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„Bran­chen­über­greifend zu denken, ist ein Muss.“

Sascha Weber

Seit Juni 2018 steht Sascha Weber im KUZ für die Zielstellung, zukünftig den Techno­lo­­gie­transfer zwischen Forschung und Wirtschaft zu forcieren und dadurch auch Innova­tionen schneller am Markt zu etablieren. Wir haben mit ihm über das KUZ und seine Erwar­tungen an das futureSAX-Know-how-Netzwerk gesprochen.

„Als industrienahe Forschungseinrichtung ist das KUZ prädestiniert für Entwicklungen und Prinziplösungen, die schnell in der Praxis wirksam werden.“

futureSAX: Herr Weber, bitte beschreiben Sie kurz die Forschungsschwerpunkte und Kernkompetenzen des Kunststoff-Zentrum in Leipzig (KUZ).

Die Forschungs- und Entwick­lungs­schwer­punkte (F+E) decken die gesamte Wertschöp­fungs­kette der kunst­stoff­ver­ar­bei­tenden Industrie ab. Schwer­punkte der Verar­bei­tungs­technik sind das Spritz­gießen mit Analyse, Entwicklung und Optimierung von Verar­bei­tungs­ver­fahren, die Spritz­gieß­si­mu­lation, die Mehrkom­po­nen­ten­technik, das thermo­plas­tische Schaum­spritz­gießen, die Entwicklung von Werkstoff­kom­bi­na­tionen aus Kunst­stoffen und nachwach­senden Rohstoffen, die Polyu­rethan­ver­ar­beitung und die Mikro­kunst­stoff­technik. Hier existiert das Appli­ka­ti­ons­zentrum MiKA (Reinraum­technik, Sonder­ver­fahren), in dem die Formteil-, Werkzeug- und Techno­lo­gie­ent­wicklung statt­findet. Komplet­tiert wird unser F+E-Angebot durch Entwicklung von Fügetech­no­logien, material- und verfah­rens­ge­rechter, einsat­z­op­ti­mierter Formteil­ge­staltung sowie Werkzeug­kon­struk­tionen und entwick­lungs­be­glei­tende Werkstoff - und Bauteil­prü­fungen in unserem akkre­di­tierten Prüflabor.

futureSAX: Als gemeinnützige industrienahe Forschungseinrichtung arbeitet das KUZ unter dem Motto „Mit der Industrie – für die Industrie“. Wie sieht diese Zusammenarbeit konkret aus und wie können sächsische Unternehmen von der Forschung und Entwicklung am KUZ profitieren?

Das KUZ kann praxisorientierte F+E Dienstleistungen für sächsische Unternehmen anbieten. Als industrienahe Forschungseinrichtung ist das KUZ prädestiniert für Entwicklungen und Prinziplösungen, die schnell in der Praxis wirksam werden. KMUs können sich in projektbegleitenden Ausschüssen selbst mit in Forschungsprojekte einbringen und von Netzwerken profitieren, um eigene Fragestellungen zu thematisieren.
Weiterhin bieten wir den Teilnehmern unserer Weiterbildungsangebote, bestehend aus Seminaren, Workshops und Tagungen zu unterschiedlichsten Themenstellungen im Bereich Kunststofftechnik immer einen aktuellen Bezug zum Stand der Technik und zu veröffentlichten Forschungs- und Entwicklungsergebnissen.

„Als industrienahe Forschungseinrichtung haben wir täglich direkt Kontakt mit Unternehmen, erfahren von den Herausforderungen und Problemen bzw. dem F+E-Bedarf.“

futureSAX: Ende 2017 ist unter Koordination des KUZ das ZIM-Kooperationsnetzwerk „TSchaum+Funktion“ gestartet. Herr Weber, welche Ziele und Inhalte verfolgt das KUZ mit dem Netzwerk und wie können sich Unternehmen daran beteiligen?

Inhaltlich steht das thermo­plas­tische Schaum­spritz­gießen im Zentrum. Das damit zu errei­chende Ziel ist häufig der Leichtbau. Kleine und mittlere sächsische Unter­nehmen können gemeinsam mit Partnern Innova­tionen voran­treiben, die zu vermark­tungs­fä­higen Produkten führen. Das „Zentrale Innova­ti­ons­pro­gramm Mittel­stand“ als eine Initiative zur Förderung des Mittel­stands des Bundes­mi­nis­te­riums für Wirtschaft und Techno­logie fördert diese Innova­tionen. Die Zusam­men­arbeit im Netzwerk erzeugt Syner­gie­ef­fekte. Das KUZ als Netzwerk­ma­na­ge­men­tein­richtung unter­stützt die Unter­nehmen bei der Ideen­findung, in der Antrags­phase und im weiteren Verlauf der F+E-Projekte. Bei einigen Projekten agiert das KUZ selbst als Partner und treibt somit die Entwick­lungen voran.

futureSAX: Mit dem Format „Kunststoff trifft Medizintechnik“ eröffnet das KUZ einen Raum zum branchenübergreifenden Wissens- und Technologietransfer. Herr Weber, wie kann nach ihrer Einschätzung der branchenübergreifende Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft noch verbessert werden?

Als industrienahe Forschungseinrichtung haben wir täglich direkt Kontakt mit Unternehmen, erfahren von den Herausforderungen und Problemen bzw. dem F+E-Bedarf. So gelingt der branchenübergreifende Transfer am besten.
Oft besteht jedoch die Schwierigkeit, interessierte Kontakte und Firmen aus anderen Branchen für gemeinsame Projekte zu identifizieren. Hierzu dient die geschaffene und branchenübergreifende Transferplattform für einen interdisziplinären Austausch zwischen Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft.

„Kunststoffe sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken.“

futureSAX: Die Kunststoffbranche sieht sich im Hinblick auf die Themen Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz wachsenden Anforderungen gegenüber. Inwieweit unterstützt das KUZ Unternehmen bei dieser Herausforderung.

Kunststoffe sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Gerade deshalb ist ein ressourcenschonender Umgang mit diesen Materialien wichtiger denn je. Am KUZ gibt es seit einiger Zeit unterschiedlichste Forschungsprojekte, die sich diesem Thema aus verschiedenen Richtungen nähern:
So sind beispielsweise bereits Forschungsprojekte mit dem Schwerpunkt ressourceneffizienter Leichtbau aus dem vom KUZ koordinierten Leichtbau-Verbundnetzwerk ‚T-Schaum+Funktion‘ mit 16 Partnern aus Industrie und Forschung hervorgegangen. Ziel ist es dabei, nachhaltige Leichtbaustrukturen auf Basis neuer (biobasierter) Materialien, Konstruktionskonzepten sowie Fertigungsverfahren zu entwickeln und umzusetzen. Weiterhin beschäftigt sich das KUZ mit der Einbringung von Naturstoffen in den Kunststoffkreislauf. Biobasierte und bioabbaubare Kunststoffe werden weiterentwickelt, untersucht und prototypisch hergestellt, um alternative Lösungsansätze für erdölbasierte Kunststoffe aufzuzeigen. Das Thema „energieeffiziente“ Fertigung ist ein fester Bestandteil unserer F+E-Arbeit. Die Ergebnisse aus einem Projekt stellen eine wesentliche Grundlage im Rahmen unserer Weiterbildung der Maschineneinrichter dar. Diese und weitere Themen bestimmen den Alltag im KUZ mehr denn ja, um die Wichtigkeit von Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung zu verdeutlichen und aus Worten Taten abzuleiten. Ganz aktuell laden wir zum nächsten Forum Spritzgießen am 02.April 2019 in das KUZ ein. Es steht unter der Überschrift „Kunststoff - nachhaltiger als man annimmt“.

futureSAX: Herr Weber, was war Ihr Beweggrund, Teil des futureSAX-Know-how-Netzwerkes zu werden, und wie wichtig sind solche branchenübergreifenden Plattformen für den Wissens- und Technologietransfer?

Die branchen­über­grei­fenden Platt­formen sind für uns wichtige Gelegen­heiten, auch in branchen­fremden Unter­nehmen bekannt zu werden. Auf diese Weise sind schon einige inter­essante Koope­ra­tionen zu beider­sei­tigem Nutzen entstanden. Branchen­über­greifend zu denken, ist ein Muss. Die Frage­stel­lungen und Aufgaben der Industrie sind komplexer denn je und können nur durch die intel­li­gente Kopplung mehrerer Wissens­ge­biete gelöst werden. Als Forschungs­ein­richtung ist es uns besonders wichtig, dass das Knowhow in unserer unmit­tel­baren Region Früchte trägt. futureSAX unter­stützt dabei die gegen­seitige Sicht­barkeit der Akteure aus Wirtschaft und Wissen­schaft und reali­siert Formate für den Austausch zwischen den Akteuren. Damit trägt futureSAX zu einem branchen­über­grei­fenden Transfer in Sachsen bei.

futureSAX: Vielen Dank für das Interview.

Mehr zum Kunststoff-Zentrum in Leipzig erfahren Sie hier.