Erfahrungsbericht zur internationalen Ausrichtung eines sächsischen IT-Dienstleisters
Erfahrungsbericht zur internationalen Ausrichtung eines sächsischen IT-Dienstleisters
Am 5. März 2015 findet in Bautzen das futureSAX-Innovationsforum zum Thema „Internationale Kommerzialisierung sächsischer Innovationen“ statt. Die BIT.Group GmbH ist ein IT-Dienstleister und betreut nationale sowie internationale Kunden im SAP-Umfeld. Welche Erfahrungen haben Sie im Zuge der internationalen Ausrichtung gemacht?
Wir arbeiten seit 10 Jahren mit Kunden im internationalen Umfeld zusammen. Das Zusammenarbeiten über die eigenen Landesgrenzen hinaus ist immer eine Herausforderung und Chance zugleich. Insbesondere, wenn die Sprache ungleich der eigenen ist. Englisch ist die meistgenutzte Sprache in der IT-Branche. Jedoch ist das Sprachniveau sehr unterschiedlich stark ausgeprägt.
Weltweit wird die deutsche Qualität geschätzt. Das ist unsere Chance, sich im internationalen Wettbewerb behaupten zu können. Aktuell haben wir einen Kontakt in den mittleren Osten (Dubai), der allein nur dadurch zu Stande kam, weil man gern mit einem „deutschen SAP-Beratungshaus“ zusammenarbeiten möchte. Ich denke, dass sagt viel aus.
Wir müssen uns als IT-Dienstleister nicht nur auf die Anforderungen unserer Kunden einstellen, sondern auch auf deren Wertevorstellungen. Vorbeugen kann man Kollisionen, wenn man sich früh genug intensiv mit der fremden Kultur beschäftigt und die eigenen Werte reflektiert. Wenn man international agiert, müssen solche Themen im eigenen Werteverständnis verankert sein, wie in unserem Leitbild.
Ihr Unternehmen wurde vor zehn Jahren in Bautzen gegründet. Mit anfänglich 23 Mitarbeitern hat die BIT.Group GmbH Kunden bei der Behebung von System-Störungen unterstützt. Heute beschäftigen Sie 280 Mitarbeiter und Ihr Unternehmen ist weltweit zur drittgrößten Liefereinheit für den SAP Service und Support gewachsen. Gab es durch die internationale Ausrichtung der BIT.Group GmbH intern eine spürbare Veränderung, beispielsweise in der Unternehmenskultur, im Umgang der Mitarbeiter untereinander bzw. bei den Arbeitsweisen?
Unser Geschäft beruht darauf, dass wir weltweit mit unseren IT-Dienstleistungen zum Einsatz kommen. Jeder Mitarbeiter, der sich für die BIT entscheidet, weiß, dass er heute mit einer Person in Schweden in Kontakt tritt, und morgen kann es jemand in Lateinamerika sein. Der Umgang mit internationalen Kunden ist glücklicherweise für uns Alltag. Dadurch ist die Hürde im Umgang mit anderen Kulturen niedriger, als würde unser Geschäft ausschließlich im deutschsprachigen Raum stattfinden.
Interessant wird es jetzt, da wir zum 1.4.2015 einen Standort in China/Shanghai mit 12 Kollegen eröffnen werden. Erste Erfahrung in Bezug auf die Unternehmensgründung haben wir erworben. Regel Nr. 1 ist, sich einen ortsansässigen Partner zu suchen, der sich auf Unternehmensgründungen im asiatischen Raum spezialisiert hat. Es gilt sich mit behördlichen Vorgaben, Genehmigungsverfahren und Vorschriften vertraut zu machen.
Für die Zukunft werden wir uns noch weiteren Fragen widmen, wie „Müssen wir die interne Unternehmenssprache von Deutsch auf Englisch ändern? „Wie wird die interne Informationsverbreitung stattfinden? Wie kann eine gute Zusammenarbeit trotz unterschiedlicher Kulturen in der BIT aussehen?“. Hier liegen für uns noch eine Menge Hausaufgaben bereit.
Kulturen unterscheiden sich insbesondere durch ihre Lebensweisen. Je nachdem, welcher man angehört, werden verschiedene Werte stark ausgeprägt. Daher setzen wir unseren Fokus auf das Miteinander. Nur wer bereit ist, sich für neue Dinge zu öffnen, findet einen Raum für die Erweiterung des eigenen Erfahrungshorizontes.
Vor welchen aktuellen Herausforderungen stehen Ihrer Meinung nach sächsische klein- und mittelständische Unternehmen, wenn sie ihre Innovation am Weltmarkt etablieren möchten?
„Made in Germany“ – Deutschland ist bekannt für seine Qualität und Innovationen weltweit. Mit dieser Voraussetzung ist ein guter Grundstein gelegt, um eine mögliche Wahrnehmung am Weltmarkt zu erreichen. Natürlich ist letztendlich die Innovation selbst entscheidend. Es macht es jedoch einfacher, wenn der sehr gute Leumund einem vorauseilt. Das sollte für genug Selbstvertrauen reichen, um mögliche Unsicherheiten in Bezug auf eine Erfolgschance zu relativieren.
Eine Herausforderung, die ich bei den Unternehmen sehe, ist das Thema „Vertrauen“.
Klein- und mittelständische Unternehmen haben oft nicht die notwendige Manpower, Netzwerke und finanziellen Mittel, um ihre Idee allein in den Verkauf zu bringen. Hier gilt es gemeinsam mit anderen Unternehmen, weltweit, sich zusammenzuschließen und die Entwicklungs- und Verkaufsprozesse zu steuern. Wir können nur dann Innovationen in das internationale Umfeld bringen, wenn wir es als Unternehmen zulassen mit anderen Firmen zu kooperieren, ohne dabei gleich an Produktpiraterie o.ä. zu denken.
Im Rahmen des futureSAX-Innovationsforums findet zum zweiten Mal das World-Café statt. Teilnehmer können hier in kleinen Kreisen intensiv verschiedene Fragestellungen rund um das Thema „Internationalisierung im Innovationsprozess“ diskutieren. Sie wechseln innerhalb eines Panels viermal nach je 25 Minuten die Tische, so dass sich jeder Teilnehmer mit verschiedenen Fragestellungen auseinandersetzen kann. Sie werden Tischpatin zum Thema „Internationalisierungsinstrument Cloud Computing“ sein. Welchen Nutzen bringt Cloud Computing aus Ihrer Sicht Unternehmen?
Die Möglichkeit einer zeitnahen, unbegrenzten Nutzung von IT-Ressourcen ohne größeren Aufwand ist meiner Meinung nach ein Vorteil. Dadurch ist ein Unternehmen in der Lage, flexibel und verbrauchsorientiert die zur Verfügung gestellte Rechenleistung zu nutzen. Das wiederum führt dazu, dass z.B. Innovationsprozesse schneller und effizienter in der IT umgesetzt werden können.
In Betracht zu ziehen ist auch die verbrauchsorientierte Bezahlung. Ich bezahle für den Cloud Service, den ich in Anspruch genommen habe. Je nach Einsatzszenario können so Kostenpotenziale entstehen. Für das Management bedeutet die bedarfsgerechte Leistungsabrechnung eine höhere Kostentransparenz.
Eine Form der Services im Cloud Computing ist das Modell „Software as a Service“ (SaaS). Unternehmen beziehen ihre Software über das Internet. Diese Art von Service ist einer der am häufig genutzten im Cloud Computing. Wir selbst haben mit dieser Form in einigen unserer Verwaltungsprozesse bisher gute Erfahrung gemacht.
Was erwarten oder erhoffen Sie sich persönlich von den Diskussionen an Ihrem Tisch bzw. vom futureSAX-Innovationsforum im Allgemeinen?
Mit jedem Gespräch erhoffe ich mir neue Perspektiven auf die Thematik zu erhalten. Nur durch einen aktiven Austausch unserer Gedankengänge sind wir in der Lage Themen in einen Reifegrad zu führen, der daraus Innovationen entstehen lässt. Zum anderen finde ich es sehr interessant zu erfahren, welche Unternehmen in unserer Region ein Interesse an Innovationen haben.
Wir als BIT möchten dazu beitragen, dass das Bundesland Sachsen über die eigenen Landesgrenzen hinaus stärker als Innovationsstandort für die Softwarebranche wahrgenommen wird. Durch die Entwicklung von eigenen Lösungen reden wir nicht nur, sondern arbeiten aktiv daran mit.