„Wir erleben immer wieder, dass Wirtschaft und Wissenschaft unterschiedliche Sprachen sprechen.“

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„Wirtschaft und Wissenschaft sprechen unterschiedliche Sprachen."

Matthias Bauch, Koordinator Technologietransfer der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden im Sächsischen Transfer-Netzwerk-Interview

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft ist ein neues Mitglied im Sächsischen Transfer-Netzwerk und sieht in Wissens- und Technologietransfer eine Horizonterweiterung für alle. Im futureSAX-Interview spricht Matthias Bauch, Koordinator Techn

futureSAX: Herr Bauch, bitte beschreiben Sie die Themenschwerpunkte an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden in wenigen Worten:

Matthias Bauch: Die HTW strukturiert ihre Aktivitäten derzeit in vier große Profillinien.

1. Nachhaltige Lebensgrundlagen, wo wir uns vor Allem den Themen Energie, Umwelt und Agrarwirtschaft zuwenden.

2. Mobilsysteme und Mechatronik, alles rund um Kommunikationssysteme mit Schwerpunkt des Einsatzes in mobilen Anwendungen (Fahrzeugtechnik)

3. Informationssysteme, bspw. für Medien, Geodaten und Produktentwicklung oder das allgegenwärtige Thema Industrie 4.0

4. Gründung und Führung, in diesem Zweig treibt die HTW Gründungsvorhaben aus dem Hochschulbereich voran und und leistet Gründerqualifizierung sowie natürlich die Vernetzung mit anderen Akteuren der Gründerszene

futureSAX: Was sind Ihre Kernthemen als Koordinator Technologietransfer an der HTW Dresden?

Matthias Bauch: Kernaufgabe ist natürlich der Ausbau und die Pflege von Transferangeboten- und Netzwerken sowie das Mitwirken beim Ausbau von transferrelevanten Strukturen und Prozessen. Alle Belange der Schutzrechte fallen in mein Metier, das heißt, die Koordination von Erfindungen sowie Patenten und Lizenzen der HTW und deren Verwertung. Zudem stehe ich unseren Wissenschaftlern bei allen Fragen rund um industrielle Auftragsforschung zur Seite, was bspw. Vertragsausarbeitung und Angebotserstellung angeht. Ich bin zentraler Ansprechpartner für den „Unternehmens Check In“, also die Kontaktstelle für Unternehmen, die auf der Suche nach technologischer Kompetenz sind. In diesen Bereichen führen wir auch Veranstaltungen wie bspw. das Matchmaking durch. Zentrale Aufgabe des Transfers ist natürlich, die Reichweite und Sichtbarkeit der HTW zu verbessern und so weitere Kooperationen mit der Wirtschaft oder öffentlichen Partnern zu etablieren.

futureSAX: Welche aktuellen Transferangebote an der HTW Dresden betreuen Sie und welche Partizipationsmöglichkeiten bestehen für sächsische KMU?

Matthias Bauch: Momentan organisieren wir  bspw. wieder ein „Matchmaking“, d.h. ein fachliches und Netzwerkevent zwischen Industrie und Forschung. Am 10.06.2020 wird es um das Thema „Innovative Verpackungslösungen in Material und Technologie“ gehen. Interessierte Partner aus der Wirtschaft und Öffentlichkeit können kostenfrei teilnehmen und sich über den aktuellsten technologischen Stand informieren und direkt mit den Wissenschaftlern in Austausch treten.

Des Weiteren bieten wir mit dem Unternehmens-Check-In die Möglichkeit, unkompliziert an die HTW heranzutreten, um nach Forschungspartnern zu suchen. Ich als Koordinator für Technologietransfer vermittle hier die passenden Experten seitens der HTW, sei es für gemeinsame Förderprojekte oder Auftragsforschung.

Technologisch interessant ist unser Forschungsinformationssystem, auf dem aktuelle Technologien der HTW, welche über Schutzrechte gesichert sind, angeboten werden. Die Möglichkeiten reichen von Weiterentwicklungsprojekten bis hin zur klassischen Lizenzierung oder Verkauf von Schutzrechten.

futureSAX: Welche Chancen bietet Ihrer Ansicht der Technologietransfer und wo sehen Sie (gerade in Sachsen) noch Wachstumspotenziale?

Matthias Bauch: Zum einen bietet Transfer eine Horizonterweiterung für Alle, da die beteiligten Partner Zugang zu know-How und Kompetenzen bekommen. Wirtschaftliche Chancen ergeben sich dadurch, dass auch regionale Unternehmen (in Sachsen ja zumeist KMU) mit neuestem Wissen und Technologie ausgestattet werden können. Das sichert Wettbewerbsfähigkeit und stärkt den Standort, aktuell sehen wir bspw. eine steigende Nachfrage gerade an Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen.

Für uns Fachhochschule bieten sich durch Transfer wertvolle Einblicke in den Markt und die Reputation wird gestärkt. Nicht zu vergessen ist natürlich auch die Drittmittelwirkung für die Hochschulen.

Potenzial liegt auf jeden Fall in der besseren Vernetzung und Bekanntmachung von Forschungsergebnissen und Angeboten, da Unternehmen und Hochschulen häufig nebeneinander statt miteinander arbeiten (hier setzt bspw. unser Projekt GRULA-KMU an). Essenziell ist zudem eine Verstetigung der Transferstrukturen und vor Allem der Personalpolitik. Durch Projekte befristetes und fluktuierendes Personal macht es schwierig, langfristige und vertrauensvolle Kooperationen aufzubauen, sodass hier Handlungsbedarf besteht. Das gilt auch für die Stärkung des akademischen Mittelbaus, der an Fachhochschulen naturgemäß nicht sehr ausgeprägt ist. Um Wissenschaftlern Freiräume für mehr Transferaktivitäten zu geben, strebt bspw. die HTW an, eine Ermäßigung des Lehrdeputats für größere Projekte einzuräumen. Weiterhin kann die Politik mit der Zurverfügungstellung von Mitteln und der Schaffung von günstigen Rahmenbedingungen für den Transfer entscheidend zu dessen Erfolg beitragen.

futureSAX: Unter dem Motto "Digitalisierung erlebbar machen" hat die HTW Dresden die Industrie 4.0 Modellfabrik - eine Forschungs- und Evaluationsinfrastruktur für IoT-Lösungen im Fertigungsumfeld aufgebaut. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem sächsischen Mittelstand?

Matthias Bauch: Für die Umsetzung dieses Mottos informiert, demonstriert und innoviert die HTW Dresden rund um das Thema Industrie 4.0. Einmal pro Monat findet eine kostenlose Informationsveranstaltung statt, welche aktuelle Projekte und Demonstratoren vom Digitalen Zwilling, über CPPS bis hin zu Mix Reality-Anwendungen live präsentiert. In gemeinsamen Proof of Concepts werden Ergebnisse aus aktuellen FuE-Arbeiten zusammen mit KMU für spezifische Anwendungsfälle unter realitätsnahen Bedingungen erprobt. Mit dem Partnernetzwerk aus Wirtschaft und Wissenschaft nutzen wir in verschiedenen FuE-Projekten die Infrastruktur der Modellfabrik für die Erforschung und Entwicklung von neuen Industrial IoT-Lösungen für die Fabrik der Zukunft.

futureSAX: Was war Ihr Beweggrund, Teil des futureSAX-Know-how-Netzwerkes zu werden, und wie wichtig sind branchenübergreifende Plattformen für den Wissens- und Technologietransfer?

Matthias Bauch: Das breit gefächerte Netzwerk von futureSAX sowie die regelmäßigen Veranstaltungen zu Schwerpunktthemen sind für uns gute Gründe, Teil des Netzwerkes zu sein und uns auch aktiv einzubringen (Innovationsforen, InnoStartEvents etc.). Dass es genutzte und anerkannte Plattformen für Austausch gibt, ist (wie überraschend!) sehr wichtig. Wir erleben immer wieder, dass bspw. Wirtschaft und Wissenschaft unterschiedliche Sprachen sprechen; futureSAX trägt dazu bei, diese Barrieren zu mindern. 

Mehr zur HTW Dresden erfahren Sie hier_ https://www.htw-dresden.de

Ihr Ansprechpartner bei futureSAX

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Ronny Kittler

Projektmanager Forschung & Transfer

Nach seinem Studium der Internationale Politik, Recht und Volkswirtschaft an der Universität Leipzig setzte Ronny Kittler die Schwerpunkte seiner bisherigen Tätigkeiten speziell beim Wissens- und Technologietransfer. Zunächst auf die internationale Dimension orientiert, war er bei den Vereinten Nationen in Neu Dehli, dem Europäischen Parlament in Brüssel und der Europäischen Kommission in New York tätig. Im Anschluss widmete er sich der Verwertung von Forschungsergebnissen in Beratungsprojekten bei einem Karlsruher Beratungsunternehmen für die Entwicklung neuer Geschäftsideen speziell aus der Forschung, sowie sieben Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der internationalen Projektarbeit am DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum in Leipzig.

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