futureSAX-Interview mit Dr. Bianca Milde, Fraunhofer ENAS

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„Ein gutes Netzwerk ist das A und O für erfolgreiche Arbeit im Transfer“

Dr. Bianca Milde, Transferassistentin Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS im futureSAX-Transfer-Interview

 

Um Transferwege zu stärken arbeitet das Fraunhofer ENAS in Leistungszentren mit sächsischen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen themenspezifisch und fokussiert zusammen. Dieses Konzept wird Bianca Milde, Transferassistentin, im Rahmen des Sächsischen Transfer-Netzwerk-Treffen am 8. Oktober 2020 zusammen mit Sabine Krause vom Fraunhofer IWU vorstellen. Im futureSAX-Transfer-Interview gibt sie vorab wertvolle Einblicke.

Fraunhofer ENAS wurde 2008 in Chemnitz gegründet und hat sich seitdem als ein wichtiger Treiber im Bereich Mikro- und Nanotechnologien etabliert. Bitte erläutern Sie kurz, welche thematischen Schwerpunkte am Institut verfolgt werden.

Das Fraunhofer ENAS fokussiert vor allem auf Smart Systems und deren Integration in verschiedenste Anwendungen. Wir sind spezialisiert darauf, Mikro- und Nanosensoren und -aktoren sowie entsprechende Elektronikkomponenten mit Schnittstellen zur Kommunikation und einer autarken Energieversorgung zu Smart Systems zu verknüpfen. Damit unterstützen wir vor allem Anwendungen für das Internet der Dinge und die fortschreitende Digitalisierung. Darüber hinaus sind wir aber auch noch in anderen Anwendungsfeldern entlang der industriellen Wertschöpfungskette aktiv, wie z.B. in der Halbleiterindustrie oder der Kommunikationstechnik. Nur um einige Beispiele zu nennen.

Welchen Einfluss hat das Fraunhofer ENAS auf die regionale Innovationskraft und insbesondere den Transfer von der Forschung in die Praxis?

Wir sind zum einen als anwendungsorientiertes Forschungsinstitut sehr gut mit der regionalen Wissenschaft, also Universitäten und Hochschulen vernetzt, welche die Grundlagenforschung abdecken und die durch die Zusammenarbeit mit Fraunhofer die Möglichkeit bekommen, ihre Ergebnisse in Richtung Industrie weiterzuentwickeln. Andererseits wirken wir auch in branchenspezifischen Vereinen und Netzwerken mit, wie z. B. dem Silicon Saxony, Biosaxony, VEMAS und bekommen so immer wieder eine Plattform, um unsere Forschungsergebnisse zu platzieren und so die Industrie auf uns aufmerksam zu machen. Dadurch haben wir auch die Möglichkeit, gezielt neue Technologien und Anwendungen vorzustellen und mit unseren Partnern und Kunden innovative Ideen umzusetzen.


Wir sind außerdem Mitglied in den sächsischen Leistungszentren „Funktionsintegration für die Mikro- und Nanoelektronik“ sowie „Smart Production and Materials“, welche als Schnittstellen zwischen Forschung und Industrie fungieren und u.a. das Ziel verfolgen Wissens- und Technologietransfer mit industrienahen Projekten zu unterstützen.
Auch Initiativen wie beispielsweise der Smart Systems Hub bieten uns die Möglichkeit, aktiv an den Themen von morgen mitzuwirken und zu gestalten. Darüber hinaus arbeiten wir seit Jahren eng mit regionalen Firmen zusammen, teils in Forschungsprojekten, teils aber auch in direkten Aufträgen durch die Industrie. Außerdem sind wir regional aktiv in zwei Initiativen des BMBF „Wir! – Wandel durch Innovationen in der Region“. Wir bringen uns im Smart Rail Connectivity Campus und bei SmartERZ ein.


Und last but not least – Fraunhofer ENAS ist Teil der Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschlands und bringt dort seine Kompetenzen in den One-Stop-Shop ein. Im Rahmen der FMD nutzen wir auch die Möglichkeit, Ideen mit Firmen weiter zu entwickeln, so z.B. im FMD Space für Start-Ups und Gründer.

Gemeinsam mit der Technischen Universität Chemnitz und dem Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU ist das Fraunhofer ENAS am Leistungszentrum Smart Production and Materials beteiligt. Was sind die Schwerpunkte und Ziele des Leistungszentrums?

Im Leistungszentrum Smart Production and Materials wird auf zwei wesentliche Schwerpunktthemen fokussiert:

Erstens auf die additiv generative Fertigung, unter Einbeziehung verschiedenster Materialien, wie z.B. Kunststoffe, Metalle oder auch Keramiken.

Zweitens auf den Ausbau der intelligenten Produktionstechnik, bei der sowohl die vermehrte Datenerfassung und deren Nutzung durch Integration von Sensoren und Aktoren, als auch die Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsabläufen im Mittelpunkt stehen.


Generell arbeiten in Leistungszentren Universitäten, Hochschulen, Fraunhofer-Institute und weitere außeruniversitäre Forschungseinrichtungen an einem Standort themenspezifisch mit Unternehmen anwendungsnah zusammen, mit dem Ziel Innovationen schnell in die Anwendung zu bringen. Neben diesem „klassischen“ Transferweg über Vertragsforschung umfasst das Konzept auch die international sichtbare und v.a. nachhaltige Positionierung von Sachsen als Forschungsstandort durch Stärkung des Innovations- und Wissenstransfers. Das Kooperationsnetzwerk regionaler Unternehmen dient außerdem als Inkubator für Start-ups und fördert die Gewinnung von Talenten und Spitzenforschern. 

„Neben diesem „klassischen“ Transferweg über Vertragsforschung umfasst das Konzept auch die international sichtbare und v.a. nachhaltige Positionierung von Sachsen als Forschungsstandort durch Stärkung des Innovations- und Wissenstransfers.”

Das Fraunhofer ENAS ist ebenfalls Partner im Leistungs- und Transferzentrum Funktionsintegration für die Mikro-/Nanoelektronik. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit sächsischen Unternehmen und welche Beteiligungsmöglichkeiten bestehen?

Die Unternehmen haben die Möglichkeit an jeder Stelle entlang der Wertschöpfungskette für Produkte der Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik mit den Partnern des Leistungszentrums zusammenzuarbeiten. Es können mit dem Unternehmen zusammen anwendungsspezifisch Einzelkomponenten oder Systeme bis hin zur Pilotfertigung entwickelt werden. Möglich ist dies über Direktaufträge und öffentlich geförderte Verbundprojekte. Es ist aber auch möglich, in Workshops oder Schulungen Mitarbeiter weiterbilden zu lassen und so über Köpfe innovative Ideen ins Unternehmen zu bringen, um damit Wissenstransfer zu ermöglichen.

Mikroelektronik “made in Saxony” ist europa- und weltweit anerkannt und gefragt. Das Innovationsökosystem sehr gut ausgebaut und miteinander verknüpft. Wo sehen Sie dennoch Potenziale, um den Transfer in die Anwendung zu verbessern?

Es fehlt meiner Meinung nach noch Förderung für den Transfer. Das heißt, dass es zwar viele unterschiedliche Fördermöglichkeiten gibt, aber bei Demonstratoren oder Prototyp ist oft Schluss. Dieser Entwicklungsstand reicht aber meist noch nicht, um in Serienproduktion zu gehen. Oft sind weitere Entwicklungen für den erfolgreichen Transfer notwendig, die aber gerade für sehr kleine KMU problematisch sein können, da diese es sich unter Umständen nicht leisten können. Auch kann es sie davon abhalten von vorn herein in Forschungsprojekten mitzuarbeiten.

Was war Ihr Beweggrund, Teil des Sächsischen Transfer-Netzwerkes zu werden, und wie wichtig sind branchenübergreifende Plattformen für den Wissens- und Technologietransfer?

Ein gutes Netzwerk ist das A und O für erfolgreiche Arbeit im Transfer. „Ein regionales Netzwerk wie futureSAX bietet viele Möglichkeiten sich branchenübergreifend zu vernetzen.“ Gerade diese Branchenunabhängigkeit macht es so interessant, da man unabhängig vom eigenen Fachgebiet agieren kann und so neue Impulse bekommt und auch setzen kann. Neue Kontakte zu ansässigen Firmen aufbauen und Zusammenarbeit fördern gehören für uns zu den wichtigsten Zielen.

Frau Dr. Milde, wir bedanken uns, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben und aktiv im Sächsischen Transfer Netzwerk mitwirken!

Mehr zum Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme ENAS erfahren Sie hier https://www.enas.fraunhofer.de/

Links zu den Leistungszentren:

https://www.leistungszentrum-smart-production-materials.de/start.html

https://www.leistungszentrum-mikronano.de/

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Ronny Kittler

Projektmanager Forschung & Transfer

Nach seinem Studium der Internationale Politik, Recht und Volkswirtschaft an der Universität Leipzig setzte Ronny Kittler die Schwerpunkte seiner bisherigen Tätigkeiten speziell beim Wissens- und Technologietransfer. Zunächst auf die internationale Dimension orientiert, war er bei den Vereinten Nationen in Neu Dehli, dem Europäischen Parlament in Brüssel und der Europäischen Kommission in New York tätig. Im Anschluss widmete er sich der Verwertung von Forschungsergebnissen in Beratungsprojekten bei einem Karlsruher Beratungsunternehmen für die Entwicklung neuer Geschäftsideen speziell aus der Forschung, sowie sieben Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der internationalen Projektarbeit am DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum in Leipzig.

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