Interview mit Dr. Eric Peukert

Interview mit Dr. Eric Peukert

futureSAX im Know-how-Netzwerk Interview mit Herrn Dr. Eric Peukert, stellvertretender Geschäftsführer Big-Data-Kompetenzzentrum ScaDS Dresden/Leipzig

Egal ob unterwegs, auf Arbeit oder zu Hause, wir nutzen Smartphones und intelligente Assistenzsysteme wohin das Auge reicht. Was für den privaten Nutzer meist als hilfreich gilt, stellt für KMU eine der größten Herausforderungen der Gegenwart dar. Digitalisierung und die sinnhafte und effiziente Nutzung von Daten sind vor allem in Deutschland noch lange nicht auf Weltniveau. Damit sich das ändert und Unternehmen im Wettbewerb bestehen können, gibt es seit 2014 das Big-Data-Kompetenzzentrum ScaDS Dresden/ Leipzig. Wir haben mit dem stellvertretendem Geschäftsführer Dr. Eric Peukert über die Aufgaben und Ziele des ScaDS gesprochen.

„Wir wollen die Einstiegshürden in der Nutzung von Big Data verkleinern und unterstützen Anwender im Umgang mit sehr großen Datenmengen...“

futureSAX: Herr Dr. Peukert, das Big-Data-Kompetenzzentrum ScaDS Dresden/Leipzig – Competence Center for Scalable Data Services and Solutions ist im Jahr 2014 gestartet, wird von den Universitäten in Leipzig und Dresden, sowie Max Planck, Helmholtz und Leibniz Einrichtungen getragen. Welche Ziele, Themen und Forschungsschwerpunkte verfolgt das ScaDS?

Ein besonderer Forschungsschwerpunkt in Leipzig liegt auf der effizienten Zusammenführung und Analyse netzwerkartig organisierter Daten z.B. zur Prozessanalyse im Unternehmen oder zur Erkennung von IT-Sicherheitsvorfällen. Mit unserem Gradoop-System können wir Zusammenhänge und Beziehungen viel leichter Auswerten und wertvolle Schlussfolgerungen ziehen. Spannend ist dabei die Unterstützung durch Maschinelles Lernen (ML) und Künstliche Intelligenz (KI), um vormals manuelle Abläufe teilweise zu automatisieren und die Datenqualität zu verbessern. Darüber hinaus arbeiten wir intensiv an datenschutzerhaltenden Analysemethoden für Big Data.

futureSAX: Digitalisierung, Big Data und Internet of Things – sind Schlagworte, die uns tagtäglich begegnen. Herr Peukert, wie trägt das ScaDS dazu bei, diese Themen adressatengerecht für KMU aufzubereiten und einen niederschwelligen Zugang zu ermöglichen? Welche Transferformate und Partizipationsmöglichkeiten bietet das ScaDS für den Mittelstand an?

Es ist selbst für uns schwer, bei der Vielzahl an neuen Themen und Technologien den Überblick zu behalten. Wir versuchen, ein objektiver Ansprechpartner zu sein und die zum Teil gehypten Buzzwords für ein KMU einzuordnen. Nicht jedes Problem lässt sich mit einer Big Data Infrastruktur oder einem Digital Twin erschlagen, wenngleich so manche Werbebotschaft einem genau dies suggeriert.
In gemeinsamen Forschungs- und Transferprojekten arbeiten wir eng mit KMUs zusammen. Gemeinsam schaffen wir es, Forschungsergebnisse und Erfahrungen in neuartige digitale Produkte zu transferieren, oftmals auch mit der Unterstützung des Instituts für Angewandte Informatik e.V. (InfAI) aus Leipzig.

„...Daten und Wissen machen zukünftig den Unterschied im Wettbewerb aus. “

futureSAX: Das ScaDS verfügt über ein Service Center. Welche Dienstleistungen richten sich speziell an KMU?

Wir bieten mit Mitarbeitern unseres Servicezentrums Schulungen an, in denen Grundlagen von Big Data und wesentliche Technologiebausteine anhand von Praxisbeispielen vermittelt werden. Wir veranstalten regelmäßig Sommerschulen und einen Workshop „Big Data in Business“ (BiDiB), in dem Anwender die Möglichkeit haben, sich auszutauschen und Erfahrungen zu teilen. Die nächste BiDiB wird voraussichtlich im September 2019 in Leipzig stattfinden. 
Das Servicezentrum dient darüber hinaus als zentraler Ansprechpartner für KMUs. Wir bringen anhand der konkreten Problemstellungen KMUs mit den richtigen Forschern aus Dresden und Leipzig zusammen. Gemeinsam können dann kurze Beratungen bis hin zu längerfristigen kooperativen Forschungsprojekten organisiert werden.

futureSAX: Zum futureSAX-Innovationsforum „Know-how – Wissen wie!?“ Sind Sie Tischpate für das Thema „Wissenstransfer in Unternehmen – Datenschätze heben, nutzen, sichern“. Was sind Ihrer Meinung nach, die drei wichtigsten Argumente, warum sich jeder Unternehmer mit diesem Thema auseinandersetzen sollte?

Im Prinzip sollte ein Argument reichen: Daten und Wissen machen zukünftig den Unterschied im Wettbewerb aus. Wer hier nicht investiert, um seine Datenqualität zu verbessern und gleichzeitig Daten zusammenführt, der verliert auf lange Sicht. In sehr vielen Unternehmen schlummern Optimierungspotentiale und Datenschätze, die es zu heben gilt. Jeder Mitarbeiter im Unternehmen sammelt Wissen und produziert Daten. Je digitaler das Unternehmen bereits ist, desto mehr Daten sind verfügbar. In der Realität werden diese Daten jedoch nur wenig beachtet und kaum miteinander verknüpft. Es entstehen die bekannten Silos. Dabei bietet die Verknüpfung riesige Potentiale, um Prozesse zu optimieren oder erfolgreiche Arbeitsmuster zu identifizieren. Um im weltweiten Wettbewerb bestehen zu können, muss ein Unternehmen sich jedoch auch selbst analysieren, Stärken ausbauen und Schwächen beseitigen. Im ScaDS haben wir dazu einige Ansätze entwickelt, die darauf warten in die Praxis transferiert zu werden.

„Die Kombination aus neuer Kompetenz in KI und jahrelanger Erfahrung zum Beispiel im Maschinenbau wird uns in Zukunft wettbewerbsfähig machen.“

futureSAX: Herr Dr. Peukert, wie bewerten Sie den Einfluss der unternehmerischen Big Data Kompetenz auf die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit?

Wir zählen zu Big Data auch Kompetenzen in der Datenanalyse und Vorhersage mittels Maschinellem Lernens und Künstlicher Intelligenz. Hier haben wir in Deutschland großen Nachholbedarf und wir sind schon heute nicht mehr wettbewerbsfähig.  Dabei sollte m. E. neben der Forschung an Universitäten und der Einrichtung von Professuren insbesondere die berufliche Aus- und Weiterbildung der aktuell tätigen Fachkräfte (z.B. Maschinenbauer, Automobilzulieferer, IT) in unseren Unternehmen verstärkt werden. Die Kombination aus neuer Kompetenz in KI und jahrelanger Erfahrung zum Beispiel im Maschinenbau wird uns in Zukunft wettbewerbsfähig machen.

futureSAX: Was war Ihr Beweggrund, Teil des futureSAX-Know-how-Netzwerkes zu werden, und wie wichtig sind solche branchenübergreifenden Plattformen für den Wissens- und Technologietransfer zwischen der Wissenschaft und Unternehmen?

Der Austausch mit Unternehmen ist für ein initial wissenschaftlich ausgelegtes Zentrum wie das ScaDS sehr wichtig. Das futureSAX-Netzwerk ist dabei eine sehr gute Möglichkeit Kontakte zu knüpfen und ggf. aus der Praxis zu lernen. Die meisten unserer Kontakte zu KMUs und spätere Transferprojekte sind mit einer Tasse Kaffee oder Tee in der Hand entstanden.

futureSAX: Vielen Dank für das Interview.

Mehr zu ScaDS Dresden/Leipzig erfahren Sie hier.

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