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“Ich hoffe, als Alumni selbst auch als Motivator für andere Gründe­rinnen zu fungieren.“ - futureSAX im Interview mit Nadine Schmieder-Galfe von der ZELLMECHANIK DRESDEN GmbH

Frauen sind sowohl im Gründe­r­umfeld als auch in der Wissen­schaft immer noch rar gesät. Eine unter Ihnen, die in beiden Bereichen erfolg­reich mitmischt, ist Nadine Schmieder-Galfe, Mitgrün­derin der ZELLMECHANIK DRESDEN GmbH und Master­ab­sol­ventin in moleku­larer Biotech­no­logie. Warum Sie dennoch so gut in dieses Feld passt und welche Hoffnungen auf Ihrer Innovation ruhen, erzählt Sie uns im Interview.

futureSAX: Frau Schmieder-Galfe, beschreiben Sie Ihr Unternehmen in einem Satz:

Nadine Schmieder-Galfe: ZELLMECHANIK DRESDEN entwickelt, produziert und vertreibt weltweit ein Forschungsgerät, mit dem man die Verformbarkeit biologischer Zellen als Marker für deren Funktionalität analysieren kann.

futureSAX: Wie ist die Idee entstanden den mechanischen Fingerabdruck von Zellen zu bestimmen?

Nadine Schmieder-Galfe: Wenn man die mechanischen Eigenschaften von Zellpopulationen zum Beispiel im Blut misst, erhält man aus der Datenanalyse und der Anordnung der Punkte ein bestimmtes Bild. Das bezeichnet man als mechanischen Fingerabdruck der Zellen oder auch als mechanisches Blutbild. Das mechanische Blutbild sieht bei gesunden Menschen immer gleich aus. Beim Auftreten einer Krankheit ändert sich das Blutbild je-doch relativ charakteristisch. Das Konzept des mechanischen Blutbildes ist nicht neu. Für die mechanischen Eigenschaften von biologischen Zellen, also wie steif oder weich sie sind, interessieren sich Wissenschaftler bereits seit mehr als 20 Jahren und haben dafür verschiedene Methoden entwickelt. Mittels Atomic Force Microscopy wird die Steifheit der Zellen beispielsweise ganz simpel dadurch bestimmt, dass man auf die Zellen drückt. Diese Methode ist allerdings sehr langsam und die Erstellung eines Gesamtbildes der Zellen würde viel zu lange dauern. Unser Mentor Professor Jochen Guck vom BIOTEChnologischen Zentrum der TU Dresden hat nun vor einigen Jahren eine Methode einwickelt, mit der man die Verformbarkeit der Zellen 10.000 mal schneller messen kann als bei allen anderen bis dahin verfügbaren Methoden, die so genannte Real-Time Deformability Cytometry (RT-DC). Bei RT-DC werden die zellmechanischen Eigenschaften markierungsfrei in einem durchflusszytometrischen Ansatz in mikrofluidischen Kanälen im Hochdurchsatz und in Echtzeit analysiert. RT-DC erlaubt uns dadurch ein mechanisches Blutbild innerhalb von wenigen Minuten zu erstellen. Und als Spin-Off der TU Dresden produzieren und vertreiben wir nun als ZELLMECHANIK DRESDEN das entsprechende RT-DC-Forschungsgerät, den AcCellerator, weltweit an interessierte Forscher, die ebenfalls mit dieser schnellen Methode arbeiten wollen.

futureSAX: Was wäre der größte Vorteil daran, wenn in den nächsten Jahren jede Klinik Ihre Technologie anwenden würde?

Nadine Schmieder-Galfe: Aktuell ist unser AcCellerator noch ein Forschungsgerät, mit dem Grundlagenwissen-schaftler, Zellbiologen und klinische Forscher Grundsatzfragen zur Mechanik verschiedenster Zelltypen erforschen. Wir planen jedoch, dieses Gerät zu einem medizintechnischen Gerät für den Einsatz in der Klinik weiterzuentwickeln, mit dem es dem Arzt dann möglich sein wird, bestimmte Krankheiten besser, schneller und genauer zu diagnostizieren und zu monitoren. In welcher Indikation das jedoch erfolgen wird, können wir aktuell noch nicht genau sagen. Dazu haben wir verschiedene Ideen, allerdings hängt das natürlich auch von den Forschungsergebnissen der aktuellen und zukünftigen akademischen Anwender der Technologie ab.

futureSAX: Die ZELLMECHANIK DRESDEN GmbH haben Sie im Juli 2015 damals noch Ne-benerwerb gegründet. Wie hat sich Ihr Unternehmen seit dem entwickelt und wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Nadine Schmieder-Galfe: Tatsächlich hat das komplette Gründerteam nach zwei Jahren Validierungsarbeit ZELLMECHANIK DRESDEN im vergangenen Jahr im Nebenerwerb gegründet – nicht nur ich. Seit Beginn dieses Jahres arbeiten zwei von uns Gründern Vollzeit in unserem Unternehmen und können dadurch das Geschäft mit voller Kraft vorantreiben. Das ist sehr wichtig. Dabei schreiben wir ganz ohne Risikokapitalinvestor oder Fremdkapital schwarze Zahlen und konnten unser Gerät bereits bei den ersten deutschen und europäischen Forschungsinstituten platzieren. Aktuell bereiten wir den Eintritt in den US-Markt vor, der noch in diesem Jahr erfolgen wird. Darüber hinaus entwickeln wir den AcCellerator zu einem modularen System weiter, indem wir zusätzlich neue Technologien in das bestehende Gerät integrieren.

futureSAX: Auf der futureSAX-Innovationskonferenz 2015 wurden Sie beim Sonderpreis „Emerging Industries“ 2015 mit dem 2. Platz ausgezeichnet. Welche Auswirkungen hatte dieser Erfolg auf Ihr Unternehmen?  

Nadine Schmieder-Galfe: Der Sonderpreis „Emerging Industries“ wurde im Rahmen des C3-Projekts „Cross-Cluster-Collaboration“ verliehen, bei dem innovative Projekte und Technologien an der Schnittstelle zwischen Lebenswissenschaften und Informations- und Kommunikationstechnologien gezielt identifiziert und interdisziplinär weiterentwickelt wurden. Zum einen hat uns die Teilnahme bei C3 die Möglichkeit gegeben, unser Businesskonzept mit erfahrenen Experten aus anderen Branchen zu evaluieren und gezielt weiterzuentwickeln. Dabei konnten wir unser Netzwerk hervorragend insbesondere branchenextern erweitern. Darüber hinaus gab uns die Prämierung selbst natürlich einen starken Schub in Sachen Sichtbarkeit auf sächsischer Ebene. Und nicht zuletzt war der 2. Platz auch mit einem für uns nicht unerheblichen Preisgeld dotiert, welches wir sehr gewinnbringend im Rahmen der Firmengründung einsetzen konnten und das für uns als Unternehmen, das bis dahin ganz ohne Fremdkapital, Risikokapital oder große Fördersummen angetreten ist, sehr wichtig war. Tatsächlich würde ich mir zukünftig mehr von dieser Art von branchenübergreifender Transferunterstützung gekoppelt mit kleinen Vouchern wie bei C3 oder Preisgeldern wünschen, da bei dieser Kombination tatsächlich schon kleine Summen große Fortschritte erlauben können.

futureSAX: Als Preisträgerin wurden Sie letztes Jahr in den futureSAX-Alumnikreis aufge-nommen, die futureSAX-Angebote haben Sie aber auch schon vorher wahrge-nommen. Worin liegen für Sie die Mehrwerte beim futureSAX-Netzwerk?

Nadine Schmieder-Galfe:  futureSAX erlaubt neuen Gründern relativ schnell und effizient das eigene regionale Netzwerk zu potenziellen Geschäftspartnern zu erweitern. Dabei hilft insbesondere der regelmäßige Erfahrungsaustausch mit anderen Gründern bei der eigenen Geschäftsentwicklung. Auch die initialen Kontakte zu Investoren und deren Feedback waren und sind in unserem Fall sehr hilfreich. Darauf werden wir aufbauen, wenn wir den AcCellerator in Richtung medizintechnisches Gerät für Kliniken weiterentwickeln wollen – und Investorenkontakte kann man dafür nie frühzeitig genug knüpfen. Als Alumni kann ich nun die etablierten Kontakte auf den großen Events wie zum Beispiel der Innovationskonferenz am 06.06.2016 pflegen und intensivieren. Für mich persönlich ist dabei insbesondere auch der Austausch mit anderen Gründerinnen sehr spannend, da es aktuell (noch!) nicht sehr viele weibliche Gründerinnen im Bereich der High-Tech-Startups gibt. Deren Erfahrungen sind für mich sehr wertvoll und motivierend. Und ich hoffe, als Alumni selbst auch als Motivator für andere GründerInnen zu fungieren.

futureSAX: Wie Sie selbst sagen, sind Frauen gerade im Bereich Gründung gepaart mit Wissenschaft leider immer noch eine Rarität. Worin bestand Ihre Motivation den Weg in die Selbstständigkeit zu wagen?

Nadine Schmieder-Galfe: Die biomedizinische Wissenschaft dient nach meinem Verständnis keinem Selbstzweck, sondern ihre Erkenntnisse sollen schlussendlich dem Menschen zu Gute kommen und das Leben von Patienten verlängern oder gar bei aktuell noch unheilbaren Krankheiten retten. Tatsächlich hat es mich deshalb schon immer interessiert, wie man relevante biologische und medizinische Forschungserkenntnisse identifizieren und möglichst effektiv und effizient in Richtung Markt transferieren (= Technologietransfer) und damit dem Patienten zugänglich machen kann (= Translation). Diese Motivation habe ich aber durchaus mit vielen anderen - männlichen wie weiblichen – Gründern im Life Science-Bereich gemeinsam. Darüber hinaus passt dieser Weg auch charakterlich ganz gut zu mir: ich bin ich ein eher freiheitsliebender und tendenziell durchaus auch risikofreudiger Mensch, der zur Umsetzung der eigenen Ziele gern die eigene Komfortzone verlässt. Vielleicht ist das weniger typisch für Frauen und kann nur dann wirklich ausgelebt werden, wenn wie bei mir sowohl das Gründerteam als auch das private Umfeld sehr gut dazu passt und einen voll unterstützt. Ich liebe es einfach, neue Ideen mit einem motivierten Team gemeinsam von Grund auf zu konzipieren und zu realisieren und dabei vollkommen neue Märkte zu erschließen. Das treibt uns alle bei ZELLMECHANIK an. Oder um es mit den Worten von Steve Jobs zu sagen: „The only way to do great work is to love what you do.“

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