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„Durch unser Verfahren, können die Reststoffe, die bisher in Bergwerken entsorgt werden müssen, reduziert werden.“

futureSAX im Know-how-Netzwerk Interview mit Martin Reiber, Projekt­leiter RMF, Institut für Technische Chemie an der Techni­schen Univer­sität Bergaka­demie Freiberg

„Unser Team treibt insbesondere die Begeisterung für unsere Technologie und der Umweltgedanke an.”

futureSAX: Herr Reiber, Sie und das Team von RMF - Ressourcentechnologie & Metallveredelung Freiberg arbeiten seit 2018 im EXIST- Forschungstransfersvorhaben am Institut für Technische Chemie an der TU Bergakademie Freiberg an der Entwicklung einer Technologie zur Rückgewinnung von seltenen Metallen. Bitte beschreiben Sie, was Inhalt und Ziel des Vorhabens ist.

Unsere patentierte Technologie ermöglicht die effiziente Gewinnung der Technologiemetalle Indium, Gallium und Germanium. Diese werden bei der Herstellung von Hightech-Produkten, wie beispielsweise Solarmodulen, Glasfaserkabeln und Flachbildschirmen benötigt. Unser Verfahren ermöglicht aber auch die Extraktion von Edelmetallen, wie Silber.
Diese Metalle können sowohl aus primären als auch aus sekundären Stoffströmen gewonnen werden. Somit können auch werthaltige Reststoffe aus der Verhüttung oder der Produktion von Elektronikgeräten verwertet werden. Dies ermöglicht, dass Stoffströme, die bisher entsorgt werden müssen, gewinnbringend verarbeitet werden können. Somit wird Müll reduziert und ein Mehrwert für die Inhaber dieser Stoffströme geschaffen.
Bisher konnten wir unser Verfahren erfolgreich im Labormaßstab entwickeln und an unterschiedlichen Stoffströmen testen. Im Herbst 2019 wird die Überführungen in den halbtechnischen Maßstab auf unserer Demonstratoranlage an der TU Bergakademie Freiberg erfolgen. Ziel des EXIST-Forschungstransfers ist die Weiterentwicklung unserer Technologie, die Durchführung von Skalierungsversuchen und schließlich der erfolgreiche Markteintritt.

futureSAX: Aus dem EXIST-Forschungstransfer soll Ende 2019 ein Start-up entstehen. Welche Motivation treibt Sie und das Team an, den Schritt aus der Wissenschaft in die Selbstständigkeit zu machen? Welche Meilensteine möchten Sie in den nächsten drei Jahren erreichen?

Unser Team treibt insbe­sondere die Begeis­terung für unsere Techno­logie und der Umwelt­ge­danke an. Durch unser Verfahren, können die Reststoffe, die bisher in Bergwerken entsorgt werden müssen, reduziert werden. Wir könnten so einen Betrag zur Schonung unserer Böden und der Umwelt leisten. Darüber hinaus erhoffen wir uns durch die Gründung eines Start-ups mehr Flexi­bi­lität und Unabhän­gigkeit bei der Entwicklung und Anwendung unserer Techno­logie. In den nächsten drei Jahren möchten wir erste Umsätze durch Beratung und Forschung erzielen, einen geeig­neten Standort für unsere Produk­ti­ons­anlage finden und dort eine Geneh­migung nach Bundes-Immis­si­ons­schutz­gesetz beantragen. Wir werden unsere Produk­ti­ons­anlage bauen, in Betrieb nehmen und in 2022 den Produk­ti­ons­start durch­führen.

„Die TU Bergakademie Freiberg bietet Wissenschaftlern sehr gute Arbeitsbedingungen für Forschung und Entwicklung, die es ermöglichen, Forschungsergebnisse auf höchstem Niveau zu generieren.”

futureSAX: Auf der futureSAX-Innovationskonferenz 2019 werden Sie auf der Innovationsbörse die RMF-Technologie und Kooperationsmöglichkeiten vorstellen. Welche Potentiale sehen Sie dabei für interessierte Unternehmen und Wissenschaftler?
 
Martin Reiber: Wir hoffen, dass Firmen, die Technologiemetalle für Ihre Produktionsprozesse benötigen oder Stoffströme haben, die besondere Metalle enthalten, auf uns aufmerksam werden und den Kontakt zu uns suchen. Unser Team würde sich gerne über Erfahrungen im Umgang und im Einsatz dieser Metalle austauchen. Wir sind an metallhaltigen Stoffströmen interessiert, die wir im Labor testen können und für deren Verarbeitung eine Lösung entwickelt werden soll. Wir würden uns sehr freuen, mit regionalen Firmen in Kontakt zu kommen, um unser Netzwerk in Sachsen auszubauen und die räumliche Nähe zu nutzen. Im Rahmen der Forschung sehen wir große Potentiale in Forschungskooperationen mit anderen Instituten, da dem Thema der Ressourcenschonung und dem nachhaltigen Recycling sowohl in der Forschung als auch in der Praxis eine hohe Bedeutung beigemessen wird.

futureSAX: Herr Reiber, in Sachsen hat sich ein breites Netzwerk an Unterstützern für Ausgründungen aus der Wissenschaft etabliert – wie beispielsweise die Gründerinitiative Saxeed an der TU Bergakademie Freiberg. Wo sehen Sie Chancen aber auch Herausforderungen bei der Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen insbesondere durch Start-ups und Spin-Offs aus Hochschulen?
 
Große Chancen ergeben sich insbesondere in der hohen Innovationskraft und Neuartigkeit der Technologieentwicklungen aus der Forschung. Die TU Bergakademie Freiberg bietet Wissenschaftlern sehr gute Arbeitsbedingungen für Forschung und Entwicklung, die es ermöglicht, Forschungsergebnisse auf höchstem Niveau zu genieren. Diese Forschungsergebnisse bieten oft ein hohes Kommerzialisierungspotential in Marktnischen. So sprechen Technologieerfindungen und die daraus entwickelten Start-ups aus Hochschulen häufiger einen speziellen B2B-Markt als einen breiten Konsumentenmarkt an. Die entsprechenden Marktnischen müssen zunächst identifiziert werden und anschließend eine Markteintrittsstrategie entwickelt werden, die genau auf diese Marktnische und die darin befindlichen Kunden ausgerichtet ist.
Wir sind sehr froh über Gründernetzwerke wie Saxeed, die uns helfen, unsere Chancen zu erkennen und uns dabei unterstützen, die Herausforderungen beim Markteintritt zu meistern.
 
futureSAX: Herr Reiber, was war Ihr Beweggrund, Teil des futureSAX-Know-how-Netzwerkes zu werden, und wie wichtig sind branchenübergreifende Plattformen für den Wissens- und Technologietransfer?
 
Wir erhoffen uns von dem futureSAX-Know-how-Netzwerk einen wertvollen Austausch mit Fachkundigen aus Forschung und Praxis sowie mit Interessenten aus anderen Bereichen. Für uns ist es wichtig von den Erfahrungen anderer Teams beim Technologietransfer zu lernen, um Fehler zu vermeiden und um unsere Strategie zu verbessern.