futureSAX-Interview Matthes Nagel Simba n³ GmbH
„Es ist immer wieder faszinierend, mit Daten und Erkenntnissen Prozesse zu beobachten und zu optimieren.“
futureSAX-Interview mit Matthes Nagel, Managing Director, Simba n³ GmbH
Um Künstliche Intelligenz sinnvoll in die eigene Wertschöpfung zu integrieren, muss man bereit sein, den digitalen Wandel als Chance zu sehen. Matthes Nagel, Managing Director der Simba n³ GmbH, spricht im futureSAX-Interview über die Anforderungen, vor denen KMUs stehen.
futureSAX: Herr Nagel, als Datenspezialist lieben Sie innovative Lösungen und zugleich Herausforderungen. Was treibt Sie an?
Matthes Nagel: Es mag jetzt einfach klingen, aber es sind zwei Dinge, die Lösungen und Projekte für mich spannend machen: Nutzen und Muster. Es macht einfach ganz viel Spaß und natürlich auch ein bisschen Stolz, wenn Arbeitsergebnisse von vielen Anwendern einfach gern verwendet werden, weil Sie dem Anwender einen konkreten Nutzen bringen, z.B. bessere oder schnellere Ergebnisse, oder einfach weniger Aufwand in der täglichen Arbeit. Und ja Muster: Menschen verhalten sich meist nach Mustern, die man auch ganz oft in Daten erkennen bzw. aufzeichnen kann. Um dann mit diesen Daten und Erkenntnissen Prozesse zu beobachten oder zu optimieren, ist immer wieder faszinierend.
futureSAX: Herr Nagel, Simba n³ GmbH widmet sich seit über 20 Jahren der Datenanalyse und Softwareentwicklung. Die langjährige Erfahrung spielt eine große Rolle für das Thema “Künstliche Intelligenz” (KI). Welche Erfahrungen haben Sie im Umgang mit der KI bei Ihren Kunden?
Matthes Nagel: Zuerst stehe ich zu der These, dass man nicht versuchen sollte, etwas künstlich nachzubilden, von dem man nicht 100% weiß, wie es eigentlich im Original funktioniert. Persönlich habe ich so meine Probleme mit dem Begriff “Künstliche Intelligenz”, und vor allem ist es schwer, diese Technologie in konservativen Branchen zu vermarkten. Wir wenden aber sehr gern die entsprechenden Algorithmen bzw. die Mathematik hinter KI an, wovon vieles bereits aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts stammt. Das Entscheidende ist: Es gibt ausreichend Daten bei den Kunden und es steht auch die erforderliche Rechenleistung zur Verfügung, um aus den Daten Nutzen und Mehrwerte zu generieren. Wenn ein Kunde einen Mehrwert durch Digitalisierung hat, z.B. durch bessere Forecasts, durch Informationen für eine vorausschauende Wartung oder digitale Prozesse, dann will und wird er das auch umsetzen. KI lediglich als Buzzword verschreckt aus unserer Sicht eher den pragmatischen Mittelstand.
futureSAX: Um branchenübergreifende Anwendungsszenarien abseits von Buzzwords zu präsentieren und insbesondere mit kleinen und mittelständischen Unternehmen zu diskutieren, bringt das futureSAX-Innovationsforum viele sächsische Akteure zusammen. Sie werden sich dabei im Panel “Smart Business” zu Anwendungsfeldern im Bereich der Dienstleistungen engagieren. Herr Nagel, wenn Sie auf die sächsische Wirtschaft schauen, wie sehen Sie die Unternehmen in Bezug auf Digitalisierung vorbereitet und was sollte aus Ihrer Sicht schnellstens geschehen?
Matthes Nagel: Man kann das sicherlich nicht pauschalisieren. Es gibt viele Unternehmen, die hier schon gut dastehen, es gibt allerdings gefühlt wesentlich mehr, die schlechter aufgestellt sind. Und ja, ich stehe auch dazu und bin persönlich der Meinung, dass das leider oft ein Thema des Erfolgs bestehender „analoger“ Geschäftsmodelle ist – nicht immer, aber zu oft. Aber hier sind wir wieder bei Mustern: Wenn man Jahrzehnte sehr erfolgreich war, wird man nicht alles in Frage stellen. Dieses durchaus berechtigte Selbstbewusstsein kann jedoch in disruptiven Zeiten für alle sehr gefährlich werden. Aussagen wie „das haben wir immer schon so gemacht“ helfen heute überhaupt nicht weiter. Die Wenigsten haben ja auch privat noch einen Schwarz-Weiß Röhrenfernsehen stehen. Das, was mich positiv stimmt, sind aber viele Entscheider – egal ob Unternehmer, Schuldirektoren oder Politiker, die die aktuelle Situation wirklich als Chance sehen und den digitalen Wandeln gestalten wollen. Gerade die Corona-Krise hat der Digitalisierung einen großen Anschub gegeben. Hoffen wir, dass die Kraft und Energie der Unternehmen für Digitalisierungsprojekte ausreicht und es noch mehr Entscheider und mehr Projekte werden! Die sächsische Wirtschaft muss diesen Wandel mit Rückenwind aus der Politik erfolgreich gestalten.
futureSAX: Wenn Sie in die berühmte Glaskugel schauen, was sehen Sie in Bezug auf KI in den nächsten 5 bis 10 Jahren?
Matthes Nagel: Entschuldigen Sie bitte die ausweichende Antwort: Für mich ist das eine Frage nach den Daten und deren Qualität. Die Rechenleistung wird ständig besser und auch die Algorithmen sind vorhanden. Für den wirklichen KI-Durchbruch braucht es aus meiner Sicht ein besseres Datenverständnis, einen objektiveren Umgang mit dem Thema - denn Datenschutz und IT-Sicherheit sind nicht alles - und die Akzeptanz von neuen Eingabequellen. Mehr Glaskugel lesen möchte und kann ich nicht – wie war denn die Welt vor 13 Jahren – bevor Steve Jobs mit dem iPhone die Welt veränderte? Aus meiner Sicht ist es essentiell, dass wir neugierig bleiben, Lust auf Veränderung haben und endlich anfangen, im großen Stil die Chancen von KI und Digitalisierung zu sehen und nicht immer über mögliche Risiken und Probleme diskutieren. Dann wird es sicherlich eine wirklich spannende und herausfordernde Dekade.
futureSAX: Herzlichen Dank für das Interview!
Mehr zu Simba n³ GmbH erfahren Sie hier: www.nhochdrei.de
