futureSAX-Interview mit Jan Kammerl WFE GmbH

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"Mit dem Netzwerk kann eine hervorragende Basis für den bilateralen Transfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft geschaffen werden."

futureSAX-Interview mit Jan Kammerl, Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH

(Foto: Studio2Media)

Die Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH (WFE) hat sich in ihrem über 20jährigen Bestehen als Dienstleistungsunternehmen stets weiterentwickelt. Heute beteiligt sie sich u. a. in mehreren Fördermaßnahmen des BMBF-WIR!-Programms und bietet in Annaberg ein technologieorientiertes Gründer- und Dienstleistungszentrum an, dass schon viele Jungunternehmer auf deren Weg erfolgreich unterstützt und begleitet hat. Im Interview erzählt uns Jan Kammerl, Geschäftsbereichsleiter Wirtschaftsservice/Fachkräfte der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH (WFE) mehr über das Unternehmen an sich und die heutigen Fokusthemen. (Foto: Studio2Media)

futureSAX: Herr Kammerl, bitte beschreiben Sie kurz Ihre Arbeit und die thematischen Schwerpunkte der Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH.

Die WFE GmbH – ein 100%iges Tochterunternehmen des Erzgebirgskreises – hat sich als Dienstleister für die regionale Wirtschaft stetig am Bedarf weiterentwickelt. Während vor 20 Jahren kommunale Gewerbeflächenentwicklung, Investitionsförderberatung für Unternehmen und Gründerqualifizierung im Vordergrund standen, dominieren nunmehr die Themen Fachkräftesicherung, Regionalimage sowie Innovationsförderung. Im WFE-Geschäftsbereich Wirtschaftsservice/Fachkräfte werden viele unternehmensrelevante Serviceleistungen aus den o. g. Bereichen gebündelt und gemeinsam mit verschiedenen Netzwerkpartnern strategisch weiterentwickelt. Zugleich versuchen wir immer wieder, thematisch passfähige Förderprojekte zu konzipieren bzw. erfolgreich umzusetzen.

futureSAX: Die Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH bietet unter anderem mit dem Technologieorientierten Gründer- und Dienstleistungszentrum Annaberg ein räumlich nahes Angebot zur Unterstützung des Technologietransfers. Hat sich das Konzept bewährt?

Die Kombination von Gründerzentrum (GDZ) und regionaler Wirtschaftsförderung aus einer Hand ist in Sachsen einmalig und ermöglicht viele Synergien, die sich z. B. in der Gründerberatung, der Projektarbeit oder im Veranstaltungsmanagement besonders positiv auswirken. Über die Jahre haben sich so viele Jungunternehmen im GDZ erfolgreich entwickelt, die heute eine eigene Betriebsstätte in einem umliegenden Gewerbegebiet haben. Die Technologietransfer-Aktivitäten des GDZ Annaberg unterscheiden sich natürlich von den hochschulnahen Zentren, werden aber gerade durch die Beteiligung an aktuell laufenden Projekten wie Trans3NetSaxony5 und mehreren Vorhaben im Rahmen des BMBF-WIR!-Programms sehr stark intensiviert.

futureSAX: Welche Chancen eröffnen Angebote wie das Zentrum in Annaberg für die Region Erzgebirge? Wo sehen Sie die Stärken und Schwächen der Region?

Ein solches Haus wie das GDZ ist vorrangig ein Kommunikationszentrum für und mit der regionalen Wirtschaft sowie mit Partnerinstitutionen, um sich regelmäßig über aktuelle Herausforderungen auszutauschen und Lösungen zu entwickeln. Entgegen vielen Klischees befinden wir uns hier schließlich mitten in einer ausgesprochenen Industrieregion, die von vielen kleinen inhabergeführten Betrieben geprägt ist. Die meisten von ihnen sind erfolgreich als Zulieferer z. B. für die Automobilindustrie tätig – allerdings oft als Teilefertiger ohne System- bzw. Baugruppenkompetenz und daher z. T. mit relativ niedriger Wertschöpfung. 

futureSAX: Mit dem Projekt „SmartERZ - Smart Composites Erzgebirge“ möchten Sie den Strukturwandel in der Region Erzgebirge durch die Entwicklung eines innovativen Feldes vorantreiben. Welche Inhalte und Ziele verbinden sich mit SmartERZ für die Region?

Als im Sommer 2017 durch das BMBF die Förderbekanntmachung zum Programm „WIR!“ (Wandel durch Innovation in der Region) erfolgte, haben wir uns als Wirtschaftsregion sofort angesprochen gefühlt. Aufbauend auf ein Vorprojekt mit den Partnern TU Chemnitz / SLK und Sachsentextil e. V. sollen Markttrends wie Leichtbau und Internet der Dinge aufgegriffen werden und in Form von funktionsintegrierten Faserverbundbauteilen künftig für noch mehr Wertschöpfung in der erzgebirgischen Wirtschaft sorgen. Die Basiskompetenzen dafür sind in den Betrieben der Kunststoffverarbeitung, Textiltechnologie und Elektronik unzweifelhaft vorhanden, müssen aber z. B. durch Forschungs- und Entwicklungsprojekte zielgerichtet weiter ausgebaut werden. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist, dass mit „SmartERZ“ eine Plattform zur Vernetzung und intensiven Zusammenarbeit von regionalen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Einrichtungen aufgebaut werden kann, die im Ergebnis einer umfangreichen  Bestandsaufnahme als wesentliche Voraussetzung für die Stärkung der Region angesehen wird.

futureSAX: Welche Beteiligungsmöglichkeiten für Wissenschaft und Wirtschaft bestehen im Rahmen von SmartERZ, um Transfer zu fördern und zu gestalten?

Das WIR!-Vorhaben „SmartERZ“ bewegt sich momentan in der geförderten Konzeptphase, in der eine Strategie und Organisation für die mögliche spätere Umsetzungsphase entwickelt wird. Aktuell geht es daher vor allem darum, weitere Partner für den Entwicklungsansatz zu begeistern, bestenfalls als Bündnispartner für die Zukunft zu gewinnen und deren Ideen in das Innovationskonzept einfließen zu lassen. Im Erfolgsfall können dann ab Frühjahr 2019 durch die Partner für mehrere Jahre z. B. FuE-Kooperationsprojekte, Aktionen zur Fachkräftegewinnung, Qualifizierungs- und Kompetenzmarketingmaßnahmen oder Innovationsdienstleistungen im Rahmen von mehreren Millionen Euro initiiert werden.

Bereits in der jetzigen Konzeptphase wird durch das enorm hohe Interesse regionaler Unternehmen, von Hochschulen, Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen an „SmartERZ“ erkennbar, dass mit dem Netzwerk eine hervorragende Basis für den bilateralen Transfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft geschaffen werden kann.

futureSAX: Was war Ihr Beweggrund, Teil des Sächsischen Transfer Netzwerks zu werden, und wie wichtig sind branchenübergreifende Plattformen für den Wissens- und Technologietransfer?

Als regionaler Wirtschaftsförderer suchen wir immer wieder Impulse und Anregungen von außen, die für unsere einheimischen Unternehmen und deren Kompetenzen Entwicklungsansätze bieten. Neben den bekannten sächsischen Branchennetzwerken, zu denen wir ebenfalls enge Verbindungen pflegen, bietet das Sächsische Transfer Netzwerk im Sinne des Cross-Innovation-Ansatzes wertvolle branchenübergreifende Kontakte sowie Produkt- und Dienstleistungsinnovationen, die wir gern an Mittelständler im Erzgebirge weitertragen. Insbesondere die verschiedenen futureSAX-Veranstaltungsformate und der Newsletter geben uns immer wieder Anregungen für eigene Aktivitäten im Bereich Wissens- und Technologietransfer bzw. zur Vernetzung mit Partneraktivitäten.

futureSAX: Vielen Dank für das Interview.

Mehr Informationen zur Wirtschaftsförderung Erzgebirge GmbH finden Sie hier.

Ihre Ansprechpartner bei futureSAX

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Ronny Kittler

Projektmanager Forschung & Transfer

Nach seinem Studium der Internationale Politik, Recht und Volkswirtschaft an der Universität Leipzig setzte Ronny Kittler die Schwerpunkte seiner bisherigen Tätigkeiten speziell beim Wissens- und Technologietransfer. Zunächst auf die internationale Dimension orientiert, war er bei den Vereinten Nationen in Neu Dehli, dem Europäischen Parlament in Brüssel und der Europäischen Kommission in New York tätig. Im Anschluss widmete er sich der Verwertung von Forschungsergebnissen in Beratungsprojekten bei einem Karlsruher Beratungsunternehmen für die Entwicklung neuer Geschäftsideen speziell aus der Forschung, sowie sieben Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der internationalen Projektarbeit am DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum in Leipzig.

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Dr. Katarzyna Wiesenhütter

Projektmanagerin Forschung & Transfer

Nach ihrer Promotion an der Fakultät Maschinenwesen der Technischen Universität Dresden hat Dr. Katarzyna Wiesenhütter aktiv als ForscherinManagerin und Koordinatorin von verschiedenen Material-, Physik- und Life Sciences FuE- sowie Technologietransfer-orientierte Projekten mitgewirkt, die weltweit realisiert wurden. Um einen besseren Einblick in die Veröffentlichungsprozesse von wissenschaftlichen Ergebnissen zu erhalten, übernahm sie die Stelle als Managing Editor für das Journal of Alloys and Compounds (JALCOM), das zu Elsevier, einem niederländischen Verlag für wissenschaftliche Zeitschriften und Fachbücher, gehört. Um ihre Leidenschaft für Innovation weiter zu entwickeln hat sie sich in den letzten Jahren intensiv mit den Themen Science2Business - Entwicklung und Umsetzung einer erfolgreichen Technologietransferstrategie sowie der Gründung und Führung eines modernen Unternehmens, befasst. Sie ist ausgebildete Qualitätsbeauftragte (TÜV)Professional Scrum Master (PSM I) und Changemanagerin. Privat engagiert sie sich in der Entwicklung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit im Wirtschaftssektor. 

 

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