Zukunft durch Innovation in Sachsen

Zukunft durch Innovation – was die Startup-Zahlen 2025 für Sachsen bedeuten

Deutschland steht innovationspolitisch an einem Wendepunkt: Während viele Debatten von Stagnation, Bürokratie und Investitionszurückhaltung geprägt sind, zeigen aktuelle Gründungsdaten ein deutliches Gegenbild. Der „Next Generation“-Report zu Startup-Neugründungen in Deutschland (Januar–Dezember 2025) dokumentiert einen neuen Rekord bei der Gründungsdynamik.

Aus sächsischer Perspektive ist vor allem eines spannend: Sachsen gehört 2025 zu den Bundesländern mit dem stärksten relativen Wachstum. So verzeichnete der Freistaat mit 120 Start-ups einen Anstieg der Gründungen um 56 % im Vergleich zu 2024. Gleichzeitig formuliert das Policy Paper „Zukunft durch Innovation – Wie Deutschland wieder zur ‚Innovation Nation‘ wird“ sieben Handlungsfelder („7 K“), die den Weg zurück zu mehr Dynamik in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft beschreiben – von Köpfen über Kooperation bis Kapital. Nimmt man beide Dokumente zusammen, entsteht ein klarer Befund: Die Gründungsdynamik ist zurück. Aber damit sie in Wertschöpfung, Scale-ups und industrielle Transformation mündet, braucht es bessere Rahmenbedingungen. Und genau hier kann Sachsen seine Stärken ausspielen.

1) Gründungsdynamik 2025: Rekordniveau – getragen von Technologie und KI

Der „Next Generation“-Report zählt für 2025 insgesamt 3.568 Startup-Neugründungen in Deutschland. Das ist ein Plus von 29 % gegenüber 2024 und sogar mehr als im bisherigen Rekordjahr 2021. Bemerkenswert ist dabei nicht nur der Sprung nach oben, sondern auch die Stabilität über das gesamte Jahr: 2025 zeigt sich ein kontinuierliches Gründungsniveau – insbesondere das zweite Halbjahr war im Schnitt besonders stark.

Als zentraler Treiber wird im Report Künstliche Intelligenz identifiziert: Der Anteil von Startups mit KI-Bezug steigt von 18% (2024) auf 27% (2025). Das unterstreicht eine Entwicklung, die sich auch im Branchenbild zeigt: Der Software-Sektor verzeichnet 2025 den stärksten absoluten Zuwachs (von 618 auf 853 Neugründungen), daneben bleiben Medizin und Food relevante Wachstumssäulen.

Parallel dazu weist das Policy Paper darauf hin, dass Innovation nicht „nice to have“ ist, sondern ein Haupttreiber von Wachstum: Ein großer Anteil des Wachstums wird technologischen Innovationen zugeschrieben; zudem erzeugen Forschung und Entwicklung erhebliche Wertschöpfungs- und Spillover-Effekte. Die Botschaft ist eindeutig: Wenn Gründungen zunehmen und KI/DeepTech an Bedeutung gewinnen, ist das ein Signal für Erneuerung, sofern das Innovationssystem schnell genug ist, um aus neuen Unternehmen skalierbare Geschäftsmodelle zu machen.

2) Der Blick auf Sachsen: Starkes Wachstum – aber noch Luft nach oben bei der Gründungsdichte

Sachsen setzt 2025 ein echtes Ausrufezeichen: Laut Report steigt die Zahl der Neugründungen um 43 – das entspricht +56% gegenüber dem Vorjahr. Damit zählt Sachsen zu den Bundesländern mit den stärksten relativen Zuwächsen (neben Bayern und NRW). In absoluten Zahlen liegt Sachsen 2025 bei 120 Neugründungen (2024: 77).

Gleichzeitig zeigt der Report, dass sich die Gründungsaktivität pro Kopf bundesweit stark unterscheidet. Sachsen liegt 2025 bei 3,0 Neugründungen pro 100.000 Einwohner:innen – unter dem Deutschlandwert von 4,3, aber vor mehreren Flächenländern. Das ist ein typisches Muster: Ländlichere Räume und Flächenländer tun sich häufig schwerer beim Aufbau von Startup-Ökosystemen – und müssen ihre Potenziale, insbesondere in der Forschung, besser in Gründungen übersetzen.

Genau hier trifft sich die Statistik mit der Diagnose aus dem Policy Paper: Deutschland sei in der Wissenschaft stark, aber bei der Umsetzung in marktfähige Innovationen schwächer. Es fehle an Tempo, an einem abgestimmten Schulterschluss zwischen Akteuren und an passenden Kapitalstrukturen. Für Sachsen ergibt sich daraus eine Chance: Wenn die Gründungszahlen anziehen, muss der nächste Schritt sein, mehr Gründungen aus Forschung, Industrie und Mittelstand heraus zu skalieren und die Gründungsdichte nachhaltig zu erhöhen.

3) Was beide Dokumente gemeinsam erzählen: Wachstum braucht ein System – nicht nur Ideen

Der „Next Generation“-Report belegt die Dynamik: mehr Gründungen, mehr Software, mehr KI. Das Policy Paper beschreibt die Systemlogik, die diese Dynamik in Wohlstand übersetzen soll: die „7 K“ der Innovationsförderung – Köpfe, Kultur, Know-how, Kreativität, Kapital, Kooperation, Katalyse.

Daraus lassen sich drei zentrale Brücken zwischen Datenlage und Handlungsbedarf ableiten – besonders relevant für Sachsen:

(1) Know-how Wertschöpfung: Transfer beschleunigen
Das Policy Paper betont die Lücke zwischen exzellenter Forschung und wirtschaftlicher Verwertung: Erkenntnisse bleiben zu oft in Laboren, statt in Produkten und Geschäftsmodellen zu landen. Der Startup-Report wiederum zeigt, dass forschungsnahe Standorte in Deutschland gut performen – ein Hinweis darauf, dass Transfer-Ökosysteme Wirkung entfalten, wenn sie konsequent aufgebaut werden. Für Sachsen, mit starken Forschungslandschaften und industriellen Clustern, liegt hier ein Hebel: mehr Proof-of-Concept, mehr Ausgründungsunterstützung, mehr Anwendungsräume.

(2) Kapital: Das „Valley of Death“ schließen
Im Policy Paper wird der Mangel an mutigem Kapital als strukturelles Problem beschrieben – gerade in der Phase zwischen Forschung und Markteintritt. Wenn KI-Startups und Softwaregründungen zunehmen, steigt zugleich der Bedarf an frühen Finanzierungsformen und Anschlussfinanzierung, damit aus Neugründungen Scale-ups werden. Für Sachsen heißt das: Wachstumsfinanzierung und Risikoteilung müssen so gestaltet sein, dass Teams nicht abwandern, bevor sie skalieren können.

(3) Kooperation & Kultur: Geschwindigkeit und „Möglichmachen“
Das Policy Paper kritisiert eine „Bedenkenkultur“ und fordert eine Kultur, die Experimente, Reallabore und Fehlertoleranz ermöglicht. Der Startup-Report zeigt gleichzeitig: Gründungsdynamik entsteht, wenn technologische Trends, Marktchancen und Ökosysteme zusammenkommen, also wenn viele Akteure gleichzeitig in Bewegung sind. Sachsen profitiert hier von seiner Netzwerkdichte in Branchenclustern. Der nächste Schritt ist, diese Stärke systematisch in Kooperationspfade zu übersetzen: Startups ↔ Mittelstand ↔ Forschung ↔ öffentliche Hand.

4) Sachsen als Innovationsstandort: Rückenwind nutzen – und die nächste Stufe zünden

Die Zahlen geben Anlass zu Optimismus: +56% mehr Startup-Neugründungen in Sachsen sind ein starkes Signal – gerade, weil sich die Dynamik bundesweit zwar erhöht, aber nicht überall gleichermaßen stark ausfällt. Doch ebenso klar ist: Der Weg zur „Innovation Nation“ (und zum Innovationsland Sachsen) entscheidet sich nicht an der Zahl der Neugründungen allein, sondern an der Qualität des Transfers, der Skalierbarkeit der Geschäftsmodelle und der Anschlussfähigkeit an Industrie- und Zukunftsmärkte.

Für Sachsen ergeben sich dabei drei Leitfragen:

  • Wie erhöhen wir die Gründungsdichte pro Kopf nachhaltig?
    Sachsen liegt bei 3,0 Neugründungen pro 100.000 Einwohner:innen; der Bundesschnitt liegt höher.
  • Wie übersetzen wir Forschungsstärke konsequenter in Startups und Scale-ups?
    Das Policy Paper fordert schnelleren Transfer und stärkere Transferstrukturen.
  • Wie schaffen wir Kapital- und Kooperationsstrukturen, die Wachstum hier ermöglichen?
    Mehr KI- und Softwaregründungen erhöhen den Bedarf an Finanzierung und Marktzugang.

Fazit: Sachsen hat Momentum – jetzt braucht es Tempo, Transfer und Partnerschaften

2025 zeigt: Deutschland gründet wieder – und KI ist dabei ein klarer Wachstumsbeschleuniger. Sachsen wiederum hat deutlich aufgeholt und gehört zu den stärksten Wachstumsregionen unter den Bundesländern.

Damit aus diesem Momentum langfristige Wertschöpfung entsteht, bestätigt das Policy Paper die entscheidende Stoßrichtung: Mehr Geschwindigkeit, mehr Kooperation, mehr Kapitalmut und bessere Transfermechanismen – zusammengefasst in den „7 K“. Für Sachsen ist das eine Einladung, die eigenen Stärken – Forschung, Industrie, Netzwerke – jetzt noch enger zu verzahnen und so die nächste Stufe zu zünden: von steigenden Gründungszahlen zu mehr skalierenden Unternehmen, mehr Industrietransformation und sichtbarer #InnovationMadeInSaxony.

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