futureSAX-Interview Prof. Jacques Rohayem TUDAG

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„Glauben Sie an Ihre Idee und verlieren Sie nicht die Zuversicht!“

futureSAX-Interview mit Prof. Dr. med. habil. Jacques Rohayem, Vorstand TUDAG TU Dresden Aktiengesellschaft

 

Als Mitglied im Sächsischen Transfer-Netzwerk, als Gründer und CEO von Riboxx Pharmaceuticals GmbH, als Mediziner und Forschungsdirektor und als Vorstand Technologietransfer bei der TUDAG TU Dresden Aktiengesellschaft vereint Prof. Jacques Rohayem vier Perspektiven auf sich und gibt im futureSAX-Interview Einblicke in seine Sicht auf das Sächsische Innovationsökosystem.

futureSAX: Professor Rohayem, vor mehr als zehn Jahren gründeten Sie die Riboxx GmbH und nahmen im Jahr 2008 am futureSAX-Ideenwettbewerb teil. Wenn Sie auf Damals zurückblicken und mit Heute vergleichen, was hat sich seitdem in der sächsischen Innovationslandschaft verändert? Wie nehmen Sie das Innovationsökosystem heute wahr?

Professor Rohayem: Die Riboxx wurde am 7. Mai 2009 als Spin-Off aus der Medizinischen Fakultät der TU Dresden gegründet. Vielleicht zur Erinnerung: 2008 war das Jahr der weltweiten Bankenkrise durch die Lehmanns Brothers-Affäre. Auch Sachsen war davon betroffen, z.B. durch die Insolvenz der Landesbank Sachsen und den Rücktritt des damaligen Finanzministers. Ein Unternehmen zu gründen, schien in diesen Jahren ein hohes Risiko zu sein und mir wurde davon abgeraten.

Ich habe es trotzdem getan, weil ich antizyklisch denke und handle. Und als Unternehmer bin ich das volle Risiko eingegangen, die Universität verlassen habe und die Geschäftsführung der Riboxx übernommen habe, obwohl ich als Beamter einen Ruf auf eine Professur an einer renommierten Universität erhalten hatte, mit sehr komfortablen Rahmenbedingungen.

Die Riboxx wurde am 07. Mai 2021 12 Jahre alt.

Warum erzähle ich Ihnen das? Weil ich davon überzeugt bin, dass die Essenz der Innovation die Gründerinnen und Gründer sind. Sie sind es, die eines Morgens aufstehen und denken: Ich habe eine Lösung für dieses Problem - und ich möchte sie umsetzen und vermarkten. Und dafür bin ich bereit, ein Risiko einzugehen, denn ich muss an diese Lösung glauben und daran glauben, dass ich damit dieses Problem lösen kann. Und helfen Kunden, ihr Problem zu lösen.

Und diese Charaktereigenschaften müssen wir stärker fördern – wir müssen Menschen aus der Innovationslandschaft Sachsen unterstützen, den Mut zusammenzunehmen und das Risiko einzugehen. Es lohnt sich!

futureSAX: Was war Ihr Anreiz, um am Ideenwettbewerb (heute: Gründerpreis) teilzunehmen und was empfehlen Sie angehenden Gründenden, die sich heute für den Gründerpreis bewerben wollen?

Professor Rohayem: Ich wollte meine Idee von Experten und erfahrenen Unternehmen und Geschäftsleuten prüfen lassen und damit Sichtbarkeit für Investoren erreichen. Das ist mir gelungen, weil der TGFS so auf mich aufmerksam geworden ist.

futureSAX: Welchen Mehrwert konnten Sie für sich aus der Teilnahme generieren?

Professor Rohayem: Der Mehrwert liegt meiner Meinung nach in der Möglichkeit, das Geschäftsmodell des zukünftigen Unternehmens zu überprüfen. Denn es ist unabdingbar, dieses Modell von Dritten (die objektiver sind als Sie) überprüfen zu lassen. Dies ist meines Erachtens der erste Schritt zur Minimierung des unternehmerischen Risikos. Und damit die Wahrscheinlichkeit, mit dem Geschäftsmodell Geld zu verdienen, zu erhöhen.

Warum Geld? Weil das Hauptproblem für eine Startup in den ersten 36 Monaten ist die Liquidität. Und die Lösung für dieses Problem lautet: positiver Cashflow durch ein valides Geschäftsmodell.

futureSAX: Ihr gesellschaftliches und wirtschaftliches Engagement ist bemerkenswert: Als Geschäftsführer der Riboxx GmbH, der GWT-TUD GmbH und Vorstand in der TUDAG TU Dresden Aktiengesellschaft sind Sie in Unternehmen tätig, die das sächsische Innovationsökosystem nachhaltig bereichern. Was empfehlen Sie als profunder Kenner der Szene jungen und etablierten Unternehmen in Sachen Innovationsmanagement?

Professor Rohayem: Glauben Sie an Ihre Idee und verlieren Sie nicht die Zuversicht, dass Sie eines Tages ein Produkt oder eine Dienstleistung auf den Markt bringen werden, die Menschen bei der Lösung ihres Problems hilft.

Neulich saß ich zu Hause beim Frühstück und schaute mir die Gegenstände vor und um mich herum an: Teller, Messer, Gabeln, Gläser, der Tisch, die Stühle, die Lampe, die Wände, die Fenster, etc ... Viele Dinge, die die Grundlage unseres Lebens sind, wurden von Innovatoren geschaffen. Leute, die dachten: Wie kann ich dieses Problem lösen? Und haben eine Lösung entwickelt, die uns hilft, unser Leben einfacher zu machen. Das ist die treibende Kraft eines Innovators. Innovatoren haben eine tiefe Freundschaft zu ihren Mitmenschen.

Daher meine Empfehlung: Wenn Sie glauben, Ihren Mitmenschen etwas Gutes tun zu können und die Kraft haben, es durchzusetzen, dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Es lohnt sich.

Sachsen muss internationaler werden und alle potenziellen Märkte angehen, in der EU, in Asien, im Nahen Osten. Und das können die Sachsen. Schauen Sie sich nur die lange Geschichte der sächsischen Erfindungen an, vom Melita Kaffeefilter bis zur Spiegelreflexkamera. Es waren Sachsen, die diese Lösungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfunden haben.

Prof. Dr. med. habil. Jacques Rohayem, Vorstand TUDAG TU Dresden Aktiengesellschaft

futureSAX: Sie sagten einmal „Die Riboxx soll transformieren: aus Technologien Produkte machen, die Geld bringen und dann das Rad der Innovation noch mal neu ankurbeln.“ Warum ist das aus Ihrer Sicht so wichtig?

Professor Rohayem: Das ist sehr wichtig: Geld ist nur das Mittel, um das Ziel zu erreichen. Aber ohne diese Mittel ist nichts möglich. Und der Preis, den ein Unternehmen dafür zahlt, durch Innovationen im Geschäft zu bleiben, ist der Ertrag (oder Gewinn). Innovationen können Sie nur vorantreiben, wenn Sie genügend Gewinn aus dem Unternehmen erwirtschaften, um einen Teil davon dafür zu verwenden. Wie Peter Drucker einmal sagte: Der Gewinn ist der Preis, den Sie zahlen müssen, um im Geschäft zu bleiben.

futureSAX: Wie haben Sie die Transformation für Wettbewerbsvorteile der Riboxx erlebt bzw. welche konkreten Vorteile konnten Sie daraus generieren?

Professor Rohayem: Riboxx bedeutet RNA In einer Box. Alle unsere Technologien konzentrieren sich auf RNA mit dem Ziel, ein Medikament aus RNA herzustellen.

Als ich Riboxx gründete, hatte ich ein validiertes Geschäftsmodell, reichlich Geld und einen der größten Industriepartner, der öffentlich bekannt gab, dass er ein sehr starkes Interesse an unserer Innovation hat. Zwei Jahre später verschwand der Markt. Der Industriepartner hat seine Niederlassung in Deutschland geschlossen, alle anderen möglichen Partner haben sich vom Markt zurückgezogen.

Es war verheerend und das bedeutete das Ende der Riboxx. Es ging von 100 auf 0. Ich konnte und wollte nicht aufgeben.

Deshalb bin ich zurück ans Reißbrett gegangen und habe hart daran gearbeitet, wie ich mit unserer innovativen Technologie neue Märkte erschließen kann. Und fand den Markt für Immunverstärker zur Bekämpfung von Krebs und zur Stärkung von Impfstoffen. Das war im Jahr 2011. Seitdem vertreibt Riboxx seine Produkte und Technologien weltweit.

Diese Transformation hat es uns ermöglicht, zukunftsorientiert, aber auch global zu denken. Zukunftsorientiert, weil wir heute, im Jahr 2021, die Vorteile der RNA-Technologien nutzen. Viele von uns haben den mRNA-Impfstoff gegen COVID-19 erhalten haben. Im Jahr 2011, als der Markt der RNA verschwand, sagte mir ein renommierter Wissenschaftler: Aus RNA kann man keine Medikamente machen.

Als die mRNA-Impfung gegen COVID-19 in den Jahren 2020 und 2021 weltweit eingesetzt wurde, rief ich ihn an und fragte: Und, hast du deine Meinung geändert?

Und global, weil ich die Technologie von Singapur bis San Diego vermarktet habe. Das ist der Vorteil einer Transformation: Sie wachsen daran.

futureSAX: Als Geschäftsführer der GWT-TUD GmbH sind die Partner im Sächsischen Transfer-Netzwerk. Prof. Rohayem, warum ist die Vernetzung im Bereich Wissens- und Technologietransfer wichtig und welche ungenutzten Potenziale sehen Sie für den Transfer in Sachsen?

Professor Rohayem: Vernetzung ist sehr wichtig, denn in Sachsen haben wir nur gemeinsam die Chance, etwas zu bewegen. Die Welt ist offen, man bekommt Wettbewerber aus China, Russland und den USA. Manche Projekte können allein aufgrund der Komplexität der Themen nur gemeinsam angegangen werden.

Dazu muss Sachsen internationaler werden und alle potenziellen Märkte angehen, in der EU, in Asien, im Nahen Osten. Und das können die Sachsen. Schauen Sie sich nur die lange Geschichte der sächsischen Erfindungen an, vom Melita Kaffeefilter bis zur Spiegelreflexkamera. Es waren Sachsen, die diese Lösungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfunden haben. Deshalb sage ich: Folgen wir dem Beispiel dieser Menschen, die vor 100 Jahren in diesem Land gelebt und Innovationen vorangetrieben haben.

futureSAX: Vielen Dank für das Interview!

Mehr zu Riboxx Pharmaceuticals GmbH erfahren Sie auf der Website.

Ihre Ansprechpartner bei futureSAX

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Ronny Kittler

Projektmanager Forschung & Transfer

Wissens- & Technologietransfer

Nach seinem Studium der Internationale Politik, Recht und Volkswirtschaft an der Universität Leipzig setzte Ronny Kittler die Schwerpunkte seiner bisherigen Tätigkeiten speziell beim Wissens- und Technologietransfer. Zunächst auf die internationale Dimension orientiert, war er bei den Vereinten Nationen in Neu Dehli, dem Europäischen Parlament in Brüssel und der Europäischen Kommission in New York tätig. Im Anschluss widmete er sich der Verwertung von Forschungsergebnissen in Beratungsprojekten bei einem Karlsruher Beratungsunternehmen für die Entwicklung neuer Geschäftsideen speziell aus der Forschung, sowie sieben Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der internationalen Projektarbeit am DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum in Leipzig.

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