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„Erfolg­reiche Innova­tionen brauchen starke Partner…“

futureSAX im Start-up-Partner-Netzwerk Interview mit Dipl.-Wirt.-Ing. (FH) Martin Sachse von der AGIL GmbH Leipzig

Viele KMUs sehen sich oft an ihren Grenzen im Bereich Forschung & Entwicklung (F&E), wenn es um techno­lo­gische und innovative Weiter­ent­wicklung geht. Gerade im Hinblick auf den inter­na­tio­nalen Märkten ist dies aber überle­bens­wichtig. Die Zusam­men­arbeit mit wissen­schaft­lichen Einrich­tungen ist daher unerlässlich. Damit der Wissens- und Techno­lo­gie­transfer von den Hochschulen, Univer­si­täten und Forschungs­in­sti­tuten in die KMUs funktio­niert, dafür sorgt unter anderem die 1991 gegründete AGIL GmbH Leipzig. Martin Sachse ist hier Ansprech­partner für Techno­logie Transfer und TRIZ Trainer. futureSAX hat mit ihm über seine Arbeit bei der AGIL GmbH Leipzig gesprochen.

futureSAX: Die Agentur für Innovationsförderung und Technologietransfer Gmbh Leipzig (AGIL GmbH Leipzig) wurde im Jahr 1991 gegründet und ist eine hundertprozentige Gesellschaft der IHK zu Leipzig. Herr Sachse, welche zentralen Inhalte und Ziele verfolgt die AGIL?

Um das Wachstum der regio­nalen Wirtschaft zu stärken, wurde die AGIL GmbH Leipzig auf Initiative des Bundes­wirt­schafts­mi­nis­te­riums gegründet.

Wir beraten Kunden aus der Region, Deutschland und auch Europa zu Innovation, Techno­logie, Quali­täts­ma­na­gement, Gewerb­liche Schutz­rechte und Finan­zierung. Dabei zeichnet uns ein ganzheit­licher Beratungs­ansatz, von der Ideen­ge­ne­rierung bis über die Marktein­führung hinaus, aus.

Mit inter­na­tio­nalen Koope­ra­ti­ons­netz­werken, wie z.B. dem Enter­prise Europe Network und einem eigenen Paten­t­in­for­ma­ti­ons­zentrum, welches als offizi­eller Koope­ra­ti­ons­partner des Deutschen Patent- und Marken­amtes erster Ansprech­partner für Fragen zu Patenten, Marken, Designs und Gebrauchs­mustern ist, ermög­lichen wir unseren Kunden ihren Innova­ti­ons­vor­sprung im inter­na­tio­nalen Wettbewerb nachhaltig auszu­bauen und damit in Zukunfts­märkten zu wachsen.

futureSAX: Herr Sachse, Sie sind Ansprechpartner für den Technologie Transfer bei der AGIL. Wie unterstützen Sie konkret den Transfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft?  

Wir stellen Unter­nehmen aktuelle Techno­lo­gie­trends und Forschungs­schwer­punkte vor, wie zum Thema Digita­li­sierung von der HTWK Leipzig und zu Sensoren für IoT sowie effek­tives Daten­ma­na­gement für KI-Anwen­dungen von der Industrie 4.0-Konferenz 2019 des Hasso-Plattner-Instituts. Für gemeinsame Innova­ti­ons­pro­jekte sondieren wir für Unter­nehmen geeignete Partner aus der Wirtschaft und Wissen­schaft. Durch die Vernetzung von Unter­nehmen unter­ein­ander und mit Univer­si­täten, Hochschulen und Forschungs­in­sti­tuten ergänzen sich die unter­schied­lichen Kompe­tenzen, bei denen oftmals Know-how aus verschie­denen Bereichen, wie Techno­logie und soziale Entwick­lungen benötigt wird, der Projekt­partner ideal.

Konkret habe ich in einem Indus­trie­un­ter­nehmen mit mehreren hundert Mitar­beitern, ein Kompe­tenzteam gebildet und mit diesem zusammen die einge­setzte Techno­logie analy­siert und weiter­ent­wi­ckelt. Mit der neu entwi­ckelten Techno­logie, die mithilfe eines Partners außerhalb der EU umgesetzt wurde, konnte das mittel­stän­dische Indus­trie­un­ter­nehmen mit weitaus größeren inter­na­tio­nalen Wettbe­werbern, mit über 50.000 Mitar­beitern, technisch gleich­ziehen. Das sechs­stellige Inves­ti­ti­ons­vo­lumen amorti­sierte sich innerhalb weniger Monate und selbst die Mitar­bei­ter­zu­frie­denheit ist durch die modernste, verfügbare Techno­logie deutlich gestiegen.

Bei einem anderen Techno­lo­gie­un­ter­nehmen habe ich zusammen mit dem Kompe­tenzteam mehrtägige Innova­ti­ons­work­shops durch­ge­führt, bei denen über 90 Produk­tideen für die kurz, mittel und langfristige Unter­neh­men­s­ent­wicklung generiert wurden. Diese Ideen werden jetzt in F&E-Koope­ra­ti­ons­pro­jekten mit anderen Indus­trie­un­ter­nehmen und Forschungs­ein­rich­tungen zur Marktreife entwi­ckelt.

Dabei verfolge ich immer einen markt­nahen Ansatz mit Ermittlung der bewussten und unbewussten Kunden­be­dürf­nisse, welche syste­ma­tisch in die Erarbeitung des Geschäfts­mo­dells einfließen. Für einen größt­mög­lichen Erfolg unserer Kunden arbeite ich dabei mit dem von der RWTH Aachen weiter­ent­wi­ckelten Business Model Canvas, welches auch Wettbe­werber und gesell­schaft­liche, techno­lo­gische und gesetz­ge­be­rische Trends eingehend berück­sichtigt sowie mit Design Thinking und der TRIZ-Methodik. Auf Letztere hatte mich, im Jahr 2008 als Diplomand, mein Mentor im Forschungs­zentrum der Carl Zeiss AG in Jena aufmerksam gemacht. Er sagte zu mir, wenn sie nicht weiter­kommen müssen sie die TRIZ-Methodik anwenden und er musste wissen wovon er spricht, denn wir saßen nur eine Zimmertür vom F&E-Leiter des Konzerns entfernt. Heute bilde ich selbst Indus­trie­un­ter­nehmen z.B. an der TU Ilmenau in der TRIZ-Methodik aus und kann dieses Spezial-Know-how zur Techno­logie- und Produkt­ent­wicklung innova­tiven Unter­nehmen zur Verfügung stellen.

futureSAX: Als Technologiescout unterstützen Sie die Leipziger KMUs dabei individuelle Innovationspotential zu identifizieren und zu heben. Welche Formate bieten Sie hierfür an und wie sieht die Unterstützung konkret aus?

Im Projekt Techno­lo­gies­couting, welches gemeinsam von der Stadt Leipzig und IHK zu Leipzig initiiert und mit finan­ziert wird, werden die Unter­nehmen vor Ort indivi­duell zu verschie­denen Innova­ti­ons­schwer­punkten, wie  Kunden­nutzen, Geschäfts­modell, Techno­lo­gie­po­tenzial und Finan­zierung beraten. Ein bewährtes Format sind dabei Innova­ti­ons­work­shops. Ziel ist immer die Sicher­stellung, dass die Innova­tionen eng auf die Kunden fokus­siert sind und schnell zum Markterfolg führen können. Sobald das Geschäfts­modell mit Produk­tideen entwi­ckelt wurde, werden mögliche Koope­ra­ti­ons­partner aus der Wirtschaft und Wissen­schaft sondiert, um gemeinsame Umset­zungs­pro­jekte zu reali­sieren.

Ergänzend biete ich regel­mäßig offene Innova­ti­ons­work­shops an, in denen Unter­nehmen praktisch trainieren können, den Kunden­nutzen, die Wirtschaft­lichkeit und zukünftige Techno­logien syste­ma­tisch mit Design Thinking, dem Business Model Canvas und TRIZ heraus­zu­ar­beiten.

futureSAX: Herr Sachse, Sie sind CO-Moderator des Workshops „Transfer Konkret: Innovative Produkt- und Prozessentwicklung“ auf dem futureSAX Innovationsforum in Grimma. Was können Unternehmer aus diesem Workshop für ihre tägliche Arbeit mitnehmen?

Wir geben damit einen ersten Einblick, wie einfach und schnell Unter­nehmen mit modernen Innova­ti­ons­me­thoden wie Design Thinking und TRIZ, neue Geschäfts­mo­delle mit hohem Kunden­nutzen erarbeiten können.

Die Unter­nehmen lernen die Leistungs­fä­higkeit und Vorteile dieser agilen Methoden kennen und können sich dann in weiter­ge­henden Trainings in deren prakti­schen Anwendung vertiefen.

Dabei sollen auch Aspekte einer innova­tiven und kreativen Unter­neh­mens­kultur praktisch im Workshop gelebt werden und ein reges Netzwerken und Zusam­men­arbeit unter den Teilnehmern fördern.

futureSAX: Was war Ihr Beweggrund, Teil des futureSAX-Know-how-Netzwerkes zu werden, und wie wichtig sind solche branchenübergreifenden Plattformen für den Wissens- und Technologietransfer zwischen den verschiedenen sächsischen Akteuren?

Erfolg­reiche Innova­tionen brauchen starke Partner, deshalb ist es wichtig, dass wir uns mit unseren unter­schied­lichen Fähig­keiten und langjäh­rigen Erfah­rungen vernetzen, um uns gemeinsam optimal zu ergänzen.

futureSAX: Vielen Dank für das Interview.

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