futureSAX-Interview mit Hans-Georg Wagner Saxony5

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„Der enge Austausch von Ideen und Know-how ist ein Motor für Innovation.“

futureSAX-Interview mit Hans-Georg Wagner, Projektgeschäftsführer Saxony5

Stärkerer Transfer zwischen Forschung, Wissen und Technologie - Die sächsischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Dresden, Leipzig, Mittweida, Zittau/Görlitz und Zwickau schließen dafür eine Zukunftsgemeinschaft im Transferbund "Saxony5". Interdisziplinäre Zusammenarbeit soll die vorhandenen Ressourcen und Kompetenzen ideal einsetzen und Innovationen der Zukunft gemeinsam voranbringen. Der Prorektor für Forschung und Entwicklung der HTW Dresden und Projektleiter des Transferverbunds Saxony5 stellt die Aktivitäten des Verbundprojekts vor.

futureSAX: Herr Wagner, bitte beschreiben Sie kurz, was der Transferverbund Saxony5 ist und welche Hauptziele das Vorhaben verfolgt.

Die sächsischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Dresden, Leipzig, Mittweida, Zittau/Görlitz und Zwickau wollen den forschungsbasierten Wissens- und Technologietransfer stärken und dabei zukünftig stärker zusammenarbeiten. Dafür bündeln sie ihre Ressourcen und Kompetenzen im Transferverbund „Saxony5“. Mittels interdisziplinärer Zusammenarbeit und intelligenter Vernetzung soll inhaltlich und methodisch eine neue Qualität im Transfer und somit für die Region eine nachhaltige Wohlfahrtsentwicklung erreicht werden.

futureSAX: Die „Third Mission“ an Hochschulen, also der Wissenstransfer in die Wirtschaft und Gesellschaft gewinnt zunehmend an Bedeutung. Welche Möglichkeiten ergeben sich durch Saxony5den Transfer in den lokalen und regionalen Mittelstand zu verbessern?

Die beteiligten Hochschulen verstehen Wissens- und Technologietransfer weniger als Einbahnstraße denn als rekursiven Prozess. Das heißt, Innovationen sollen Schritt für Schritt im Austausch mit der Gesellschaft und Unternehmen entstehen. Wie sieht das in der Praxis aus? Vertreter aus Unternehmen, wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Institutionen können sich mit ihren Problemen und Fragen an den Verbund wenden. In multidisziplinären Teams entwickeln die Hochschulen konkrete Antworten und Lösungen, die sie dann wieder in die Öffentlichkeit zurückspielen. Indem die Hochschulen untereinander sowie mit Wirtschaft und Gesellschaft Wissen und Ideen austauschen, entstehen neue Impulse. Diese gegenseitige Stimulation und das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen für praktische Probleme fördert wiederum die Entwicklung weiterer innovativer Ansätze.

futureSAX: Im Transferverbund werden sechs Co-Creation Labs (CCL) entstehen. Bitte erläutern Sie kurz, was darunter zu verstehen ist.

Co-Creation Labs bündeln komplementäre fachliche Stärken und experimentelle Möglichkeiten von mindestens drei HAW zu je einem markt- oder gesellschaftsrelevanten Top-Thema – mit dem Ziel, seitens der regionalen Wirtschaft als „Systemanbieter“ für dieses Thema wahrgenommen zu werden. Co-Creation Labs dienen dem Austausch über Bedarf und Transferangebote, zur Demonstration neuer Technologien, zur niedrigschwelligen Erprobung von Ideen und Lösungen, aber auch als Kristallisationspunkte für interdisziplinäre Netzwerkarbeit, Weiterbildung und die Anbahnung neuer Kooperationen.

„Indem die Hochschulen untereinander sowie mit Wirtschaft und Gesellschaft Wissen und Ideen austauschen, entstehen neue Impulse. Diese gegenseitige Stimulation und das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen für praktische Probleme fördert wiederum die Entwicklung weiterer innovativer Ansätze.”

Hans-Georg Wagner, Projektgeschäftsführer des Transferverbunds Saxony5

futureSAX: Welche thematischen Ausrichtungen haben die CCL und wie können sich sächsische KMU einbringen oder davon profitieren?

Die Co-Creation Labs haben ein breites thematisches Spektrum und orientieren sich an den Kernkompetenzen und Profillinien der HAW. Sie reichen von „Fabrik der Zukunft“, „Landwirtschaft und Biodiversität“ (beide unter Leitung der HTW Dresden), „Vernetzte Mobilität“ (Leitung HTWK Leipzig) und „Additive Fertigung“ (Leitung HS Mittweida) über „Versorgungsinfrastruktur“ (Leitung HS Zittau/Görlitz) bis hin zu „Oberflächentechnik“ (Leitung Westsächsische HS Zwickau).

Der enge, wechselseitige Austausch von Ideen und Know-how ist ein Motor für Innovationen und somit für uns der Schlüssel zum Erfolg. Wir wollen mit Vertretern aus Unternehmen, Kultur und Gesellschaft ins Gespräch kommen. Es geht uns um den Aufbau eines neuen Systems der Kooperation und Zusammenarbeit, in dem man gegenseitig das Potenzial für Weiterentwicklungen hebt. Wir suchen gemeinsam mit Unternehmern und Bürgern nach anwendungsorientierten Lösungsansätzen für die drängenden Probleme unserer Zeit.

Als Erst-Kontakt zu Saxony5 stehen die Standortmanager der fünf Hochschulen mit Rat und Tat zur Seite. Sie fungieren als Schnittstelle und vermitteln auf kurzem Weg den passenden Ansprechpartner im Verbund – unabhängig davon, ob fachliche Unterstützung in der Umsetzung eines Forschungsvorhabens oder methodische Kompetenz bei der Weiterverwertung von konkreten Ergebnissen gefragt ist.

futureSAX: Die HTW Dresden leitet unter anderem das CCL „Fabrik der Zukunft“. Was erwartet interessierte KMU in dieser IoT-Testumgebung?

IoT (Internet of Things), Mensch-Maschine-Kollaboration, Cloud-Anwendungen & Edge-Lösungen – das sind Schlagworte und Themen rund um Industrie 4.0-Szenarien, mit denen sich das CCL „Fabrik der Zukunft“ u. a. auseinandersetzt. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IPMS) als direktem Partner sowie Vertretern aus den vier anderen Hochschulen arbeitet das HTW-Team rund um Prof. Dirk Reichelt an einem One-Stop-Shop-Ansatz für Innovationen in der Fertigung: Wie können intelligente Werkstücke und Maschinen den Prozess steuern, miteinander kommunizieren, sich eigenständig durch die Produktion bewegen? Dabei zielt das Co-Creation Lab insbesondere auf Anwender und Lösungsanbieter bzw. Systemintegratoren in der Industrie und will den Innovationsbedarf im Dialog mit Unternehmen und weiteren Stakeholdern systematisch erfassen.

Kernelement des CCL ist das Industrial Internet of Things (IIoT) Test Bed der HTW Dresden, in dem die Entwicklung und Erprobung von neuen Fertigungskonzepten und Produkten mittels unterschiedlicher IoT-Anwendungen möglich wird.

futureSAX: Welche Erwartungen haben Sie an das Sächsische Transfer-Netzwerk und wo sehen Sie Ihre Möglichkeiten sich einzubringen?

Wir als HAW im Freistaat schätzen das große Portfolio an Kontakten von und zu sächsischen KMU bei futureSAX. Das Netzwerk stellt für uns einen idealen Multiplikator und eine Schnittstelle in die sächsische Wirtschaft dar. Insbesondere im Bereich der vielfältigen Veranstaltungen zu Innovationsthemen können wir uns gut vorstellen, uns mit neuen Formaten einzubringen. Durch unsere interdisziplinäre Hochschul-Ausrichtung bringen wir die fachliche Kompetenz zur Bündelung verschiedenster Themen in innovativen Veranstaltungskonzepten mit und können hier wertvolle Impulse geben.

futureSAX: Vielen Dank für das Interview.

Mehr zum Transferverbund Saxonyfinden Sie hier.

Ihr Ansprechpartner bei futureSAX

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Ronny Kittler

Projektmanager Forschung & Transfer

Nach seinem Studium der Internationale Politik, Recht und Volkswirtschaft an der Universität Leipzig setzte Ronny Kittler die Schwerpunkte seiner bisherigen Tätigkeiten speziell beim Wissens- und Technologietransfer. Zunächst auf die internationale Dimension orientiert, war er bei den Vereinten Nationen in Neu Dehli, dem Europäischen Parlament in Brüssel und der Europäischen Kommission in New York tätig. Im Anschluss widmete er sich der Verwertung von Forschungsergebnissen in Beratungsprojekten bei einem Karlsruher Beratungsunternehmen für die Entwicklung neuer Geschäftsideen speziell aus der Forschung, sowie sieben Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der internationalen Projektarbeit am DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum in Leipzig.

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