futureSAX-Interview Prof. Dr. Dirk Reichelt HTW Dresden

  1. futureSAX - Innovationsplattform des Freistaates Sachsen
  2. futureSAX-Interview Prof. Dr. Dirk Reichelt HTW Dresden

„Unsere oberstes Ziel ist es, die Innovationsfähigkeit der sächsischen Unternehmen zu fördern.“

Speziell bei Produktionsketten ist die Digitalisierung ein langer Prozess, der sehr gut durchdacht, entwickelt und getestet werden muss. Prof. Reichelt hat an der HTW eine Industrie 4.0 Modellfabrik entwickelt, in der Unternehmen ihren Anwendungsfall praxisnah demonstrieren können.

futureSAX: Unter dem Motto „Digitalisierung erlebbar machen" hat die HTW Dresden unter Ihrer Leitung die Industrie 4.0 Modellfabrik - eine Forschungs- und Evaluationsinfrastruktur für IoT-Lösungen im Fertigungsumfeld aufgebaut. Prof. Reichelt, was verbirgt sich hinter dem Industrial IoT Test Bed?

Prof. Reichelt: Die Digitalisierung in der Produktion hat viele Facetten. Unser Ziel war und ist es, eine Forschungs- und Testumgebung zu schaffen, in der verschiedene Industrie 4.0-Anwendungsfälle möglichst effizient erforscht und verprobt werden können. Unsere Industrie 4.0-Modellfabrik bildet hierfür einen vollautomatisierten Produktionsprozess nach. Mittels Industrierobotern und Cobots werden verschiedene Montage und MRK-Szenarien umgesetzt. Fahrerlose Transportfahrzeuge sorgen für einen vollautomatisierten Materialfluss zwischen den verschiedenen Produktionszellen. Industrial IoT-Lösungen erfassen direkt im Prozess aber auch in der Umgebung Sensorwerte und werten diese für eine optimale Prozessführung aus. Am Beispiel: In der Verbindung von etablierten Technologien wie RFID mit neuen Konzepten zur Echtzeitverfolgung von ortsveränderlichen Objekten (wie Werkzeugen oder Mitarbeitenden) wird deutlich, welche neuen Szenarien in der Fabrik der Zukunft möglich werden. Viele Mehrwerte von Industrie 4.0 stecken in der Verbindung von Hard- und Software – in diesem Kontext meist als cyber-physisches System bezeichnet. Wir kombinieren hierfür Softwaresysteme vor Ort und in der Cloud, um neue Szenarien der Datenverarbeitung und -analyse zu erforschen und zu demonstrieren. In Zusammenarbeit mit Industriepartnern sind dabei z.B. Demos für die KI-gestützte Überwachung der Produktionsqualität entstanden. Speziell für KMUs bieten wir in der Modellfabrik einen „Baukasten“ an aktuellen Industrial IoT-Lösungen kombiniert mit einem modellhaften Produktionsprozess, um schnell neue Ideen für die eigenen Industrie 4.0-Szenarien zu erproben und selbst Erfahrungen im Umgang mit diesen zu sammeln.

Das IIoT Testbed macht es möglich, Prinzipien der Digitalisierung für Entscheidungsträger aus der Wirtschaft erlebbar, greifbar und erforschbar zu machen.

futureSAX: Prof. Reichelt, welche Vorteile bietet das Industrial IoT Test Bed für Unternehmen und mit welchen konkreten Anwendungsfällen können diese zur HTW Dresden kommen?

Prof. Reichelt: Wir bieten unseren Partnern und Gästen den Blick über den „Tellerrand“. Mit praxisnahen Demos zeigen wir auf, wie durch den gezielten Einsatz von Sensorik, Vernetzung und Software Mehrwerte in einem Prozess entstehen können. In erster Linie erleichtert unserer Testbed den Einstieg in das Thema Industrie 4.0, insbesondere für KMU! Dank der Infrastruktur und Ausstattung mit einer Vielzahl an Industrial IoT-Technologien und -Komponenten zur Übertragung und Ortung sowie verwendeter Softwarelösungen haben Unternehmen die Chance ihre Ideen zunächst in unserer Forschungslandschaft auszutesten, ohne Gefahr zu laufen, hohe Investitionen zu tätigen. Darüber hinaus bieten wir mit unserem interdisziplinär aufgestellten Forscherteam ein breites Fachwissen aus Informatik, Maschinenbau und Betriebswirtschaft für den Wissenstransfer im Bereich Industrie 4.0 an. Unternehmen können dabei mit unterschiedlichen Problemstellungen an uns herantreten - sei es die Erarbeitung von neuen Konzepten zur Automatisierung und Informationsverarbeitung oder die Entwicklung und Erprobung von Demonstratoren und Prototypen im industriellen Fertigungsumfeld bzw. softwaretechnische Probleme. Mit dem Testbed bieten wir den Unternehmen vollumfängliche Leistungen und vereinen unser Wissen mit dem Wissen unserer Praxispartner. Obendrein bieten wir unseren Transferpartnern eine Plattform zum Netzwerken und zur Verbundarbeit.

Sächsische Innovationskonferenz

Save the Date: 14. Juli 2021

Das Jahreshighlight im Sächsischen Innovationsökosystem

Die Innovationskonferenz bringt Akteure des sächsichen Gründungs- und Innovationsökosystems zusammen, um #InnovationmadeinSaxony gemeinsam zu erleben.

futureSAX: Geben Sie uns bitte zwei Beispiele für gelungene Transferleistungen von der Wissenschaft in Unternehmen, die über die Modelfabrik bereits realisiert wurden.

Prof. Reichelt: Als Erfolgsstories denke ich besonders an diese beiden Projekte zurück. Für die EPL Deutschland GmbH & Co. KG, einem der weltgrößten Hersteller von Kunststofftuben, haben wir am Standort in Dresden ein KI-gestütztes Assistenzsystem für die Qualitätssicherung bei der Materialzuführung zur Maschine entwickelt. Unser Ziel war es, Fehler in der Beladung der Anlage durch den Einsatz von Computer Vision zu minimieren und den Bediener der Maschine frühzeitig auf Fehler hinzuweisen. Das dabei entwickelte System ist in der Lage, die Kartonlage mit einer Genauigkeit von 99% zu erkennen. Der Maschinenbediener erhält dabei ein visuelles Feedback über die Richtigkeit der eingelegten Kartons. Hierzu haben wir einen Monitor im Sichtfeld der Packkraft angebracht, auf welchem das Livebild der Kamera übertragen wird. Durch ein deutliches Zeichen oberhalb des Kartons wird jetzt sofort ersichtlich ob der Karton richtig eingelegt wurde.

Als ein weiteres Erfolgsbeispiel sehe ich das mit der GSG Baubeschläge GmbH umgesetzte Digitalisierungsprojekt. Die GSGS stand vor der Herausforderung, die richtige Strategie für die Thema Digitalisierung und Wachstum für die nächsten Jahren zu definieren. Wir haben vor Ort die Prozesse bei der GSG analysiert und die identifizierten Schwachstellen priorisiert. Unter Einbezug von Partnern wurden der GSG anschließend konkrete technische Lösungsansätze im Bereich der Schaffung einer zukunftssicheren IT-Infrastruktur sowie der Erfassung von Betriebs -und Maschinendaten und einem Lagermanagement erarbeitet und betriebswirtschaftlich bewertet. Entstanden ist dabei eine vollumfängliches Digitalisierungskonzept zur Optimierung der Prozesse bei der GSG, welches mit Begleitung der HTW in den nächsten Jahren umgesetzt werden soll.

futureSAX: Prof. Reichelt, welchen Einfluss hat die Industrie 4.0 Modellfabrik auf die regionale Innovationskraft und wie kann der Transfer von der Forschung in die Praxis noch effizienter gestaltet werden?

Prof. Reichelt: Mit unserer Modellfabrik bieten wir der hiesigen Wirtschaft das Handwerkszeug für Veränderungen. Wir haben einen Einfluss darauf, wie Produkt- und Geschäftsinnovationen im Unternehmen vorangetrieben, die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, auf veränderte Rahmenbedingungen reagiert, die Effizienz im Produktionsbereich gesteigert sowie Kosten nachhaltig gesenkt werden können. Unsere oberstes Ziel ist es, die Innovationsfähigkeit der sächsischen Unternehmen zu fördern und Mehrwerte für die Gesellschaft zu schaffen. Im Fokus unserer Arbeit mit der Industrie 4.0 Modellfabrik steht daher die Stärkung der praxisorientierten und für die Unternehmen verständlichen Forschung. Nur so kann es gelingen, dass Transfer zu keiner Einbahnstraße wird. Das von uns erzeugte Wissen muss an die regionalen Unternehmen in geeigneter Weise weitergegeben und Kompetenzen in den Unternehmen aufgebaut werden. Die Erkenntnisse aus der Unternehmenspraxis sind dabei für uns essentiell und müssen möglichst an uns als Forschungsgruppe zurückgespielt werden. Nur so kann es gelingen, den Wissens- und Informationstransfer von der Forschung in die Praxis noch effizienter zu gestalten. Ich denke hier sind Unternehmen und Forschungseinrichtungen gleichermaßen gefragt. 

Unternehmen können dabei mit unterschiedlichen Problemstellungen an uns herantreten - sei es die Erarbeitung von neuen Konzepten zur Automatisierung und Informationsverarbeitung oder die Entwicklung und Erprobung von Demonstratoren und Prototypen im industriellen Fertigungsumfeld bzw. softwaretechnische Probleme.

Prof. Dr. Dirk Reichelt, Professur für Informationsmanagement an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden

futureSAX: Prof. Reichelt, welchen Einfluss hat die Industrie 4.0 Modellfabrik auf die regionale Innovationskraft und wie kann der Transfer von der Forschung in die Praxis noch effizienter gestaltet werden?

Prof. Reichelt: Mit unserer Modellfabrik bieten wir der hiesigen Wirtschaft das Handwerkszeug für Veränderungen. Wir haben einen Einfluss darauf, wie Produkt- und Geschäftsinnovationen im Unternehmen vorangetrieben, die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, auf veränderte Rahmenbedingungen reagiert, die Effizienz im Produktionsbereich gesteigert sowie Kosten nachhaltig gesenkt werden können. Unsere oberstes Ziel ist es, die Innovationsfähigkeit der sächsischen Unternehmen zu fördern und Mehrwerte für die Gesellschaft zu schaffen. Im Fokus unserer Arbeit mit der Industrie 4.0 Modellfabrik steht daher die Stärkung der praxisorientierten und für die Unternehmen verständlichen Forschung. Nur so kann es gelingen, dass Transfer zu keiner Einbahnstraße wird. Das von uns erzeugte Wissen muss an die regionalen Unternehmen in geeigneter Weise weitergegeben und Kompetenzen in den Unternehmen aufgebaut werden. Die Erkenntnisse aus der Unternehmenspraxis sind dabei für uns essentiell und müssen möglichst an uns als Forschungsgruppe zurückgespielt werden. Nur so kann es gelingen, den Wissens- und Informationstransfer von der Forschung in die Praxis noch effizienter zu gestalten. Ich denke hier sind Unternehmen und Forschungseinrichtungen gleichermaßen gefragt. 

futureSAX: Vielen Dank für das Interview.

Mehr zur Industrie 4.0 Modellfabrik  - das Industrial Internet of Things (IIoT) Test Bed erfahren Sie hier: www.htw-dresden.de/industrie40

Ihre Ansprechpartner bei futureSAX

Bild

Ronny Kittler

Projektmanager Forschung & Transfer

Wissens- & Technologietransfer

Nach seinem Studium der Internationale Politik, Recht und Volkswirtschaft an der Universität Leipzig setzte Ronny Kittler die Schwerpunkte seiner bisherigen Tätigkeiten speziell beim Wissens- und Technologietransfer. Zunächst auf die internationale Dimension orientiert, war er bei den Vereinten Nationen in Neu Dehli, dem Europäischen Parlament in Brüssel und der Europäischen Kommission in New York tätig. Im Anschluss widmete er sich der Verwertung von Forschungsergebnissen in Beratungsprojekten bei einem Karlsruher Beratungsunternehmen für die Entwicklung neuer Geschäftsideen speziell aus der Forschung, sowie sieben Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der internationalen Projektarbeit am DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum in Leipzig.

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Neuigkeiten aus den Netzwerken, kommende Veranstaltungen und aktuelle News aus dem sächsischen Innovationsland. Das und vieles mehr in unserem monatlich erscheinenden Newsletter!