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„Wir benötigen in Sachsen dringend mehr gut ausge­bildete Infor­ma­tiker, welche als Forscher und Softwa­re­ent­wickler agieren.“

futureSAX-Know-how-Netzwerk-Interview mit Andreas Heinecke, Geschäftsführer Institut für Angewandte Informatik
Andreas Heinecke

Das Institut für Angewandte Infor­matik e.V. (InfAI) ist ein als gemein­nüt­ziger Verein gegrün­detes Institut, welches die Förderung von Wissen­schaft und Forschung auf den Gebieten der Infor­matik und der Wirtschafts­in­for­matik sowie des Techno­logie- und Knowhow­transfers mit dem Ziel der Nutzbar­ma­chung der innova­tiven Forschungs­er­geb­nisse für Unter­nehmen verfolgt. Wie genau die Arbeit aussieht und welche Erfolge das InfAI schon feiern durfte, erzählte uns Andreas Heinecke, Geschäfts­führer des InfAI im Interview.

futureSAX: Herr Heinecke, bitte beschreiben Sie in wenigen Worten die Kernkompetenzen und Hauptaufgaben des Instituts für Angewandte Informatik.

Das Institut für Angewandte Infor­matik (InfAI) besteht aus dem 2006 gegrün­deten Institut für Angewandte Infor­matik e.V. und der 2015 gegrün­deten 100%igen Tochter der InfAI Management GmbH. Wir sind ein unabhän­giges, außeru­ni­ver­si­täres Forschungs- und Trans­fer­in­stitut. Die Kompetenz- und Tätig­keits­schwer­punkte des InfAI liegen im Bereich der angewandten Forschung auf den Gebieten der Infor­matik und Wirtschafts­in­for­matik sowie des Techno­logie- und Knowhow­transfers mit dem Ziel der Nutzbar­ma­chung der innova­tiven Forschungs­er­geb­nisse für Unter­nehmen. Unsere mehr als 145 Mitar­bei­te­rinnen und Mitar­beiter beschäf­tigen sich u.a. mit den Themen Künst­liche Intel­ligenz, Data Science, Big/Smart/Linked Data in den Branchen Logistik, Smart Energy, Produktion, HealthCare/eHealth und Automotive.

futureSAX: Welche Bedeutung hat der Wissens- und Technologietransfer für die wirtschaftliche Entwicklung in Sachsen sowie für Ihre Einrichtung?

Wir am InfAI sind davon überzeugt, dass Innova­tionen aus der Kombi­nation von Know-How, Spitzen­tech­no­logie und Forscher­geist erarbeitet werden und mit dem notwen­digen Branchen­wissen und Unter­neh­mer­geist die Konkur­renz­fä­higkeit der lokalen Wirtschaft stärken müssen. Als Institut möchten wir Innova­tionen erarbeiten und ein Kataly­sator für den Transfer sein, indem wir Anfor­de­rungen, Bedarfe und Stärken der Unter­nehmen in unserer Region mit wissen­schaft­licher Expertise verbinden.

"Wir am InfAI sind davon überzeugt, dass Innovationen aus der Kombination von Know-How, Spitzentechnologie und Forschergeist erarbeitet werden (…) müssen."

futureSAX: An welcher Stelle bzw. in welcher Rolle sehen Sie sich beim Wissens- und Technologietransfer?
 
Innovationen benötigen handhabbare Hilfsmittel und Vermittler, um verschiedene Akteure zusammenzuführen und den Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft aktiv zu unterstützen. Das InfAI nimmt aktiv die Rolle des Übersetzers ein und stellt solche Hilfsmittel zur Verfügung: Durch die Kooperation am Institut werden neue Wege der Kommunikation und Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und die gemeinsame Fokussierung von Innovationsfeldern durch eine enge Verzahnung der Entwicklungsprozesse ermöglicht. Dies reicht von Beratungsleistungen, Veranstaltungen, gemeinschaftlichen F&E-Projekten bis hin zu lokalen Innovationsforen und einer Gründerunterstützung. Entsprechende methodische Ansätze entwickeln und leben wir an unserem Institut - so haben wir z.B. im Jahr 2015 eine Tochter-GmbH zur direkten Umsetzung von Lösungen in Produkte gegründet. Vor diesem Hintergrund existieren bei den am InfAI tätigen Professuren und Mitgliedern rege Unternehmensgründungsaktivitäten.
 
futureSAX: Es gibt sicherlich viele Beispiele, wie Ideen, die am InfAI entwickelt und erfolgreich in die Wirtschaft transferiert wurden. Können Sie uns eins nennen?
 
Ein Beispiel dafür ist das Transferprojekt Gisa.connect. Basierend auf den Ergebnissen eines langjährigen Forschungsprojekts zum Thema Vernetzung und Leistungsaustausch von Akteuren im Bereich erneuerbare Energien haben wir nach Abschluss des Projekts mit der GISA GmbH aus Halle einen Partner gefunden, der diese innovativen Ergebnisse zum Ausbau seines Geschäftsmodells nutzen möchte. Das Transferprojekt war geboren. Wir haben gemeinsam mit der evermind GmbH aus Leipzig die GISA GmbH dabei unterstützt, eine Innovation in ein Produkt zu überführen und am Markt zu platzieren. Dafür wurde der Forscher des InfAI, Dr. Stefan Kühne, im Jahr 2017 mit dem Sächsischen Transferpreis ausgezeichnet.

„Innovationen benötigen handhabbare Hilfsmittel und Vermittler, um verschiedene Akteure zusammenzuführen und den Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft aktiv zu unterstützen.”

futureSAX: Sie haben sich mittlerweile auch erfolgreich auf dem anspruchsvollen Gebiet der Telemedizin etabliert und dort bereits einen großen Forschungserfolg erzielt. Wie genau sieht dieser Erfolg aus?
 
Unser Forschungsprojekt „TelePark“ zur Unterstützung von Parkinsonpatienten hat beim Digitalen Gesundheitspreis den zweiten Platz belegt und sich damit gegen viele exzellente Einreichungen durchgesetzt. Zusammen mit den Projektpartnern ist es das Ziel, erste Maßnahmen für einen Ausweg aus der Versorgungskrise für Parkinsonpatienten zu erarbeiten. U.a. sollen hier Bewegungsdaten der Parkinsonpatienten erfasst und ausgewertet werden, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und schnell zu reagieren. Unser Projekt konnte sich gegen 80 weitere Projektteams und Unternehmen durchsetzen. Der mit insgesamt 50.000 Euro dotierte Preis wurde von Novartis und Sandoz/Hexal ausgeschrieben und wir sind sehr stolz, gemeinsam mit unseren Projektpartnern zu den Besten zu gehören. Solche Achtungserfolge motivieren uns, unsere Bemühungen zu intensivieren.
 
futureSAX: Wo liegen Ihrer Meinung nach noch ungenutzte Transferpotenziale?
 
Ungenutzte Transferpotentiale liegen in einer Reihe von innovativen Ergebnissen aus Forschungsvorhaben, die in die Wirtschaft transferiert werden können. Damit dies umgesetzt werden kann, braucht es meines Erachtens mehr Anreize für Unternehmen, Vorteile aus diesem Potential zu ziehen. Ein wichtiger Anreiz ist hier die Technologietransferförderung der SAB. Doch es braucht mehr. Wir benötigen in Sachsen dringend mehr gut ausgebildete Informatiker, welche als Forscher und Softwareentwickler agieren. Ohne diese können wir die notwendige Schlagzahl zur Erarbeitung von Innovationen und zur Durchführung von Transfer nicht aufrechterhalten. Zudem benötigen die regionalen Unternehmen ebendiese, um neben den Aufgaben des Tagesgeschäfts überhaupt Transferleistungen empfangen und mit Leben füllen zu können. Gerade im Bereich Künstliche Intelligenz sehe ich den Bedarf, dass wir alle deutlich mehr tun müssen, um konkurrenzfähig zu sein.
 
futureSAX: Was war Ihr Beweggrund Teil des futureSAX-Know-how-Netzwerkes zu werden und in diesem branchenübergreifenden Netzwerk mitzuarbeiten?
 
Das futureSAX-Know-how-Netzwerk ist einerseits eine gute Möglichkeit, auf die verschiedenen Möglichkeiten, die unser Institut den Unternehmen in Sachsen bietet hinzuweisen und unsere Funktion als Mittler besser wahrnehmen zu können. Andererseits ist uns auch bewusst, dass es im Bestreben um Wissens- und Technologietransfer neben den von uns angebotenen Möglichkeiten sehr viele weitere Akteure mit guten Ansätzen und Strategien gibt, auch hier ist uns die Vernetzung wichtig. Von dem Austausch mit diesen Einrichtungen profitieren wir und geben diese Impulse weiter. Das Netzwerk ist für uns eine sehr gute Plattform für solch einen Austausch.
 
futureSAX: Vielen Dank für das Interview.
 
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