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„Beim Pitch zählt der Inhalt, nicht die Verpa­ckung!“

Titus Lindl, als Initiator und Geschäfts­führer der WEGVISOR Business Angels GmbH & Co. KG nutzt er sein Kapital und Know-how um andere Gründer zu beraten. Mit futureSAX spricht der gebürtige Glauchauer über seine Arbeit und die Voraus­set­zungen damit er in ein Unter­nehmen inves­tiert.

futureSAX: Herr Lindl bitte beschreiben Sie ihr Wirken als Business Angel in wenigen Worten.

Titus Lindl:  Viele Firmen entwickeln ihr Produkt (jahrelang) am Markt vorbei, nur um dann festzustellen, dass Kunden, Mitarbeiter und Kapital fehlen. Die Gründer landen dann in der Insolvenz, vor dem Scheidungsrichter, vor zerbrochenen Freundschaften, vergebenen Karriereperspektiven und stehen erst einmal vor dem Nichts. Wir bringen die StartUps sehr frühzeitig in Kontakt mit der Realität und treffen dann schnell eine Grundsatzentscheidung, ob ein Unternehmen eine Chance am Markt hat oder nicht. Hat es keine Chance, helfen wir den Gründern eine persönliche Katastrophe zu verhindern und andere Perspektiven zu sehen. Hat es eine Chance, entwickeln wir zusammen mit dem Team das beste Geschäftsmodell, optimieren das Produkt und liefern Kunden und Kapital aus unserem breiten nationalen und internationalen Netzwerk.

futureSAX: In welche Branchen investieren Sie voranging und warum sind gerade diese für Sie so interessant?

Titus Lindl: Die Szene wird hier von zwei grundsätzlich verschiedenen Philosophien dominiert. Die einen sagen, dass erfolgreiche Investments auf der sehr tiefgreifenden Auseinandersetzung mit nur einem einzigen Thema beruhen. Die anderen sagen, dass ein Netzwerk, dass genauso vielfältig ist wie die Welt in der wir leben, ein Schlüssel zur Bildung von Synergien und neuen innovativen Geschäftsmodellen und Produkten ist. Diversität ist für uns mehr als nur ein Schlagwort. Die wesentlichen Kriterien bei der Auswahl unserer Investments sind, ob wir großes Potential in der Idee sehen, ob das Team der Gründer hungrig ist und dass wir mit unserem Einstieg einen entscheidenden Beitrag für die Weiterentwicklung des StartUps leisten können.

futureSAX: Ihrer Website zufolge investieren Sie in vor allem Frühphasenkapital. Welchen Vorteil sehen Sie durch diesen Einstiegszeitpunkt?

Titus Lindl: Der sehr frühe Einstiegszeitpunkt hat, wie vieles im Leben, Vor- und Nachteile. Die Vorteile sind ganz klar auf der Hand. Neben der Möglichkeit, dem Team schon sehr frühzeitig mit Kompetenz und Netzwerk zur Verfügung zu stehen und damit die Entwicklung des StartUps zu unterstützen, ist natürlich auch die Bewertung zu diesem Zeitpunkt für einen Investor am besten. Der Nachteil ist natürlich das sehr viel höhere Risiko zu diesem Zeitpunkt.

futureSAX: Welche ist die von Ihnen bevorzugte Beteiligungsform? Inwiefern ist diese Beteiligungsform für Sie als Investor, aber auch für die ausgewählten Unternehmen/ Startups, besonders interessant?

Titus Lindl: Oft gibt es in der Phase, in der wir in ein StartUp investieren, noch gar kein Unternehmen. Aus diesem Grund treten wir oft als eine Art Co-Founder in das Team ein und beteiligen uns direkt am Unternehmen.

futureSAX: Welche grundsätzlichen Voraussetzungen muss ein Start-up / Unternehmen erfüllen, damit Sie investieren?

Titus Lindl: 

  1. Verfügt das Unternehmen über eine hoch überlegene, einzigartige Technologie, die ein Vielfaches besser als die des nächsten Mitbewerbers ist?
  2. Wird das Produkt vom ersten Kunden an besser und wertvoller mit jedem zusätzlichen Neukunden?
  3. Lässt sich ein extremes Wachstum mit verhältnismäßig geringem Aufwand darstellen?
  4. Ist der innere Wert des Unternehmens größer als der äußere Wert?
  5. Hat das Unternehmen einen machbaren ersten Meilenstein?
  6. Lässt sich einer Wettbewerbssituation in dem adressierten Markt aus dem Weg gehen?
  7. Halten wir das Team für kompetent und schmerzresistent genug, den zähen und sehr herausfordernden Prozess des Gründens und Wachsens menschlich, finanziell, gesundheitlich und professionell zu stemmen.

futureSAX: Faszination Investor-Pitch: Welche sind die häufigsten Fehler, die Startups beim Pitch machen? Gibt es Elemente in Startup-Pitches die bei Ihnen besonders gut ankommen?

Titus Lindl: Der häufigste Fehler ist, dass Gründer ihre Idee nicht in 15 Sekunden erklären können. Beim Pitch zählt der Inhalt, nicht die Verpackung! Nur klare Aussagen lassen sich beweisen oder wiederlegen.

futureSAX: Warum sind Wettbewerbsteilnahmen wie z.B. futureSAX-Ideenwettbewerb Ihrer Meinung nach empfehlenswert?

Titus Lindl: Ich selbst habe 2004 das erste Mal an diesem Wettbewerb teilgenommen. Damals noch mit einer Idee für moderne modische Hörgeräte. Später dann nochmals mit einer besseren Idee aus dem Bereich der gedruckten Elektronik, mit der wir auch Preisträger waren. Im Nachgang kann ich den Nutzen aus dem Wettbewerb wie folgt beschreiben.

  1. Der Wettbewerb in seinen Phasen führt das Team durch einen moderierten, strukturierten und von Feedback begleiteten Prozess zur Konkretisierung ihrer Geschäftsidee bis auf ein Niveau, auf dem ein Investor eine Investitionsentscheidung treffen kann.
  2. Der Wettbewerb unterstützt das Gründerteam beim Aufbau eines regionalen und nationalen Investorennetzwerkes.
  3. Als Preisträger bekommt das Gründerteam neben einer kleinen Liquiditätsspritze natürlich PR und Aufmerksamkeit bei vielen Investoren.

Aus der Perspektive des Investors schafft futureSAX Vorbe­dingen, die der Investor selber nicht schaffen kann, von denen er aber sehr stark profi­tiert. Wir sind dankbar für diese Arbeit in Sachsen.

futureSAX: Vielen Dank für das Interview.

Mehr Informationen zu Titus Lindl finden Sie hier.