Innovation beginnt zunächst im Kopf

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Innovation beginnt zunächst im Kopf

Interview mit Jens Kieselstein von der KIESELSTEIN International GmbH

„Die Zukunft beginnt mit neuen Werkstoffen“, unter diesem Motto steht der Vortrag von Jens Kieselstein am 9. Oktober beim futureSAX-Innovationsforum. Jens Kieselstein ist Geschäftsführer der KIESELSTEIN International GmbH aus Chemnitz. Das Unternehmen, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1846 zurückreichen, betreut über 600 Kunden in über 50 Ländern.

Mit neuen Werkstoffen wird sich auch Ihr Vortrag am 9. Oktober beim futureSAX-Innovationsforum beschäftigen. Warum sind neue Werkstoffe aus Ihrer Sicht so wichtig und welche Branchen werden Ihrer Meinung nach von diesen in der Zukunft besonders stark profitieren?

Die Anwendung von neuen Werkstoffen bzw. der Bedarf für deren Entwicklung ist vielfältig und tagespolitisch aktuell. Zunächst der Einsatz von Ressourcen. Ein Thema, mit dem wir uns täglich auseinandersetzen, sei es z. B. zur Erzeugung von Energie. Hier wird nach erneuerbaren Ressourcen gesucht. Das ist nicht zwangsläufig eine Anwendung für neue Werkstoffe. Jedoch in der Folge für Verbraucher, wie z. B. das Automobil, ein Thema, um Kraftstoffverbräuche zu senken und den Sicherheitsanforderungen und den individuellen Bedürfnissen des PKW-Besitzers gerecht zu werden, müssen Fahrzeuge kontinuierlich leichter werden. Daher profitiert im Wesentlichen der Automobilbau von neuen Werkstoffen. Ein Beispiel dafür ist der Werkstoff Aluminium. Vor einigen Jahren wurde Aluminium als neuer Werkstoff in Form eines kompletten Fahrzeugs aus Aluminium bei einem Massenhersteller eingeführt, so finden wir heute Aluminium in nahezu jedem Automobil, mit steigenden Abrufzahlen bei den Herstellern entsprechender Elemente aus diesem Leichtbauwerkstoff. In den Startlöchern stehen weitere Werkstoffe mit denen auch wir uns beschäftigen, z. B. Magnesium, deren Gewicht noch einmal geringer als das von Aluminium ist. Auch hier sind zunächst grundlegende Entwicklungen notwendig, um evtl. Effekte zu erzeugen. Einsparungen von Gewichten spielen dabei auch in anderen, eigentlich immer in bewegten Massen eine Rolle. Interessant ist dabei auch der Aspekt des Leichtbaus im Bau. Auch hier werden Strukturelemente eingesetzt, um ressourceneffizient mit neuen Werkstoffen zu bauen und dabei z. B. auch die Dämmeigenschaften der Häuser zu erhöhen.

Beim futureSAX-Innovationsforum wird es neben verschiedenen Vorträgen und Diskussionsrunden auch einen Power Talk zum Thema „Innovation als Erfolgsfaktor – Welche Rolle spielen Wettbewerbsteilnahmen?“ geben. Welche Rolle hat für Sie die Teilnahme am Innovationswettbewerb 2007 gespielt. Gab es im Rahmen des Wettbewerbs bzw. im Anschluss positive Effekte für Ihre Innovation?

Innovation beginnt zunächst im Kopf. Als ich nach Abschluss meines Studiums in die Industrie gegangen bin und dabei auch Gelegenheit hatte, andere Unternehmen kennen zu lernen, war für mich das größte Get-no „Kennen wir schon“/“Haben wir schon gemacht“. Es ist mir wichtig, diese Blockade in der heutigen Arbeit zu beseitigen. Dabei ist es interessant, dass wir doch in unserem Entwicklungsbereich sehr konservativ eingestellte Technik haben, die auf gleichzeitig optimistische und innovative Menschen trifft. Diese Kombination bringt, so hoffen wir, in der Zukunft auch weiterhin optimale Ergebnisse, wie z. B. die Baureihe unserer Hochgeschwindigkeitsziehschälanlage. Der Wettbewerb hat für uns im Rahmen unserer Teilnahme im Jahr 2007 weniger eine Rolle gespielt. Da dies schon eine Weile zurückliegt, ist es für uns etwas blass, die genauen Beweggründe zu erfassen. Mit dem Abstand betrachtet, war es für uns wichtig, offen unsere innovativen Lösungen zu kommunizieren, um dafür mehr Anwendungspotenzial zu erschließen. Das ist in der Folge auch gelangen. Es macht sich sehr gut, im Rahmen einer Präsentation den Innovationspreis zu erwähnen, sei es vor potentiellen Kunden oder auch vor potentiellen Mitarbeitern, um sich selbst als sog. „Hidden Champion“ zu positionieren. Im Ergebnis unserer Platzierung im Rahmen des Wettbewerbs sind wir alle, von der Geschäftsführung bis zu den Mitarbeitern, stolz auf das geleistete, denn es ist, da wir bis dahin der Meinung waren, aus einer sehr konservativen bis innovationslosen Branche zu kommen, eine tolle Auszeichnung im Rahmen von hochinnovativen Produkten mit ausgezeichnet zu werden.

Was erwarten, erhoffen bzw. wünschen Sie sich vom futureSAX-Innovationsforum in Freiberg? Welche Programmpunkte sind für Sie hier besonders interessant und warum?

Zunächst sei zu sagen, dass die Aktivitäten von futureSAX bisher meine Erwartungen deutlich übertroffen haben. Als Alumni bin ich noch nicht so lange dabei, hatte aber Gelegenheit, an der einen oder anderen Veranstaltungen teilzunehmen, und konnte positive Effekte daraus ziehen, z. B. Kontakte zu anderen Unternehmen, mit denen sich mögliche Entwicklungszusammenarbeiten ergeben. Dies hätte ich so nicht erwartet. Gleichwohl erwarte ich vom Innovationsforum, einen breiteren Blick auf innovative Felder in unserem Freistaat zu bekommen. Ein Beispiel auch hierzu: Im Rahmen eines Innovationsgipfels in Dresden hörte ich Vorträge aus dem Bereich der Chemie. Ein Thema, mit dem ich mich selbst bisher nicht beschäftigt hatte. Aktuell kontaktierte mich ein Chemnitzer Unternehmen mit einer Aufgabenstellung für eine neu zu bauende Anlage, zu der auch chemisch relevante Daten notwendig sind. Sofort konnte ich mich an einen Alumni erinnern, der im Rahmen des Forums ebenfalls vorgetragen hatte. So war es möglich, den Kontakt herzustellen. In diesem Netzwerknutzen sehe ich die größten Potenziale. Natürlich auch immer unter dem Aspekt, dass wir in Sachsen eine gute räumliche Nähe zueinander haben, die wir erfolgreich nutzen sollten.

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