futureSAX-Interview mit Philipp Büttner HIF

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Wir sind überzeugt davon, dass es ein branchenübergreifendes Denken benötigt, um einen großen Schritt nach vorne zu gehen.“

futureSAX-Interview mit Philipp Büttner, Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie

In der Bergbauregion Erzgebirge finden sich meterhohe Halden, ein Umweltproblem – da sich in diesen viele Giftstoffe wie Arsen, Zinn oder Wolfram befinden. Typische Reststoffe beim Bergbau. Diese Altlasten sollen nun getrennt und als Rohstoffquelle für die Zukunft nutzbar gemacht werden, das ist das Ziel von rECOmine. Wenn das gelingt, wäre das nicht nur für die Umwelt gut, sondern könnte der gesamten Erzgebirgsregion weltweites Ansehen und damit auch wirtschaftlichen Erfolg einbringen. Wir haben mit Projektkoordinator Philipp Büttner über seine Arbeit und Visionen gesprochen.

futureSAX: Herr Büttner, das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) wurde im Jahr 2011 durch die deutsche Bundesregierung im Rahmen der Rohstoffstrategie gegründet. Bitte beschreiben Sie kurz, welche Themen und Ziele das HIF in seiner Forschung verfolgt.

Philipp Büttner: Das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie hat das Ziel, innovative Technologien für die Wirtschaft zu entwickeln, um mineralische und metallhaltige Rohstoffe effizienter bereitzustellen und zu nutzen sowie umweltfreundlich zu recyceln. Das HIF gehört zum Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und kooperiert eng mit der TU Bergakademie Freiberg. Es ist Mitglied im europäischen Rohstoffnetzwerk EIT RawMaterials und war maßgeblich an dessen Aufbau beteiligt.

„Die Themen an denen am HIF gearbeitet werden, reichen entlang der gesamten Rohstoffwertschöpfungskette.“

Das geht von der Exploration von Rohstoffen in primär und sekundären Lagerstätten, über die Aufbereitung und Extraktion der Rohstoffe bis hin zum Recycling von Rohstoffen aus Prozessrückständen oder Elektroschrott. Das Ganze wird von einer umfassenden Analytik am HIF unterstützt, die die Rohstoffe genau charakterisiert. Durch die Auswertung der Daten und deren Integration in Modelle und Prozesssimulationen, werden so die Grundsteine zur Entwicklung neuer Verfahren in den einzelnen Bereichen gelegt.

„Das HIF arbeitet sehr interdisziplinär, da die Herausforderungen in der Rohstoffgewinnung immer komplexer werden.“

futureSAX: Das HIF koordiniert das Projekt „rECOmine – Ressourcenorientierte Umwelttechnologie für das 21. Jahrhundert“. Was verbirgt sich hinter dem Projekt und welche Rolle spielen hier sächsische Unternehmen?

Philipp Büttner: Das „rECOmine“-Projekt bietet Unternehmen und Einrichtungen auf deutscher und tschechischer Seite des Erzgebirges eine Plattform, um sich miteinander zu vernetzen, Kompetenzen branchenübergreifend zu bündeln und innovative Technologien zur nachhaltigen Sanierung von und gleichzeitigen Rohstoffgewinnung aus Reststoffen des industriellen Bergbaus zu entwickeln. Dazu wollen wir die Expertise in der Umwelt- und Ressourcenbranche in der Region mit dem vorhandenen Know-how in den Bereichen Automatisierung und Digitalisierung zusammenbringen.

„Reststoffe aus dem Bergbau haben zwei Seiten, sie sind eine Last für die Umwelt, aber gleichzeitig auch ein anthropogener Rohstoff, den es zu nutzen gilt.“

Obwohl diese Reststoffe zum Teil schon wiederaufbereitet werden, ist damit nur in seltenen Fällen eine Sanierung verbunden. Hier setzen wir an, um neuartige Konzepte zu gestalten, bei denen die Gewinnung von Wertstoffen mit der Beseitigung von Schadstoffen verknüpft wird. Dazu haben wir in den vergangenen Monaten zahlreiche Experten, mehr als 60 Partner aus Industrie, Dienstleistung, Wissenschaft, Forschung, Bildung sowie von Vereinen aus der Region zusammengebracht. Ziel ist es, innovative Lösungen mit regionalen Partnern zu entwickeln, vor Ort zu testen und die neuen Technologien zusammen mit der gesellschaftlichen Erfahrung zum Umgang mit Altlasten weltweit zu vermarkten und damit die Region wirtschaftlich zu stärken.

futureSAX: Herr Büttner, welche Bedeutung hat der Wissens- und Technologietransfer für Ihre Einrichtung und darüber hinaus, um die Anschlussfähigkeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in beide Richtungen zu gewährleisten?

Philipp Büttner:

„Wir wissen, dass es seitens der regionalen KMU, Industrieunternehmen und der Wissenschaft viele sehr gute Ideen gibt, die teilweise schon in den Schubladen liegen.“

Allerdings gibt es auch Hürden und Hindernisse, die bisher dazu geführt haben, dass diese Ideen nicht weiterverfolgt wurden. Diese können wirtschaftlicher Natur sein, mit einem hohen Risiko für die Unternehmen zu tun haben oder aber auch administrativer Natur sein. Unser Ziel ist es, Räume zu schaffen, an denen diese Hürden geringer sind und die Lösungen so zu kombinieren und anzupassen, dass daraus Produkte werden. Dazu bedarf es einem engen Kontakt zu den einzelnen Partnern, einer gemeinsamen Vision und die Bereitschaft der Partner miteinander zusammenzuarbeiten und den Innovationsprozess gemeinsam anzustoßen. Der Wissenstransfer ist dafür die wichtigste Voraussetzung. Dessen Basis ist Vertrauen der Partner untereinander und das wollen wir in unserem Netzwerk aufbauen und zeigen, dass ein WIR in der Region auf einem globalen Markt viel stärker ist als jeder einzelne Partner für sich.

futureSAX: Im Erzgebirge ist ein einmaliger Wissenspool um das Thema Ressourcen verortet. Wo sehen Sie die zentralen Chancen und Herausforderungen, um dieses Potential insbesondere für KMU nutzbar zu machen?

Philipp Büttner: Der Wissenspool, der hier über Jahrhunderte entstanden ist, ist enorm. Gerade aber beim Strukturwandel der 90er Jahre, bei dem eine Umorientierung der Region von der Rohstoffgewinnung weg, hin zur Sanierung von Altlasten stattgefunden hat, sind viele kleinere und größere Unternehmen in Konkurrenz zueinander getreten. Ähnlich ist es im Bereich der Wissenschaft, wo Fördermittel nur begrenzt zur Verfügung stehen. Wir wollen dieses Konkurrenzdenken überwinden und zeigen, dass eine Zusammenarbeit an den großen Themen unserer Zeit für alle mehr bereithält, als die Summe der Erfolge Einzelner.

„Wir wollen die Partner unter der Vision von rECOmine zusammenbringen und mit Ihnen gemeinsam weltweit sichtbar werden.“

Dabei muss aber auch auf die individuelle Situation der Unternehmen, vor allem der KMU eingegangen werden, da hier oftmals nicht die Kapazitäten da sind, sich in dem Maße einzubringen, wie andere Partner es leisten können. Die Herausforderung ist also ein System aufzubauen, an dem jeder beteiligt ist und welches die gemeinsame Vision der Partner abbildet und über die Förderungsdauer hinaus Bestand und auch Sinn hat.

futureSAX: Herr Büttner, was war Ihr Beweggrund, Teil des Sächsischen Transfer Netzwerks zu werden, und wie wichtig sind branchenübergreifende Plattformen für den Wissens- und Technologietransfer?

Philipp Büttner: Innovationen entstehen selten im stillen Kämmerlein.

„Wir sind überzeugt davon, dass es ein branchenübergreifendes Denken benötigt, um einen großen Schritt nach vorne zu gehen.“

Um voneinander zu lernen und die Ideen anderer Wirtschaftszweige kennenzulernen, ist eine Vernetzung über den eigenen Tellerrand hinaus sehr wichtig. Nur so wird es uns gelingen den Herausforderungen unserer Zeit auch mit zeitgerechten Lösungen zu begegnen. Unsere Vision ist das life-long-learning, deshalb sind wir offen auch von anderen Branchen zu lernen. Das geht nur über Netzwerke, in denen man sich austauscht.

Mehr zum Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie und dem Projekt rECOmine erfahren Sie hier:

https://www.recomine.de/de/

https://www.hzdr.de/db/Cms?pOid=32948&pNid=2423

Ihre Ansprechpartner bei futureSAX

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Ronny Kittler

Projektmanager Forschung & Transfer

Nach seinem Studium der Internationale Politik, Recht und Volkswirtschaft an der Universität Leipzig setzte Ronny Kittler die Schwerpunkte seiner bisherigen Tätigkeiten speziell beim Wissens- und Technologietransfer. Zunächst auf die internationale Dimension orientiert, war er bei den Vereinten Nationen in Neu Dehli, dem Europäischen Parlament in Brüssel und der Europäischen Kommission in New York tätig. Im Anschluss widmete er sich der Verwertung von Forschungsergebnissen in Beratungsprojekten bei einem Karlsruher Beratungsunternehmen für die Entwicklung neuer Geschäftsideen speziell aus der Forschung, sowie sieben Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der internationalen Projektarbeit am DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum in Leipzig.

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Dr. Katarzyna Wiesenhütter

Projektmanagerin Forschung & Transfer

Nach ihrer Promotion an der Fakultät Maschinenwesen der Technischen Universität Dresden hat Dr. Katarzyna Wiesenhütter aktiv als ForscherinManagerin und Koordinatorin von verschiedenen Material-, Physik- und Life Sciences FuE- sowie Technologietransfer-orientierte Projekten mitgewirkt, die weltweit realisiert wurden. Um einen besseren Einblick in die Veröffentlichungsprozesse von wissenschaftlichen Ergebnissen zu erhalten, übernahm sie die Stelle als Managing Editor für das Journal of Alloys and Compounds (JALCOM), das zu Elsevier, einem niederländischen Verlag für wissenschaftliche Zeitschriften und Fachbücher, gehört. Um ihre Leidenschaft für Innovation weiter zu entwickeln hat sie sich in den letzten Jahren intensiv mit den Themen Science2Business - Entwicklung und Umsetzung einer erfolgreichen Technologietransferstrategie sowie der Gründung und Führung eines modernen Unternehmens, befasst. Sie ist ausgebildete Qualitätsbeauftragte (TÜV)Professional Scrum Master (PSM I) und Changemanagerin. Privat engagiert sie sich in der Entwicklung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit im Wirtschaftssektor. 

 

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