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„Unser Wohlstand basiert haupt­­sächlich darauf, dass wir hoch innovative und attraktive Produkte herstellen“

© 2014 Kirsten Lassig

Im Paten­t­in­for­ma­ti­ons­zentrum Dresden werden Doppel­ent­wick­lungen oder auch Schutz­rechts­ver­let­zungen durch intensive Recherche und Betreuung vermieden. Dipl.-Ing. Matthias Knöbel erklärt im futureSAX-Interview, wie ein solche Recherche aussieht und erzählt, warum der Tag des Geistigen Eigentums in diesem Zusam­menhang besondere Bedeutung zukommt.

futureSAX: Herr Knöbel, bitte beschrieben Sie „Ihre“ Institution in einem Satz:

Matthias Knöbel: Das Patentinformationszentrum Dresden ist eine Einrichtung an der TU Dresden, die für jeden offen steht und sich für alle Fragen bezüglich von Patenten, Gebrauchsmustern, Marken und Designs zuständig fühlt.

futureSAX: Sie unterstützen Studierende und Wissenschaftler in Patent- und Rechtsfragen. Wie sieht diese Arbeit konkret aus?

Matthias Knöbel: Damit Doppelentwicklungen bzw. Schutzrechtsverletzungen vermieden werden, bietet das PIZ Dresden in seinen Räumen den Studierenden, Wissenschaftlern und auch Existenzgründern an, dass diese von Recherche-Experten des PIZ betreute Recherchen in kommerziellen Patent-Datenbanken durchführen können. Nach der gemeinsamen Erarbeitung der Recherche-Strategie stehen die PIZ-Mitarbeiter dann dem Nutzer ständig für Rückfragen und weitere Schritte zur Verfügung.

Wenn eigene Ideen oder Erfin­dungen geschützt werden sollen, wird im PIZ als erstes geklärt, welches Schutz­recht zutreffen könnte und als zweites, inwieweit die weltweite Neuheit gewähr­leistet ist. Die Ergeb­nisse von Neuheits-Recherchen des PIZ sind dann auch wichtige Grundlage für die Paten­tierung von Erfin­dungen der TU Dresden oder von Existenz­gründern und liefern zusammen mit statis­ti­schen Analysen wertvolle Anhalts­punkte dafür, wie aussichts­reich eine Verwertung ist.

futureSAX: Plaudern Sie doch mal ein wenig aus dem Nähkästchen: Gibt ein eine Patentanmeldung, die ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? 

Matthias Knöbel: Ein Existenzgründer hatte nach wochenlangen Recherchen in Patent- und Designdatenbanken bei uns im PIZ Patente und Designs auf dem Gebiet von hochinnovativen LED-Leuchten angemeldet. Heute ist er mit diesen Produkten sehr erfolgreich unternehmerisch tätig.

Am 25. April findet im PIZ eine Veranstaltung anlässlich des Tages des Geistigen Eigentums statt. Was ist der Zweck der Veranstaltung?

Matthias Knöbel: In diesem Jahr wird das Thema Digitalisierung im Mittelpunkt stehen. Über dieses Thema wird derzeit viel geschrieben, gesprochen und berichtet. Hier im PIZ wollen wir am 25. April versuchen zu klären, welche Auswirkungen die Digitalisierung im Allgemeinen und speziell im Zusammenhang mit den gewerblichen Schutzrechten hat. Wir freuen uns sehr, dass wir dafür renommierte Referenten vom Deutschen Patent- und Markenamt, von der Handwerkskammer, von der Juristischen Fakultät unserer Universität, von einer Patentanwaltskanzlei und von einem Datenbankanbieter gewinnen konnten.

futureSAX: Warum sind Schutzrechte heute besonders wichtig und inwieweit hat sich Ihre Arbeit durch die Digitalisierung verändert?

Matthias Knöbel: Betrachtet man speziell die Situation unseres Landes als eine der führenden Export-Nationen muss man feststellen, dass Deutschland besonders auf den Austausch mit den anderen Nationen der Welt angewiesen ist. Unser Wohlstand basiert hauptsächlich darauf, dass wir hoch innovative und attraktive Produkte herstellen, die in der ganzen Welt nachgefragt werden. Wir dürfen uns nicht auf dem Erreichten ausruhen, wenn wir den Anschluss an die Weltspitze halten wollen. Erfindungen spielen dabei eine ganz entscheidende Rolle. Diese Innovationen müssen aber dann auch gegen Nachahmung geschützt werden. Dazu dienen die Schutzrechte und deshalb sind diese besonders wichtig.

Die Digita­li­sierung hat für uns die Auswirkung, dass wir inzwi­schen ausschließlich in webba­sierten Daten­banken recher­chieren. Der weltweite Bestand ist auf ca. 90 Millionen Patente und Gebrauchs­muster angewachsen. Diese Ressourcen sollten möglichst optimal genutzt werden. Datenbank-Anbieter stellen inzwi­schen mächtige Tools zur Auswertung solcher Daten zur Verfügung, die wir nutzen und auch unseren Kunden anbieten können. Nur so können überhaupt noch effektiv Recherchen durch­ge­führt werden.

futureSAX: Angenommen ich habe eine Idee: Wie sieht der erste Schritt aus, um mich und mein Projekt zu testen und zu schützen?

Matthias Knöbel: Der erste Schritt ist eine sogenannte Neuheits- oder Stand der Technik-Recherche in kommerziellen Patentdatenbanken. Dabei sollte man sich professioneller Unterstützung bedienen, die u.a. wir als PIZ Dresden anbieten können.

futureSAX: Sie sind im futureSAX-Start-up-Partner-Netzwerk aktiv. Wie helfen solche Netzwerke bei der Bündelung von Unterstützungsmöglichkeiten für Gründer?

Matthias Knöbel: Solche Netzwerke helfen uns sehr, den Existenzgründern alle Leistungen anbieten zu können, die sie für Ihren erfolgreichen Start benötigen. Wir haben dabei schon sehr gute Erfahrungen bei der Zusammenarbeit z.B. mit der IHK, der Handwerkskammer, der Stadt Dresden oder Dresden exists sammeln können.

Weitere Informationen zum Paten­t­in­for­ma­ti­ons­zentrum Dresden finden Sie hier.