futureSAX-Interview Jan Borgstädt, JOIN Capital

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„Bahnbrechende Innovationen werden zu großen Teilen von Startups entwickelt“

futureSAX-Interview mit Jan Borgstädt, Founding Partner, JOIN Capital

Ein gutes Netzwerk ist speziell, wenn es um Beteiligungen geht, ein beflügelnder Faktor, der vor allem die Vertrauenswürdigkeit stärkt. So geht es auch Jan Borgstädt, Founding Partner bei JOIN Capital. Außerdem weiß er aus eigener Erfahrung um die Stärke von Gründungswettbewerben.
Foto: JOIN Capital (Jan Borgstädt ist 2. von rechts)

futureSAX: Lieber Herr Borgstädt, bitte beschreiben Sie wie es dazu kam, dass Sie JOIN Capital im Jahr 2014 als Venture Capital Gesellschaft mit dem Fokus auf die sogenannte „Neue Industry“ als einer der Founding Partner initiiert haben.

Borgstädt: Wir hatten bereits die Digitalisierung von Telekommunikation, dann Medien und Handel hautnah bei unseren eigenen Startups erlebt und wussten, dass die einmalige unternehmerische Gelegenheit - die Digitalisierung der Industrie - kurz bevorstand. Diese Gelegenheit wollten wir nicht ungenutzt lassen.

futureSAX: Welche grundlegende Investment-Hypothese vertritt JOIN Capital und mit welchem Schwerpunkt investieren Sie in Unternehmen?

Borgstädt: Unsere These beruht auf einer Reihe von Beobachtungen und Prognosen: Bahnbrechende digitale Innovationen im industriellen Umfeld werden zu großen Teilen von Startups entwickelt. Diese jungen Unternehmen lösen Probleme für spezifische Nischen, die Unternehmen auf der ganzen Welt haben - die Marktchance wird damit global. Anders als vor 10 Jahren wird Software nun über die Cloud entwickelt, vertrieben und betrieben. Und selbst große Unternehmen sind inzwischen bereit, Software auch von kleinen Unternehmen zu beziehen.

futureSAX: Sie haben bereits an zahlreichen Unternehmen als Investor, aber auch Business Angel partizipiert. Welche Rolle spielen Business Angels aus Ihrer Sicht in einem gut funktionierenden Start-up Ökosystem?

Borgstädt: Business Angels spielen eine entscheidende Rolle. Ihre frühen und risikoaffinen Investments ermöglichen es Gründern oftmals erst den Sprung in das Unternehmertum umzusetzen, d.h. durch eine temporäre finanzielle Freiheit z.B. beim Arbeitgeber kündigen zu können und 100% der Arbeitszeit für die Entwicklung eines Prototyps zu nutzen. Die Erfahrung der Business Angels im Aufbau von kommerziell erfolgreichen Unternehmen sorgt zudem dafür, dass der Geschäftsaufbau schneller gelingt und das Risiko des Scheiterns merklich sinkt.

futureSAX: Ein gut vernetzter Investor bekommt die aussichtsreichsten Deals über sein Netzwerk. Welche grundsätzlichen Voraussetzungen müssen Unternehmen erfüllen, damit Sie investieren? Reicht die „gute Empfehlung“ aus dem Netzwerk aus?

Borgstädt: Die Empfehlung aus einer bewährten Quelle bekommt im Dealflow mehr Aufmerksamkeit, da der Deal schon vorgefiltert ist und vermeintlich attraktiver ist. Als Investor vertraut man darauf, dass der Empfehlende nur Qualität weiterleitet, da er die Beziehung nicht riskieren will. Solche Deals werden in der Pipeline häufig auch mit höherer Priorität behandelt, da man dem Empfehlenden eine “Rückmeldung” schuldet. Jedoch ist dies nur der Beginn eines Prüfungsprozesses. Jeder Investor legt in der due diligence eigene Schwerpunkte. Wir bei JOIN konzentrieren uns sehr auf das Feedback bestehender Kunden und potentieller Kunden aus unserem Industrie- und Expertennetzwerk. Wir validieren das kommerzielle Potenzial eines Startups damit zunächst sehr nah am Markt. Die technische Lösung prüfen wir erst im zweiten Schritt. Dadurch können wir im Vergleich sehr viel schneller auf ein potenzielles Investment reagieren, dem Team schneller ein Term Sheet vorlegen und uns gegenüber anderen Investoren durchzusetzen.

futureSAX: JOIN Capital und APX haben “VC’s for Female Founders” ins Leben gerufen, um insbesondere Gründerinnen zu stärken. Welche Bedarfe und Entwicklungspotenziale sehen Sie in diesem Feld, um das Ökosystem weiter zu stärken?

Borgstädt: Nur 15,7 Prozent aller Startup-Gründer in Deutschland sind weiblich. Trotz der großen Fortschritte, die wir bei Frauen in der Arbeitswelt, in der Wissenschaft und in der Tech-Branche gemacht haben, sind Gründerinnen in der Startup-Szene immer noch stark unterrepräsentiert. Wo liegen die Hauptschwierigkeiten? Der Female Founders Monitor aus 2020 hat eines der Hauptprobleme aufgedeckt: Gründerinnen fehlt der Zugang zu Finanzmitteln! Das primäre Ziel von “VCs for Female Founders” ist es daher, Zugangsbarrieren abzubauen und Gründerinnen in der entscheidenden Frühphase ihres Unternehmens zu unterstützen. Ob Sie Fragen zum Fundraising-Prozess, zur Erstellung eines überzeugenden Pitch Decks, zur Planung von Meilensteinen für Ihre nächste Runde oder zur Suche nach dem passenden Investor haben - über 40 teilnehmende VCs möchten Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

futureSAX: Sie suchen laut ihrem „Pitch“ auch immer wieder Industriepartner, die daran interessiert sind, die "Neue Industrie" kennenzulernen, d.h. ihr erfolgreiches Startup-Portfolio und die bisherige Pipeline mit nachweislichen Erfolgsgeschichten. Inwiefern unterscheiden sich aus ihrer Sicht die Finanzierungen in der Frühphase zur Unternehmensfinanzierung im Mittelstand?

Borgstädt: Ich bin kein Experte für Mittelstandsfinanzierung, aber die wesentlichen Unterscheide liegen wohl darin, dass ein Startup weniger Zeit am Markt aktiv war und damit eine Prognose über die weitere Entwicklung sich nicht wie bei einem etablierten Unternehmen aus der Vergangenheit prognostizieren lässt. Es verfügt über keine stabilen Cashflows, ist vor allem Cashflow negativ und kommt damit für Fremdkapitalgeber in den allermeisten Fällen nicht in Betracht. Startup-Finanzierungen sind daher vor allem Eigenkapitalfinanzierungen durch Kapitalerhöhungen oder Wandeldarlehen. Der Mittelstand finanziert sich durch Bankdarlehen, Factoring, Einkaufsfinanzierung, Mezzanine und viele weitere Möglichkeiten.

futureSAX: Warum sind Wettbewerbsteilnahmen wie z.B. Sächsischen Gründerpreis Ihrer Meinung nach empfehlenswert?

Borgstädt: Mit meiner ersten Gründung haben wir erfolgreich an vergleichbaren Wettbewerben im NRW teilgenommen. Ich kann dies uneingeschränkt empfehlen. Die Wettbewerbe disziplinieren, einen Businessplan zu schreiben, den Pitch zu üben. Die Wettbewerbe bekommen viel Presse Echo und dies wiederum macht Investoren, Kunden und Mitarbeiter auf das Unternehmen aufmerksam. Auch ein Preisgeld kann in frühen Phasen von großer Hilfe sein.

futureSAX: Vielen Dank für das Interview.

Kurzprofil:

JOIN Capital ist eine in Berlin ansässige early-stage VC, der in die europäische "Neue Industrie" investiert. Mit einer kombinierten Erfahrung von mehr als 50 Jahren unter den Partnern, konzentriert sich JOIN vor allem auf Start-ups aus den Bereichen Industrie und Enterprise, die smarte Grundlagen für unsere zunehmend automatisierte und vernetzte Welt schaffen. JOIN‘s Fokus liegt darauf, technologische Innovationen aus der Startup-Szene mit dem deutschen Mittelstand zusammenzubringen.

Investitionsfelder: B2B Saas, Industrial Tech

Einstiegsphase: Seed - Series A

Initiale Ticketgröße: 1 bis 3 Mio. Euro

Ihr Ansprechpartner bei futureSAX

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Alexander Kühne

Projektmanager Kapital

Leiter Innovationsplattform

Seine Affinität für digitale Technologien und deren Geschäftsmodelle entwickelte er nach einer mehrjährigen Tätigkeit in der Automobilindustrie. Während seines Masterstudiums des Wirtschaftsingenieurswesens an der Technischen Universität Dresden fokussierte er sich auf die Themen Geschäftsmodellentwicklung & Innovation und gründete ein Unternehmen im Bereich eCommerce und Podcasting. Zusätzlich ist er zweifacher Absolvent der Blockchain School Mittweida und engagiert sich im Organisationsteam des Blockchain Meetup Saxony. Er ist ausgebildeter Qualitätsmanagementbeauftragter (QMB) und war lange ehrenamtlich in der überparteilichen politischen Bildung im Politischen Jugendring Dresden e.V. (PJR) als Vorstandsmitglied engagiert.

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