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„Es ist schon cool, eine Marke zu schaffen...“ - futureSAX im Interview mit Jörg Kaufmann von der silbaerg GmbH

Jörg Kaufmann von der silbaerg GmbH

„Es ist schon cool, eine Marke zu schaffen...“ meint Jörg Kaufmann, Mitgründer des erfolg­reichen Start-ups silbaerg, einer Ausgründung aus der TU Chemnitz. Für ihn waren für die Gründung des innova­tiven Snowboard-Herstellers drei Faktoren wichtig: Leiden­schaft, Materi­al­wissen und ein starkes Netzwerk. Inzwi­schen kann er auf neun Jahre Unter­neh­mertum zurück­blicken. Die Geschäftsidee der silbaerg GmbH entstand 2006 aus dem Wunsch, die neusten univer­si­tären Forschungs­er­geb­nisse mit der Leiden­schaft zum Snowboarden zu kombi­nieren. In diesem Jahr fand sich eine Gruppe aus Mitar­beitern und Studenten der Techni­schen Univer­sität Chemnitz zusammen, um ihre kreativen Ideen, ihren Ehrgeiz und jede Menge Herzblut in die Verbes­serung der Fahrei­gen­schaften von Snowboards zu inves­tieren.

Herr Dr. Kaufmann, aus diesen Ideen heraus entwickelten Sie mit Ihrem Team 2007 die ersten Prototypen, welche in Oberwiesenthal praktisch erprobt wurden und in den Laboren der Technischen Universität Chemnitz ihren letzten Schliff erhielten. Anfang 2011 wurde Ihre Idee als beste Geschäftsidee (Bereich Technologie) im Rahmen des futureSAX-Wettbewerbs ausgezeichnet. Was haben Sie damals mit dem Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro gemacht? Haben Sie das Geld in weitere Forschungen oder Tests investiert? Wie hat sich seitdem Ihre Idee weiterentwickelt?
Weder noch. Wir haben das Geld in unseren ersten Messeauftritt gesteckt. Im Januar 2011 haben wir den ISPO BrandNEW Award gewonnen. Der Award war zwar nicht mit einem Preisgeld dotiert, gab uns aber die Möglichkeit, sehr kostengünstig an der weltgrößten Sportmesse der ISPO teilzunehmen und unsere Produkte erstmals der Weltöffentlichkeit zu präsentierten. Das Preisgeld vom futureSAX-Wettbewerb hat uns dann wirklich richtig gut geholfen die mit der Messe verbundenen Kosten zu finanzieren. 

Wie ist eigentlich die Idee entstanden, ein Snowboard mit verbesserten Eigenschaften zu entwickeln? Auf welche universitären Erfahrungen und Kenntnisse konnten Sie und Ihr Team hier zurückgreifen?
Die Idee, ein Snowboard zu entwickeln entstand eher Nebenbei. Ich selbst bin leidenschaftlicher Snowboarder und seit 1996 in der verschiedenen Branchen der Sportbranche beruflich tätig. Durch das so entstandene Netzwerk und das Kennen vieler Marken und den dahinter stehenden Gründern hat sich natürlich auch ein eigener Gründungsgedanke sukzessive entwickelt. Im Rahmen meiner Doktorarbeit bei Prof. Kroll am Institut für Strukturleichtbau habe ich mich dann mit den sogenannten anisotropiebedingten Koppeleffekten von Faser-Kunststoff-Verbunden beschäftigt. Das so erlangte Materialwissen und die Leidenschaft zum Snowboarden hat mich dann angetrieben, diese Materialeffekte erstmals in ein Serienprodukt zu bringen. Es spielten also drei Dinge bei der Entwicklung von unseren silbaerg Snowboards eine wesentliche Rolle: Leidenschaft, Materialwissen und mein Netzwerk in der Sportbranche.

Sie haben mit Ihrem Team, bestehend aus Wissenschaftlern und Studenten der TU Chemnitz, eine völlig neue Technologie entwickelt. Was ist das Besondere an der Technologie und vor welchen Hürden bzw. Herausforderungen standen Sie bei der Entwicklung?
Das besondere an unserer A.L.D.-Technologie ist, dass sich das Snowboard automatisch an die Fahrsituation anpasst. Dabei nutzen wir aber nicht wie heutzutage üblich Sensoren und Aktoren sondern verlassen uns auf eine Verformungseigenschaft der Faser-Kunststoff-Verbunde die laut Lehrbuchmeinung nicht eingesetzt werden kann/soll. Der Grund hierfür ist, dass diese sehr schwer zu beherrschen sind. Und da sind wir auch schon bei einer der größten Hürden: Die anisotropiebedingten Koppeleffekte zu verstehen und diese dann von einer manuellen Prototypenfertigung auf wissenschaftlichem Niveau in eine Serienfertigung zu transferieren, das waren die wesentlichen Hürden und große Herausforderungen bei der Entwicklung. Diese Punkte hätten wir ohne ein gut funktionierendes Team, das in den heißen Entwicklungsphasen fast rund um die Uhr gearbeitet hat, nie geschafft.

Im Jahre 2011 ist die Ausgründung aus dem Institut für Strukturleichtbau und Sportgerätetechnik der TU Chemnitz erfolgt. Wie ist die Ausgründung verlaufen und wer hat Sie dabei unterstützt? Welche Ratschläge haben Sie für Wissenschaftler, die eine Ausgründung planen?
Wir hatten Glück, dass uns durch SAXEED an der TU Chemnitz ein sehr kompetenter Partner zur Ausgründung zur Verfügung stand. Dies in Kombination mit dem gründungsfreundlichen Umfeld am Institut für Strukturleichtbau und meinem Netzwerk zu anderen Unternehmern in der Branche waren die wesentlichen Treiber der Ausgründung. Aber auch der Businessplanwettbewerb von futureSAX hat sehr viele Inputs geliefert. Auf den Veranstaltungen, die ich immer noch sehr gerne besuche, wenn es die Zeit zulässt, trifft man viele Gründer zum Erfahrungsaustausch und kann das so wichtige Netzwerk stetig erweitern. Auch die Coachings im Rahmen der für den Wettbewerb notwendigen Präsentationen und der Businessplanerstellung haben sehr viel geholfen ein sinnvolles Geschäftsmodel zu entwickeln. Mein Ratschlag für andere Wissenschaftler ist, dass Sie sich auf jeden Fall fachlichen Rat von einer Gründungsorganisation holen sollten, an einem Businesswettbewerb und anderen Awards aus der Branche teilnehmen, ein persönliches Netzwerk zu anderen Unternehmern der Branche aufbauen und sich anderen Unternehmern im Freundeskreis zu öffnen und sich ihren Rat einholen.

Mittlerweile sind neun Jahre seit der Ausgründung vergangen. Wie eng sind Sie heute noch mit der TU Chemnitz verzahnt? Gibt es zwischen der TU Chemnitz und der silbaerg GmbH spezielle Kooperationen?
Ja, hier gibt es noch einige Verzahnungen. Ich selbst kann von der Wissenschaft nicht richtig loslassen und bin noch immer an der TU Chemnitz angestellt. Seit Jahresanfang jedoch an der Professur für Textile Technologien unter Leitung von Prof. Cebulla. Da unsere Kernkompetenz bei silbaerg die Herstellung von den Textilen Halbzeugen der Snowboards ist erhoffe ich mir so in der nächsten Zeit noch weitere Impulse in der Sportbranche setzen zu können. Zusätzlich sind wir auch mit einem Demonstrator-Snowboard mit dem Bundesexzellenzcluster MERGE verknüpft. Hier arbeiten wir an einem Snowboard, welches aus biobasierten Rohstoffen besteht. Aber es gibt natürlich auch noch eine Vielzahl an anderen Forschungsprojekten über die wir noch nicht sprechen wollen....

Durch die beschriebene, sehr enge Kooperation erfolgt sicherlich auch ein intensiver Wissens- und Know-how-Transfer. Sind bereits weitere in der TU Chemnitz gewonnene Forschungsergebnisse in neue silbaerg-Produkte eingeflossen?
Bedingt durch meine Promotion lag der Schwerpunkt meiner Forschungstätigkeit in den letzten Jahren mehr auf der Finalisierung der Doktorarbeit. Hier wurde eine Welle-Nabe-Verbindung entwickelt, welche ebenfalls die anisotropiebedingten Koppeleffekte nutzt und nun das weltweit 2. Serienprodukt mit dieser Technologie ist. Nichtsdestotrotz konnten wir schon erste Ansätze aus der Forschung in die Serie transferieren. Unser nächstes Snowboardmodell der Shreddomat, welcher ab Herbst im Handel sein wird, weist z. B. einen Teil an Flachsfasern auf. Diese setzen wir aber hauptsächlich wegen der so optimierten Schwingungsdämpfung auf, um das Fahrverhalten noch mehr zu verbessern. Wir arbeiten aber auch noch an verschiedenen anderen Themen, welche wir auch schon im Serienprozess erproben. Welche Dinge das genau sind werden wir aber erst erzählen, wenn die Produkte mit der Technologie auch gekauft werden können.

Würden Sie aus heutiger Sicht noch einmal ein Unternehmen gründen? Wenn ja, warum?
Ja, auf jeden Fall. Jeden Tag gibt es neue Herausforderungen und Probleme zu lösen. Das ist zwar oft sehr stressig, aber auch sehr spannend und abwechslungsreich. Aber noch viel wichtiger ist, dass ich mich so selbst verwirklichen kann. Es ist schon cool, eine eigene Marke zu schaffen und Produkte zu verkaufen, die in einem so großartigen Team entstehen. Der schönste Lohn ist, wenn ich selbst in den Bergen unterwegs bin und Kunden mit unseren Produkten treffe. Ich versuche dann meist mit ihnen ins Gespräch zu kommen und etwas Feedback zu erhalten. Die Begeisterung unserer Kunden und den Spaß den sie mit unseren Snowboards haben, ist immer wieder faszinierend und der wesentlicher Punkt, warum ich wieder gründen würde.

Wie sehen Ihre Unternehmenspläne und -ziele für die Zukunft aus?
Wir wollen natürlich den Markt für Snowboards noch weiter durchdringen und die Internationalisierung vorantreiben. Aktuell haben wir Kunden in Deutschland, Österreich, Schweiz, England und Japan, da haben wir noch eine ganze Liste an offenen Ländern. Zusätzlich wollen wir unser Wissen im Bereich der Faser-Kunststoff-Verbunde und die silbaerg Leidenschaft auch noch in andere Branche und Produkte einfließen lassen. Hierzu arbeiten wir gerade an den notwendigen Partnerschaften und entwickeln ein Konzept für unsere silbaerg Engineering-Sparte. Es bleibt also spannend was die nächste Zeit so bringen wird.