IWU und dies für ganz unterschiedliche Zukunftsbranchen. Um hier erfolgreich zu sein bedarf es eines intensiven Wissens- und Technologietransfers. Mit welchen Instrumenten erfolgte der bisherige Transfer und wie sind hier Ihre Erfahrungen?

Roman Elsner: Der kontinuierliche Wissens- und Technologietransfer wird insbesondere durch die aus unterschiedlichen Abteilungen kommenden Experten in den Projektteams sichergestellt. Darüber hinaus finden regelmäßig Themenrunden und Austauschtreffen statt, wo sich interessierte Mitarbeiter gegenseitig themenbezogen auf den neusten Stand bringen. Der institutsinterne Newsletter stellt besondere Projekte und die dazu gehörigen Ansprechpartner einmal monatlich vor. Darüber hinaus werden zu fast allen entwickelten Technologien Poster und Flyer erstellt, die prominent am Institut aushängen bzw. -liegen und damit zum Durchlesen animieren.

futureSAX: An welcher Stelle bzw. in welcher Rolle sehen Sie das Fraunhofer IWU beim Wissens- und Technologietransfer?

Roman Elsner: Das Fraunhofer IWU nimmt in der Regel die Rolle des Technologiegebers bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten ein. Darüber hinaus initiiert und engagiert sich das Fraunhofer IWU in zahlreichen Netzwerken, wie z.B. dem Innovationsnetzwerk smart³, in denen die Grenzen zwischen den klassischen Rollen des Wissens- und Technologietransfers (Technologiegeber, Technologienehmer und Technologieintermediär) verschwimmen. Durch den Einsatz von moderneren Kooperationsformen, wie Open Innovation und Design Thinking, kann die Rolle des Fraunhofer IWU sich situativ innerhalb eines Projekts ändern. Das Matchmaking ist in Netzwerken von insbesondere von Bedeutung.

futureSAX: Was war Ihr Beweggrund, Teil des futureSAX-Know-how-Netzwerkes zu werden, und wie wichtig sind branchenübergreifende Plattformen für den Wissens- und Technologietransfer? 

Roman Elsner: Das Fraunhofer IWU hat in der Vergangenheit sehr positive Erfahrungen mit der branchenübergreifenden Anwendung der eigenen Kompetenzen und Technologien gemacht. Interdisziplinäre Forschungs- und Entwicklungsteams waren dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Branchenübergreifende Plattformen ermöglichen, dass branchenfremde Akteure auf die eigenen Technologien aufmerksam werden. Das futureSAX-Know-how-Netzwerk ist für das Fraunhofer IWU daher eine tolle Möglichkeit sichtbarer zu werden und neue Kooperationspartner aus unterschiedlichen Branchen zu finden.

futureSAX: Wie kann Ihrer Meinung nach der Wissens- und Technologietransfer von der Forschung in die Anwendung noch besser unterstützt werden?

Roman Elsner: Bisher steht bei Matchmaking- und Networking-Veranstaltungen zur Anbahnung von Wissens- und Technologietransferprojekten die Anbieterseite (häufig in Form von konkreten Technologien, Kompetenzen oder Demonstratoren) im Vordergrund. Den Anbietern fehlt allerdings oftmals der tiefe Einblick in die Probleme und Bedürfnisse der Nachfrageseite. Nicht selten wird deshalb erst einmal ein Problem gesucht, das von der entwickelten Technologie gelöst werden kann. Technologiegebern würde es daher enorm helfen, wenn es neben Technologiepanels auch Problempanels geben würde.