futureSAX-Interview Dr. Joachim Nöller, UFZ

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„Den wichtigen Dialog von Forschung und Wirtschaft gilt es weiter zu fördern.“

futureSAX-Transfer-Interview mit Dr. Joachim Nöller, Leiter Abteilung Wissens- und Technologietransfer am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ

 

Für die langfristige Kooperation und gute Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist ein großes Vertrauen der Partner untereinander ein wichtiger Faktor. Das Auftreten in Netzwerken wie das Sächsische Transfer-Netzwerk stärkt die Vertrauenswürdigkeit und fördert die Vernetzung untereinander. Im futureSAX-Transfer-Interview weist Dr. Joachim Nöller, Abteilung Wissens- und Technologietransfer, Transferakteuren eine sehr wichtige Sonderrolle zu.

futureSAX: Das UFZ hat sich in den letzten 25 Jahren zu einer zentralen Umweltforschungseinrichtung in den neuen Bundesländern und darüber hinaus entwickelt. Herr Dr. Nöller, bitte beschreiben Sie uns kurz die Aufgaben und Schwerpunkte des UFZ.  

Dr. Joachim Nöller: Biologische Vielfalt, funktionierende Ökosysteme, sauberes Wasser und intakte Böden sind unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Angesichts des globalen Wandels hat das UFZ daher das Ziel, auf der Grundlage exzellenter Forschung Wege zur Vereinbarkeit einer gesunden Umwelt mit der gesellschaftlichen Entwicklung aufzuzeigen. Unsere integrierte Umweltforschung mit den sechs Themenbereichen (1) Ökosysteme der Zukunft, (2) Wasserressourcen und Umwelt, (3) Chemikalien in der Umwelt, (4) Umwelt- und Biotechnologie, (5) Smarte Modelle und Monitoring sowie (6) Umwelt und Gesellschaft ist die Antwort auf die gesellschaftliche Herausforderungen in Zeiten des Globalen Wandels: Klimawandel, Landnutzungswandel, Bevölkerungswachstum, wachsender Energie- und Nahrungsbedarf.

futureSAX: Die Themen am UFZ reichen von sozial- und rechtswissenschaftlicher Forschung bis hin zu Ingenieurwissenschaften und den Life Sciences. Welchen Ansatz des Wissens- und Technologietransfers verfolgen Sie, um diesem breiten Spektrum gerecht zu werden? 

Dr. Joachim Nöller: Um die komplexen Umweltprobleme nachhaltig lösen zu können, müssen wir neben den wissenschaftlichen Zusammenhängen auch verstehen, wie politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Akteure die komplexen Umweltbedingungen und–prozesse auf lokaler, regionaler und globaler Ebene beeinflussen und steuern. Deshalb setzen wir in unserer Transferstrategie auf den Dialog mit den Akteuren und damit auf das gemeinsame Entwickeln vorsorgeorientierter Lösungen. Nur so können alle relevanten Aspekte berücksichtigt und eine umfassende wissenschaftliche Erkenntnisbasis für Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft geschaffen werden.

15. Treffen Sächsisches Transfer-Netzwerk

Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung DD

28. September 2021

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futureSAX: Klima- und Strukturwandel sind Chance und Herausforderung zugleich. Welchen Beitrag kann das UFZ leisten, um Unternehmen und Gesellschaft bei diesem Wandel zu unterstützen?

Dr. Joachim Nöller: Aufgrund seiner breiten Expertise kann das UFZ sehr wichtige Beiträge zu den heute notwendig gewordenen Transformationsprozessen im Zuge des Klima- und Strukturwandels leisten. Sei es die Etablierung innovativer (Bio-) Technologien, um zukünftig eine ökoeffiziente Produktion von Wertstoffen und Energieträgern zu etablieren oder die urbane Transformation zu unterstützen.

Darüber hinaus engagiert sich das UFZ für die Ansiedlung eines neuartigen Forschungszentrums CLAIRE (Centre for Climate Action and Innovation – Research & Engineering), das die Folgen des Klimawandels erforschen, Innovationen ableiten und mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie Lösungen zu Mitigation und Anpassung an den Klimawandel erarbeiten soll.

futureSAX: Wie kann Ihrer Meinung nach der Wissens- und Technologietransfer von der Forschung in die Anwendung noch besser unterstützt werden und welche offenen Transferpotenziale sehen Sie?

Dr. Joachim Nöller: In meiner täglichen Arbeit erlebe ich leider immer wieder, dass wir versuchen, der Wirtschaft fertige Lösungen „zu verkaufen“ und dabei den Markt unterschätzen, statt gemeinsam mit den Unternehmen Lösungen zu entwickeln. Diesen essentiellen Dialog von Forschung und Wirtschaft gilt es weiter zu fördern, denn er schafft auch die wichtige Vertrauensbasis zwischen den Partnern für Innovationsprojekte. Dabei spielen die Technologietransfereinheiten an den Einrichtungen als Moderatoren und „Dolmetscher“ für die Forschenden eine wichtige Rolle. Oft lässt aber die mangelnde personelle Ausstattung und/oder hohe Fluktuation in den Technologietransfereinheiten an den Einrichtungen eine Wahrnehmung dieser Rolle gar nicht zu. Für langjährige Kooperationen mit der Wirtschaft brauchen wir dauerhafte Ansprechpartner in den Technologietransfereinheiten. Nur so können wir die notwendige Vertrauensbasis schaffen. Nicht umsonst fangen erste Einrichtungen wie die RTWH Aachen oder das KIT in Karlsruhe damit an, in ihren Transfereinheiten ein „Key-Account-Management“ für Unternehmen aufzubauen.

„Wir setzen in unserer Transferstrategie auf den Dialog mit den Akteuren und damit auf das gemeinsame Entwickeln vorsorgeorientierter Lösungen. Den essentiellenwichtigen Dialog von Forschung und Wirtschaft gilt es weiter zu fördern, denn er schafft auch die wichtige Vertrauensbasis zwischen den Partnern für Innovationsprojekte.“

Dr. Joachim Nöller, Leiter Abteilung Wissens- und Technologietransfer am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ

futureSAX: Was war Ihr Beweggrund, Teil des Sächsischen Transfer-Netzwerkes zu werden, und wie wichtig sind branchenübergreifende Plattformen für den Wissens- und Technologietransfer?

Dr. Joachim Nöller: futureSAX hat über die Jahre hinweg mit seinen unterschiedlichen Formaten ein deutlich sichtbares Gründungs- und Innovationsnetzwerk in Sachsen aufgebaut, in dem sich die Innovationsakteure gut vernetzen können. Das UFZ ist ein solcher sächsischer Akteur und deshalb seit vielen Jahren dabei. Ich hatte ja schon auf die komplexen Umweltfragen hingewiesen, für die nur im Rahmen eines solchen Ökosystems nachhaltige Lösungsoptionen entwickelt werden können.

Mehr zum Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ erfahren Sie hier https://www.ufz.de

Ihr Ansprechpartner bei futureSAX

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Ronny Kittler

Projektmanager Forschung & Transfer

Nach seinem Studium der Internationale Politik, Recht und Volkswirtschaft an der Universität Leipzig setzte Ronny Kittler die Schwerpunkte seiner bisherigen Tätigkeiten speziell beim Wissens- und Technologietransfer. Zunächst auf die internationale Dimension orientiert, war er bei den Vereinten Nationen in Neu Dehli, dem Europäischen Parlament in Brüssel und der Europäischen Kommission in New York tätig. Im Anschluss widmete er sich der Verwertung von Forschungsergebnissen in Beratungsprojekten bei einem Karlsruher Beratungsunternehmen für die Entwicklung neuer Geschäftsideen speziell aus der Forschung, sowie sieben Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der internationalen Projektarbeit am DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum in Leipzig.

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