header

futureSAX-Know-how-Netzwerk-Interview mit Prof. Dr. agr. Knut Schmidtke

Prof. Dr. agr. Knut Schmidtke

Der Prorektor für Forschung und Entwicklung der HTW Dresden und Projektleiter des Transferverbunds Saxony5 stellt die Aktivitäten des Verbundprojekts vor.

futureSAX: Prof. Schmidtke, bitte beschreiben Sie kurz, was der Transferverbund Saxony5ist und welche Hauptziele das Vorhaben verfolgt.

Die sächsischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Dresden, Leipzig, Mittweida, Zittau/Görlitz und Zwickau wollen den forschungsbasierten Wissens- und Technologietransfer stärken und dabei zukünftig stärker zusammenarbeiten. Dafür bündeln sie ihre Ressourcen und Kompetenzen im Transferverbund „Saxony5“. Mittels interdisziplinärer Zusammenarbeit und intelligenter Vernetzung soll inhaltlich und methodisch eine neue Qualität im Transfer und somit für die Region eine nachhaltige Wohlfahrtsentwicklung erreicht werden.

futureSAX: Die „Third Mission“ an Hochschulen, also der Wissenstransfer in die Wirtschaft und Gesellschaft gewinnt zunehmend an Bedeutung. Welche Möglichkeiten ergeben sich durch Saxony5, den Transfer in den lokalen und regionalen Mittelstand zu verbessern?

Die betei­ligten Hochschulen verstehen Wissens- und Techno­lo­gie­transfer weniger als Einbahn­straße denn als rekur­siven Prozess. Das heißt, Innova­tionen sollen Schritt für Schritt im Austausch mit der Gesell­schaft und Unter­nehmen entstehen. Wie sieht das in der Praxis aus? Vertreter aus Unter­nehmen, wissen­schaft­lichen oder gesell­schaft­lichen Insti­tu­tionen können sich mit ihren Problemen und Fragen an den Verbund wenden. In multi­dis­zi­pli­nären Teams entwi­ckeln die Hochschulen konkrete Antworten und Lösungen, die sie dann wieder in die Öffent­lichkeit zurück­spielen. Indem die Hochschulen unter­ein­ander sowie mit Wirtschaft und Gesell­schaft Wissen und Ideen austau­schen, entstehen neue Impulse. Diese gegen­seitige Stimu­lation und das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen für praktische Probleme fördert wiederum die Entwicklung weiterer innova­tiver Ansätze.

futureSAX: Im Transferverbund werden sechs Co-Creation Labs (CCL) entstehen. Bitte erläutern Sie kurz, was darunter zu verstehen ist.

Co-Creation Labs bündeln komple­mentäre fachliche Stärken und experi­men­telle Möglich­keiten von mindestens drei HAW zu je einem markt- oder gesell­schafts­re­le­vanten Top-Thema – mit dem Ziel, seitens der regio­nalen Wirtschaft als „Systeman­bieter“ für dieses Thema wahrge­nommen zu werden. Co-Creation Labs dienen dem Austausch über Bedarf und Trans­fer­an­gebote, zur Demons­tration neuer Techno­logien, zur niedrig­schwel­ligen Erprobung von Ideen und Lösungen, aber auch als Kristal­li­sa­ti­ons­punkte für inter­dis­zi­plinäre Netzwerk­arbeit, Weiter­bildung und die Anbahnung neuer Koope­ra­tionen.

futureSAX: Welche thematischen Ausrichtungen haben die CCL und wie können sich sächsische KMU einbringen oder davon profitieren?

Die Co-Creation Labs haben ein breites thema­ti­sches Spektrum und orien­tieren sich an den Kernkom­pe­tenzen und Profil­linien der HAW. Sie reichen von „Fabrik der Zukunft“, „Land­wirt­schaft und Biodi­ver­sität“ (beide unter Leitung der HTW Dresden), „Vernetzte Mobilität“ (Leitung HTWK Leipzig) und „Additive Fertigung“ (Leitung HS Mittweida) über „Versor­gungs­in­fra­struktur“ (Leitung HS Zittau/Görlitz) bis hin zu „Ober­flä­chen­technik“ (Leitung Westsäch­sische HS Zwickau).

Der enge, wechsel­seitige Austausch von Ideen und Know-how ist ein Motor für Innova­tionen und somit für uns der Schlüssel zum Erfolg. Wir wollen mit Vertretern aus Unter­nehmen, Kultur und Gesell­schaft ins Gespräch kommen. Es geht uns um den Aufbau eines neuen Systems der Koope­ration und Zusam­men­arbeit, in dem man gegen­seitig das Potenzial für Weiter­ent­wick­lungen hebt. Wir suchen gemeinsam mit Unter­nehmern und Bürgern nach anwen­dungs­ori­en­tierten Lösungs­an­sätzen für die drängenden Probleme unserer Zeit.

Als Erst-Kontakt zu Saxony5 stehen die Standortmanager der fünf Hochschulen mit Rat und Tat zur Seite. Sie fungieren als Schnittstelle und vermitteln auf kurzem Weg den passenden Ansprechpartner im Verbund – unabhängig davon, ob fachliche Unterstützung in der Umsetzung eines Forschungsvorhabens oder methodische Kompetenz bei der Weiterverwertung von konkreten Ergebnissen gefragt ist.

futureSAX: Die HTW Dresden leitet unter anderem das CCL „Fabrik der Zukunft“. Was erwartet interessierte KMU in dieser IoT-Testumgebung?

IoT (Internet of Things), Mensch-Maschine-Kolla­bo­ration, Cloud-Anwen­dungen & Edge-Lösungen – das sind Schlag­worte und Themen rund um Industrie 4.0-Szenarien, mit denen sich das CCL „Fabrik der Zukunft“ u. a. ausein­an­der­setzt. Gemeinsam mit dem Fraun­hofer-Institut für Photo­nische Mikro­systeme (IPMS) als direktem Partner sowie Vertretern aus den vier anderen Hochschulen arbeitet das HTW-Team rund um Prof. Dirk Reichelt an einem One-Stop-Shop-Ansatz für Innova­tionen in der Fertigung: Wie können intel­li­gente Werkstücke und Maschinen den Prozess steuern, mitein­ander kommu­ni­zieren, sich eigen­ständig durch die Produktion bewegen? Dabei zielt das Co-Creation Lab insbe­sondere auf Anwender und Lösungs­an­bieter bzw. Syste­min­te­gra­toren in der Industrie und will den Innova­ti­ons­bedarf im Dialog mit Unter­nehmen und weiteren Stake­holdern syste­ma­tisch erfassen.

Kernelement des CCL ist das Indus­trial Internet of Things (IIoT) Test Bed der HTW Dresden, in dem die Entwicklung und Erprobung von neuen Ferti­gungs­kon­zepten und Produkten mittels unter­schied­licher IoT-Anwen­dungen möglich wird.

futureSAX: Welche Erwartungen haben Sie an das futureSAX-Know-how-Netzwerk und wo sehen Sie Ihre Möglichkeiten sich einzubringen?

Wir als HAW im Freistaat schätzen das große Portfolio an Kontakten von und zu sächsi­schen KMU bei futureSAX. Das Netzwerk stellt für uns einen idealen Multi­pli­kator und eine Schnitt­stelle in die sächsische Wirtschaft dar. Insbe­sondere im Bereich der vielfäl­tigen Veran­stal­tungen zu Innova­ti­ons­themen können wir uns gut vorstellen, uns mit neuen Formaten einzu­bringen. Durch unsere inter­dis­zi­plinäre Hochschul-Ausrichtung bringen wir die fachliche Kompetenz zur Bündelung verschie­denster Themen in innova­tiven Veran­stal­tungs­kon­zepten mit und können hier wertvolle Impulse geben.

futureSAX: Vielen Dank für das Interview.

Mehr zum Transferverbund Saxony5 finden Sie hier.