futureSAX-Interview mit Mandy Schipke, NOVUM

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„Der Austausch über den eigenen Tellerrand hinaus bringt uns alle voran.“

futureSAX-Interview mit Mandy Schipke, Geschäftsführerin, NOVUM engineering GmbH, Dresden

Mandy Schipke, Geschäftsführerin NOVUM engineering GmbH, Dresden

"Innovation braucht Kreativität.", sagt Mandy Schipke, Geschäftsführerin der NOVUM engineering GmbH im futureSAX-Interview. Aber nicht nur das ist wichtig, so spielen auch Kooperationen und Unterstützung weit über die Gründung hinaus eine entscheidende Rolle bei der Unternehmensentwicklung.

futureSAX: Frau Schipke, Sie sind Gründerin und Geschäftsführerin der NOVUM engineering GmbH in Dresden, die sich mit der Analyse und Optimierung von Batterien durch Künstliche Intelligenz (KI) auseinandersetzt. Für welche Arten von Batterien ist Ihre Technologie geeignet und was ist daran einzigartig?

Mandy Schipke: Mit unseren KI-basierten Analyse-Tools blicken wir direkt ins Herz neuer und gebrauchter Batterien jeder Art. Weltweit einzigartig ist, dass wir ohne jegliche Vorinformationen in Sekundenschnelle präzise Aussagen zu Ladezustand, aktueller Kapazität, erwartbarer Lebensdauer sowie anderen Aspekten treffen können.

Dies gelingt uns unter anderem mithilfe der sogenannten Impedanzspektroskopie. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem innerhalb eines bestimmten Frequenzbereichs Strom in die Batterie geschickt wird. Dieser erzeugt diverse Antwortsignale. Dadurch erhalten wir ein nicht invasives Abbild der chemischen Vorgänge im Inneren der Batterie, das wir mithilfe unserer Künstlichen Intelligenz auswerten können.

futureSAX: Energiewende, Mobilitätswende und Kreislaufwirtschaft sind Begriffe, die zunehmend Praxis finden. Welchen Stellenwert hat die Energiespeicherung über Batterien?

Mandy Schipke: Gerade in der aktuellen Energiekrise spüren wir, wie wichtig der Zugang zu Energie für jede Branche und jedes Unternehmen ist. Nachhaltigkeit, aber auch Unabhängigkeit und Resilienz sind Faktoren, mit denen wir uns immer stärker auseinandersetzen müssen.

Bei der Gewinnung von Energie aus Wind und Sonne stehen wir vor der Herausforderung, dass die Erträge je nach Wetterlage schwanken. Große Batteriespeicher können diese Schwankungen ausgleichen und das Stromnetz stabil halten. Für die Energiewende sind sie daher von enormer Bedeutung.

Nachhaltigkeit, aber auch Unabhängigkeit und Resilienz sind Faktoren, mit denen wir uns immer stärker auseinandersetzen müssen.

Mandy Schipke, Geschäftsführerin, NOVUM engineering GmbH

futureSAX: Mit welchen Dienstleistungen unterstützen Sie die Hersteller und Besitzer solcher Großspeicher?

Mandy Schipke: Gemeinsam mit unseren Partnern, wie etwa JT Energy Systems aus Sachsen, sorgen wir dafür, dass gebrauchte Fahrzeugbatterien ein zweites oder sogar drittes Leben als Bestandteil von Großspeichern erhalten.

Wir beraten die Hersteller und Besitzer dazu, wie sie neue und gebrauchte Batterien entsprechend ihres Zustands so einsetzen, dass sie Ressourcen sparen und die Kapazität ihres Speichers optimal nutzen. Zudem analysieren wir mithilfe unserer patentierten Technologie, welche Nutzungsart sich am meisten lohnt.

Das heißt, unsere Kunden können mit uns mehr Strom zu besseren Preisen verkaufen. Und ihre Speicher halten länger. Bei Bedarf behalten wir die Anlagen mithilfe unserer Künstlichen Intelligenz im Blick und helfen dadurch, Problemen, Ausfällen oder gar Bränden vorzubeugen.

futureSAX: Neben der NOVUM engineering GmbH vertreten Sie auch den Energy saxony e.V., wodurch Sie in Sachsen einen guten Überblick zum Thema Innovation innerhalb der Branche haben. Wie wichtig sind Innovationen für Sie als Unternehmerin und wie innovativ ist die Branche?

Mandy Schipke: Die Energiebranche ist vor allem durch große Konzerne geprägt. Innovation ist dementsprechend immer mit langwierigen Abstimmungsprozessen verbunden. Gleichzeitig ist den Entscheidern aber bewusst, dass uns in Hinblick auf den Klimawandel und die Energiekrise die Zeit davonläuft und wir auf Innovationen dringend angewiesen sind.

Die Offenheit für die Zusammenarbeit mit innovativen Technologieunternehmen ist deshalb definitiv gewachsen. Die LEAG, Deutschlands zweitgrößter Energieversorger, hat sich mit NOVUM und den EnergieKopplern beispielsweise gleich bei zwei Dresdener Hightech-Unternehmen Unterstützung geholt, um Innovation voranzutreiben.

futureSAX: Um dauerhaft zu innovieren und somit langfristig Wettbewerbsvorteile zu generieren, ist die Etablierung einer entsprechenden Unternehmenskultur eine wichtige Voraussetzung. Wie schaffen Sie in Ihrem Unternehmen eine Innovationskultur?

Mandy Schipke: Innovation braucht Kreativität. Als wachsendes Unternehmen ist es uns sehr wichtig, eine Atmosphäre zu erhalten, in der unsere Mitarbeiter kreativ sein können. Das bedeutet vor allem viel Freiheit, ein freundschaftlicher Umgang miteinander und eine gesunde Fehlerkultur. Unseren Entwicklern schreiben wir beispielsweise nicht vor, welche Tools sie nutzen müssen, sondern fragen lieber, was sie selbst für praktikabel halten.

Alle Mitarbeiter können vor Ort, aber auch im Homeoffice arbeiten. Und da viele von uns bereits Kinder haben, achten wir darauf, dass sich Familie und Beruf bei NOVUM problemlos miteinander vereinbaren lassen.

Das nächste futureSAX-Innovationsforum

30.03.2023 | Chemnitz

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futureSAX: Welche Rolle spielen Kooperationen bei der Entwicklung und Implementierung von Innovationen?

Mandy Schipke: Kooperationen helfen uns enorm dabei, unsere KI-basierten Servicetools weiterzuentwickeln. Mit Kunden wie JT Energy Systems oder der LEAG stehen wir regelmäßig im Kontakt, um Feedback für die Optimierung der Funktionen einzuholen.

Seit Kurzem arbeiten wir zudem in einem weiteren spannenden Kooperationsprojekt mit Belgiens größtem Recycler UMICORE zusammen. Gemeinsam mit Physikern vom UMICORE-Standort in Hanau möchten wir unsere KI so weiterentwickeln, dass sie erkennt, ob gebrauchte Autobatterien sicher transportiert und einem zweiten Lebenszyklus, z. B. in Energiegroßspeichern, zugeführt werden können.

futureSAX: Auf dem futureSAX-Innovationsforum am 15. September 2022 in Görlitz diskutieren Sie gemeinsam mit Vertretern der Wissenschaft über Energie als Innovationsfaktor für den sächsischen Mittelstand. Wie wichtig ist für Sie der Impuls, aber auch der branchenübergreifende Austausch?

Mandy Schipke: futureSAX ist eine tolle und wichtige Initiative für unser Bundesland. Der Austausch über den eigenen Tellerrand hinaus bringt uns alle voran. Gerade die großen Unternehmen und Netzwerke in der Energiebranche haben die Chance, Impulse zu setzen und Veränderungen voranzutreiben. Entscheidend ist, das innovative Unternehmen über die Gründung hinaus Unterstützung erhalten. 
 

Ihr Ansprechpartner bei futureSAX

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Roman Schwarz

Projektmanager Unternehmen

Innovationsmanagement & Mentoring

Dem Unternehmertum ist Roman Schwarz schon frühzeitig durch den familiären Handwerksbetrieb begegnet. Nach einer Ausbildung im traditionellen Handwerk, studierte er Wirtschaftsingenieurwesen an der HTW Dresden mit Schwerpunkt Gründung und Führung mittelständischer Unternehmen. Beruflich lag der inhaltliche Schwerpunkt danach in der Gründungsunterstützung und dem Coaching als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei dresden exists, sowie anschließend bei einer Dresdner Unternehmensberatung, bis es zur eigenen Unternehmensgründung kam. Als Mitgründer eines marinen Aquakulturunternehmens sind ihm die vielseitigen Herausforderungen als Unternehmer, in einer wissensbasierten und innovationsfreudigen Branche, bestens bekannt und wie hilfreich hierbei der branchenübergreifende Impuls sowie das gelebte Netzwerk ist.  Wenn es die Zeit zulässt, engagiert er sich als Gründungsmitglied des lassesunstun e.V. für die Sichtbarkeit gemeinwohlorientierter Projekte in Dresden oder widmet sich innerhalb einer ehrenamtlich organsierten monatlichen Funksession dem Schlagzeugspiel. 

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