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„Die Neuheit birgt jedoch auch ein Risiko...“ - futureSAX im Interview mit Dr. Kay Großmann von Nanos­copiX

NanoscopiX entwickelt ein innovatives Verfahren, um die Restriktionen der Fluoreszenztechnik bei der Untersuchung von organischen Proben zu überwinden. Wie lange beschäftigen Sie sich schon mit der Forschung in diesem Bereich? Woher kam die Idee für diesen Ansatz? 

Mit Fluores­zenz­ana­lytik beschäftige ich mich seit Beginn meiner Doktor­arbeit 2004. Im Rahmen dieser Arbeit kam auch die Idee für den von Nanos­copiX bevor­zugten Ansatz der Fluores­zenz­ana­lytik bei extrem niedrigen Temper­ta­turen. 

Seit wann ist es geplant, nicht nur wissenschaftlich sondern auch wirtschaftlich von dieser Idee zu profitieren? Wie fiel Ihr Entschluss zur Gründung?    

Die Überlegung die Idee in die Wirtschaft zu übertragen entstand bereits während der Disser­tation. Initia­li­siert durch ein stärker auf Transfer fokus­siertes Konzept des HZDR wurde die Methodik der Tieftem­pe­ra­tur­fluo­reszenz in Hinblick der wirtschaft­lichen Verwert­barkeit auf den Prüfstand gestellt. Auf Grundlage der dabei gewonnen neuen Ergeb­nisse konnten dann erste Förder­mittel aus trans­fer­ori­en­tierten Förder­maß­nahmen des Bundes und des Landes Sachsen einge­worben werden. Wir generierten neues Know-how, was durch die Gründung der Nanos­copiX abgesi­chert werden sollte.   

Sie gewannen bereits 2009 den Businessplan-Wettbewerb Medizinwirtschaft und sind nun seit vielen Jahren bei NanoscopiX dabei. Wie haben Sie die Anfangsphase erlebt? Gibt es inzwischen einen Termin für die Gründung? (Bzw.: Was sind Ihre Ziele für 2015?) Wie viele Personen arbeiten momentan an dem Projekt? 

Zunächst: Wir haben den Businessplan-Wettbewerb Medizin­technik nicht gewonnen. Aber wir waren immerhin unter den Top 5. Wie in jedem Projekt war unser bishe­riger Werdegang geprägt von Höhen und Tiefen. Den Tiefen begeg­neten wir vor allem im Bereich der Finan­zierung. Nach Einschätzung von Inves­toren befanden wir uns eine lange Zeit in einem Stadium welches zwar inter­essant, aber noch zu früh und damit zu risiko­be­haftet war, um privates Kapital akqui­rieren zu können. Auf der anderen Seite haben wir dann von den staat­lichen Förder­pro­jekt­trägern sehr oft die Auskunft erhalten, dass das Projekt schon zu wirtschaftsnah wäre um diese Förder­mittel erfolg­reich einwerben zu können. 

Einen voraus­sicht­lichen Termin für die Gründung gibt es inzwi­schen. Im Rahmen der derzei­tigen Förderung im Life Science Inkubator Sachsen konnte das Projekt so positiv weiter­ent­wi­ckelt werden, dass eine Gründung zu Beginn des Jahres 2016 geplant ist.

Das momentane Projektteam Nanos­copiX besteht aus 8 Mitar­beitern, die aus verschie­denen Gebieten der Natur­wis­sen­schaften (u.a. Mathe­matik, Chemie, Biologie) kommen und auch der Maschi­nenbau ist vertreten.

Wie bewerten Sie den bisherigen Verlauf Ihres Projektes?    

Gemessen an der Gesamt­laufzeit der Forschungs-und Entwick­lungs­ar­beiten beginnend am HZDR bis heute am Life Science Inkubator hätte ich mir schon einen schnel­leren Verlauf gewünscht. Wie bereits erwähnt empfinde ich die Hürden bei der Akquise der notwen­digen finan­zi­ellen Mittel als Brems­klotz in der Nanos­copiX-Historie. 

Die Hoffnung auf eine deutlich einfachere, schnellere und bessere Diagnosemöglichkeit für verschiedene relevante Biomarker hat sich bereits erfüllt. Ist es inzwischen möglich, ihr Verfahren während einer Biopsie einzusetzen, sodass unmittelbar auf das Ergebnis reagiert werden kann? 

Von dieser Aussage bin ich jetzt wirklich etwas überrascht - verraten Sie mir Ihre Infor­ma­ti­ons­quelle? Sie sprechen eine unserer Entwick­lungs­linien - die Tieftem­pe­ra­tur­spek­tro­skopie - an, wo der Forschungs­bedarf tatsächlich noch sehr hoch ist. Am „Proof of Concept“, das heißt einen Biomarker innerhalb der Körper­flüs­sigkeit nachzu­weisen, wird gerade noch intensiv gearbeitet.

Das Ziel unsere Analyse- bzw. Messme­thodik in der Unter­su­chung von Biopsie­ma­terial einzu­setzen, verfolgen wir eher in der Mikro­skopie. Hier sind derzeit verschiedene Projekte mit medizi­ni­schen Partnern in Vorbe­reitung, die die Anwen­dungs­mög­lich­keiten unserer mikro­sko­pi­schen Tieftem­pe­ra­tur­mess­zelle vom reinen Forschungstool auf die medizi­nische Diagnostik ausweiten.  

Welche Chancen und Risiken sehen Sie in Zukunft im Bereich der Tieftemperatur-Fluoreszenzmikroskopie/-spektroskopie?    

Wenn man bedenkt, dass es sich bei der Technik um einen neuen Ansatz handelt, der beste­hende Techniken zumindest partiell ablösen kann, haben sowohl Mikro­skopie als auch Spektro­skopie großes Markt­po­tential. Inter­essan­ter­weise und sicherlich dem Neuheitsgrad dieses Messprinzips geschuldet gibt es bisher nur wenige Anbieter mit ähnlichen Produkten. Die möglichen Anwen­dungen im Bereich der Diagnostik / Patho­logie etc. sind recht breit gefächert. Die Neuheit birgt jedoch auch ein Risiko: Es muss uns gelingen bei poten­ti­ellen Nutzern die Vorteile und Möglich­keiten dieser Technik klar aufzu­zeigen.

Über das Projekt NanoscopiX

Nach wie vor ist die Zahl der Menschen, die an sozio­öko­no­misch bedeut­samen Volks­krank­heiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-, oder Stoff­wech­se­ler­kran­kungen leiden, bezie­hungs­weise neu erkranken, besorg­nis­er­regend. Insbe­sondere Krebs­leiden sind die zweithäu­figste Todes­ur­sache in Deutschland. Aufgrund des medizi­ni­schen Fortschritts in der Krebs­be­handlung können heute viele Patienten dauerhaft geheilt werden, dennoch überleben etwa die Hälfte der Patienten die nächsten 5 Jahre nicht. Es sind daher weitere Anstren­gungen in der Diagnostik und Wirkstoff­for­schung zur Verbes­serung von Diagnose, Therapie und dem Management dieser Volks­krank­heiten gefordert. Eine wesent­liche Rolle bei der Diagnostik, der frühzei­tigen Erkennung, aber auch bei der Verlaufs- und Thera­pie­kon­trolle polygener Erkran­kungen, wie z.B. Krebs oder Diabetes mellitus und bei Erkran­kungen des Herz-Kreislauf-Systems spielen Biomarker. Diese geben in der Diagnose Aufschluss über die Existenz einer Krankheit und progno­s­tisch Hinweise zur wahrschein­lichen Entwicklung etwaiger Erkran­kungen. Darüber hinaus gestatten Biomarker die Kontrolle, Optimierung und Indivi­dua­li­sierung von Therapien sowie eine frühzeitige Diagnose mit dem Ziel, dem Patienten eine lebens­lange Behandlung, schwer­wie­gende Folge­er­kran­kungen sowie dem Gesund­heits­system hohe krank­heits­kor­re­li­e­rende Kosten zu ersparen. Trotz ihrer poten­ti­ellen medizi­ni­schen und gesund­heits­po­li­ti­schen Relevanz werden eine Vielzahl von Biomarkern jedoch aufgrund einge­schränkter, techni­scher Möglich­keiten oder ökono­mi­schen Gesichts­punkten zur Diagnose oder Therapie nicht heran­ge­zogen. Für eine Verlaufs- und Thera­pie­kon­trolle dieser Erkran­kungen spielt daneben auch eine gezielte Wirkstoff­ana­lytik eine wichtige Rolle. Auf die Frage­stel­lungen "Wo, Wie, Warum und Wann" ein Wirkstoff mit seinem Zielmo­lekül in Wechsel­wirkung tritt, soll die medizi­nische Analytik Antworten geben und „door-opener“, für den immer bedeut­sa­meren Trend zur indivi­dua­li­sierten und perso­na­li­sierten Medizin werden. Die derzei­tigen Screening-Techno­logien in der Wirkstoff­for­schung ermög­lichen zwar eine schnelle Bestimmung mit hoher Empfind­lichkeit, haben aller­dings den enormen Nachteil, dass durch die für die Analytik notwen­digen Fluores­zenz­mar­kie­rungen, ein direkter und ungewollter Eingriff in die Proben­chemie statt­findet. Die Folge sind ungenaue Messer­geb­nisse. NANOSCOPIX  entwi­ckelt und testet dabei Verfahren und Techniken welche eine bessere Analytik dieser genannten sozio­öko­no­misch relevanten Problem­stel­lungen gewähr­leisten sollen.

Dr. Kay Großmann

Dr. Kay Großmann studierte chemische Verfah­rens­technik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden (FH) und promo­vierte anschließend an der TU Dresden im Fachbe­reich Chemie. Sowohl die Diplom­arbeit als auch die Disser­tation fertigte er am HZDR an. Der Schwer­punkt seiner Tätig­keiten am HZDR bezog sich dabei auf fluores­zenz­ba­sierte analy­tische Messsysteme. So konnte er im Rahmen seiner Disser­tation „Zur Lokali­sation und Bindungsform des Urans in Biofilmen“ ein kombi­niertes Messsystem aus laser­in­du­zierter Fluores­zenz­spek­tro­skopie und konfo­kaler Laser Scanning Mikro­skopie zur ortsauf­ge­lösten, chemi­schen Analyse entwi­ckeln. Neben dem Aufbau dieser neuen Methode beinhaltete die Disser­ta­ti­ons­schrift von Herrn Dr. Großmann bereits eine Vielzahl an Unter­su­chungen zur Änderung von Fluores­zen­zei­gen­schaften bei extrem niedrigen Tempe­ra­turen. Die Disser­ta­ti­ons­arbeit wurde 2009 auf dem Wissen­schafts­forum Chemie von der Fachgruppe Nuklear­chemie der Gesell­schaft Deutscher Chemiker mit dem Promo­ti­ons­preis ausge­zeichnet.