futureSAX-Interview mit Franz Berge

„Innovationsplattformen sind sehr wichtig für den Technologietransfer."

futureSAX-Interview mit Franz Berge, Institut für Metallformung an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg

Innovative Leichtbaukonzepte, z.B. in der Elektromobilität sind die Themen, mit denen sich Dr.-Ing Franz Berge vom Institut für Metallformung an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg beschäftigt. Mit uns sprach er im Vorfeld der futureSAX-Innovationskonferenz am 29. Oktober über die Möglichkeiten der Schlüsseltechnologie.

futureSAX: Herr Dr.-Ing. Berge, bitte beschreiben Sie in wenigen Worten die Kernkompetenzen und Forschungsschwerpunkte des Instituts für Metallformung (IMF) an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg.

Franz Berge: Die Schwerpunkte der Forschung am IMF liegt auf neuen Leichtbaukonzepten, insbesondere mit Magnesium und Aluminium sowie der Entwicklung von Technologien zur Herstellung von Lang- und Flachprodukten für sämtliche Werkstoffe. Ebenso zählt die Charakterisierung von Werkstoffeigenschaften sowie deren Modellierung während der Umformprozesse zu unserem Portfolio. Durch die exzellente Ausstattung des Instituts können Projekte realisiert werden, die vom Labor- bis hin zum industriellen Maßstab reichen. Das ist der Grund, weshalb wir intensiv im Bereich der Grundlagenforschung aktiv sind, aber auch mit vielen KMU sowie Großunternehmen in vielfältigen Bereichen zusammenarbeiten.

futureSAX: Im Projekt „Systemintegrativer Multi-Material-Leichtbau für die Elektromobilität“ haben Sie gemeinsam mit Industriepartnern Prototypen basierend auf Magnesiumwerkstoffen entwickelt. Wie schätzen Sie das mittelfristige Anwendungspotential dieser Technologie im Transportbereich und ggf. anderen Branchen ein?

Franz Berge: Unabhängig vom Einsatzbereich, ob Automotive, Luftfahrtindustrie oder Schienenverkehr, gibt es eine Vielzahl von Werkstoffen mit jeweils spezifischer Anwendung. Deshalb wird in diesem Zusammenhang von Multi-Material-Bauweise gesprochen. Magnesiumlegierungen werden seit Jahren vor allem in Gusskomponenten im Automobilbau eingesetzt. Knetlegierungen für großflächige Bauteile kamen bereits im Porsche 911 GT2 RS und GT3 RS zur Anwendung. Diese haben aufgrund der sehr guten spezifischen Eigenschaften ein hohes Leichtbaupotenzial. Nutzfahrzeug- und Schienenfahrzeughersteller in Europa sind bei der Verwendung neuer Leichtbauwerkstoffe sehr konservativ. Dennoch werden Magnesiumlegierungen mittelfristig eine wesentliche Rolle für die Mobilität in den bisher genannten Sektoren spielen. Vor allem mit der Entwicklung neuer entzündungsbeständiger Legierungen und der damit verbundenen Gesetzesänderung im Luftfahrtbereich sind hier die Voraussetzungen für einen flächendeckenden Einsatz gegeben.

„Für die nachhaltige Leistungsfähigkeit Sachsens ist es demnach zwingend notwendig, dass die Landesregierung futureSAX noch viele weitere Jahre unterstützt.“

Franz Berge, Institut für Metallformung an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg

futureSAX: Die Schlüsseltechnologie Leichtbau bietet branchenübergreifende Anwendungspotentiale. Wie kann Ihrer Meinung nach der Transfer von der Forschung in die Anwendung noch besser unterstützt werden und welche ungenutzten Transferpotenziale sehen Sie?

Franz Berge: Zum einen muss neben der Grundlagenforschung an Universitäten ein starker Fokus auf anwendungsnaher Forschung liegen. Die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie muss bspw. durch die universitäre Bündelung von Kompetenzen und Dienstleistungen gestärkt werden. Das bestehende Leistungsportfolio muss daher über Technologiemanager an Interessenten vermarktet werden, an der TU Bergakademie Freiberg sind diesbezüglich Transferassistenten tätig. Es gibt von der europäischen Förderinstitution EIT RawMaterials sog. „Brokerage Events“ im Format des „Speed Datings“, bei dem Forscher und Anwender zusammenkommen, um über gemeinsame zukünftige Projekte zu sprechen. Darüber hinaus sollten Konzepte weiterentwickelt werden, um sächsischen Unternehmen bei der Markteinführung neuer Technologien durch geeignete Förderinstrumente zu unterstützen. Startup-Unterstützung ist ebenfalls ein wichtiger Schlüssel zur Kommerzialisierung von innovativen Konzepten. Um das volle Transferpotenzial zu nutzen, sollte zusätzlich der Karriereübergang von Wissenschaftlern von der Forschung in die Industrie erleichtert werden.

futureSAX: Welche Rolle spielen Ihrer Ansicht nach branchenübergreifende Innovationsplattformen, wie futureSAX in diesem Zusammenhang?

Franz Berge: Innovationsplattformen sind sehr wichtig für den Technologietransfer. Zum einen finden Unternehmen den einfacheren Zugang zu innovativen Technologien und zum anderen werden Wissenschaftler bei der Kommerzialisierung ihrer Ideen tatkräftig unterstützt. Erst kürzlich hat das Start-up Shade Wings von Absolventen aus Freiberg den futureSAX-Publikumspreis gewonnen. Das spiegelt zum einen die Leistungsfähigkeit des Start-ups wider, zum anderen wird das Interesse von Investoren und Konsumenten geweckt. Für die nachhaltige Leistungsfähigkeit Sachsens ist es demnach zwingend notwendig, dass die Landesregierung futureSAX noch viele weitere Jahre unterstützt.

futureSAX: Vielen Dank für das Interview.

Franz Berge: Sehr gern. Vielen Dank für Ihr Interesse.

Mehr zum Institut für Metallformung an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg erfahren Sie hier.

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Neuigkeiten aus den Netzwerken, kommende Veranstaltungen und aktuelle News aus dem sächsischen Innovationsland. Das und vieles mehr in unserem monatlich erscheinenden Newsletter!