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„Von den wirklich guten zu lernen war ein erfolgs­ent­schei­dendes Kriterium.“

Das Sächsische Mentoring-Netzwerk wurde im Rahmen der Innovationskonferenz am 28. August 2017 gelauncht. Am 20. Januar 2018 beim futureSAX-Gründerbrunch steht das Kernteam für Interessierte im Rahmen der KarriereStart erneut bereit. Wir haben mit Stefan Urlberger gesprochen und ihn nach seiner Motivation und ersten Erfahrungen befragt.

futureSAX. Wie kommt ein Geschäftsführer eines Softwareherstellers, bei dem es doch eher um digitale Themen geht, auf die Idee ein Mentoring-Netzwerk zu initiieren? 

Stefan Urlberger: Durch die eigene Historie. Ich bin seit knapp 20 Jahren selbständig und habe in der Zeit viel Unterstützung erhalten und mich mit vielen erfolgreichen Menschen unterhalten, von denen ich lernen wollte und für die ich natürlich auch immer ein spannendes Angebot brauchte. Ich denke, dass das ein erfolgsentscheidendes Kriterium für mich war – von den wirklich Guten zu lernen und dass das auch eine Menge Spaß gemacht hat.

Die Digita­li­sierung bringt uns dazu, alte Muster zu hinter­fragen und agiler zu werden, Wissen schneller zu erwerben. Ich glaube, dass die Verbindung von Unter­nehmen unter­schied­licher Reife­grade und der Austausch von Wissen (z.B. gute Unter­neh­mens­führung) entscheidend dafür sind, dass wir auch in Zukunft ein leistungs­fä­higer Standort bleiben. Denn auch die Zusam­men­arbeit vor Ort ist in globalen Märkten nach wie vor wichtig und oftmals das Tor in die große, weite Welt.

futureSAX: Das Sächsische Mentoring-Netzwerk hatte auf der futureSAX-Innovationskonferenz im August 2017 seinen Start. Wie ist es angelaufen und wie sehen Sie futureSAX in diesem Zusammenhang?

Stefan Urlberger: Für mich ist futureSAX die ideale Plattform dafür, da wir möglichst viele Menschen ansprechen wollen und dabei auch vorhandene Organisationen und Verbände einbinden wollen und müssen. Zudem ist die Marke positiv besetzt und hat gute Verbindungen zu Unternehmen, Gründern, Wissenschaft und zu öffentlichen Institutionen.

Angelaufen ist es übrigens sehr gut – wir haben bereits mehrere Veranstaltungen begleitet, die ersten Mentees vermittelt und viele Mentoren haben sich bei uns gemeldet. Dresden ist bereits aktiv und in Chemnitz und Leipzig rechnen wir im ersten Quartal 2018 damit, ebenfalls aktiv werden zu können.

futureSAX: Erklären Sie bitte kurz die Idee des Sächsischen Mentoring-Netzwerkes. Wie läuft das konkret ab?

Stefan Urlberger: Das Mentorennetzwerk bringt neugierige und lernfreudige UnternehmerInnen zusammen. In einem mindestens sechsmonatigen Tandem erfolgt ein Erfahrungsaustausch zwischen Mentor und Mentee, aus dem beide etwas lernen. Es geht dabei vor allem um die Entwicklung der eigenen Unternehmerpersönlichkeit und darum, mit jemandem über das sprechen zu können, wo man in der Firma oder im Freundeskreis manchmal keinen hat, mit dem man das besprechen könnte. Jemanden, der einen versteht und aus eigener Erfahrung schildern kann, wie man es machen könnte oder wie es nicht ging. Es geht um Austausch über die normale Filterblasengrenze hinweg – um persönliches Wachstum eben.

Mentoring ist eine Vertrau­ens­sache. Daher gibt es für Mentoren einen Auswahl­prozess, der darauf achtet, dass der Mentor eine entspre­chende unter­neh­me­rische Erfahrung und die nötigen Soft Skills hat, damit er oder sie sein Wissen glaubhaft vermitteln kann.

Für Mentees gibt es ein Bewerbungsformular, in dem wichtige Informationen zum Unternehmen und zum Mentoringziel abgefragt werden. Ggf. gibt es im Nachgang noch ein weiteres Qualifizierungsgespräch, wenn sich Fragen ergeben. 

futureSAX: Welchen Mehrwert haben auf der einen Seite Gründer und Jungunternehmer (Mentees) und auf der anderen Seite auch die Mentoren?

Stefan Urlberger: Als Mentee erhalte ich Zugriff auf eine Welt, deren Regeln ich vielleicht noch nicht genau kenne. Wie rede ich mit bestimmten Menschen, wie ticken sie, was wollen sie, was bewegt sie? Ich erhalte Informationen aus erster Hand, wie man Teams anleitet, wie man Strukturen aufbaut und ich kann jemanden einfach mal fragen, wie er oder sie das alles „gemacht“ hat. Jemanden, der selbst weiß, „wie es ist“ und mir dabei hilft, damit umzugehen und schneller die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Für Mentoren bietet sich die Möglichkeit, die eigenen Erfahrungen mit anderen zu teilen und ihnen damit eine zusätzliche Bedeutung zu geben. Es ist eine Gelegenheit zur Reflektion und mit einem übersichtlichen Aufwand mal etwas Gutes zu tun, das direkt wirkt – von Mensch zu Mensch. Ich komme aus meiner gewohnten Umgebung heraus und sehe eine neue Welt, in der vielleicht auch ein paar neue Regeln gelten. Ich lerne als Mentor also auch – ich entwickle mich weiter. Vielleicht finde ich sogar gute Kooperationspartner für die Zukunft.

futureSAX: Das Mentoring-Netzwerk ist sachsenweit aktiv und dennoch existieren regionale Kernteams? Warum? 

Stefan Urlberger: Dafür gibt es zwei Kerngründe. Zum einen „tickt“ jede Region etwas anders und hat damit auch eine andere Zusammensetzung der Unternehmen vor Ort. Zum anderen erfordert die Vermittlung und die Gewinnung von Mentoren auch etwas Geschick und lokale Kenntnis – wenn ich jetzt von 200km weit her komme kann ich den Leuten viel erzählen, aber die Menschen vor Ort wissen doch viel eher, wie es geht.

Umgekehrt ist der Austausch zwischen den Teams über die Regionen hinweg sehr wertvoll und schafft natürlich auch mehr Möglich­keiten, wenn z.B. jemand explizit mit einer anderen Stadt etwas machen will kann man natürlich nachfragen und schauen, dass man jemanden findet, der sich dort auskennt. Den Kontakt zwischen den Teams zu halten ist daher viel einfacher, als überre­gional zu versuchen, alles zentra­li­siert zu lösen.

futureSAX: Das Sächsische Merntoring-Netzwerk informiert über seine Arbeit auch beim futureSAX-Gründerbrunch am 20. Januar 2018 im Rahmen der KarriereStart. Was erwartet die Besucher? 

Spannende Unter­nehmer und Mentoren, die von sich erzählen und Fragen beant­worten können. Die vielleicht den ein oder anderen Tipp auf Lager haben und sich dafür inter­es­sieren, ins Gespräch zu kommen. 

futureSAX: Sie sind selbst seit vielen Jahren als Mentor aktiv. Was sind Ihre Erfahrungen und warum sollten sich Ihrer Meinung nach viel mehr Unternehmer diesbezüglich engagieren?

Stefan Urlberger: Ich habe gesehen, dass die nachfolgenden Unternehmergenerationen mit viel Schwung und Elan starten und vieles, was wir an Führung in etablierten Firmen sehen, anders angehen. Da ist viel Gutes dabei und mit etwas mehr Methodik kommt auch noch was Besseres raus – ich glaube, dass wir als Unternehmer vor allem lernen können, wie die Generationen nach uns ticken – wie sie geführt werden wollen, was sie begeistert, was sie erreichen mögen und wie wir den Brückenschlag zu unserer „alten“ Welt hinbekommen, die ja meistens noch die Aufträge vergibt.

Mir hat es geholfen, agiler zu werden, wachsamer für Gelegen­heiten und Chancen und ein Netzwerk aufzu­bauen, das stetig wächst. Denn jedes gute Unter­nehmen, das vernünftig wächst, findet seine eigene Umgebung und erinnert sich gern an die Menschen, die geholfen haben. Und damit bekomme ich Zugriff auf wichtiges Wissen, auf das ich sonst nur mit deutlich größerem Aufwand kommen würde. Auch wenn das nicht die Idee war – mein Engagement hat sich schon mehr als einmal durch Gelegen­heiten ausbe­zahlt, von denen ich sonst nie erfahren hätte. Zudem habe ich teils erst Jahre später Koope­ra­tionen oder Beauf­tra­gungen reali­siert, weil genau dann das gegriffen hat, was sich vor ein paar Jahren mal eine junge Firma überlegt hatte – und dann war klar, mit wem ich das mache.

Mehr Informationen zum Sächsisches Mentoring-Netzwerk finden Sie hier: www.futuresax.de/mentoring