futureSAX-Alumni-Interview mit Tobias Pöhlmann

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„Mitteldeutschland hat sehr viel Potential und ist eine wunderschöne Gegend"

futureSAX-Alumni-Interview mit Tobias Pöhlmann, Geschäftsführer BianoScience GmbH

Der Geschäftsführer der BianoScience GmbH, Dr. Tobias Pöhlmann, öffnet sich im Alumni-Interview und spricht über die Entwicklung seines Unternehmens seit dem Gewinn des futureSAX-Wettbewerbs 2010 in der Kategorie Gründen. Außerdem teilt er Tipps für zukünftige Teilnehmer an Pitch-Veranstaltungen und geht auf die Bedeutung des Standortes Mitteldeutschland ein.

futureSAX: Herr Dr. Pöhlmann, Sie sind Geschäftsführer der BianoScience GmbH aus Zwickau. Gemeinsam mit einem achtköpfigen Forscherteam möchten Sie die Brustkrebstherapie vereinfachen. Für Ihre Idee bzw. Ihren medizinischen Ansatz haben Sie in den vergangenen Jahren schon eine Vielzahl von Auszeichnungen und Preisen gewonnen. In 2010 waren Sie auch Preisträger des futureSAX-Wettbewerbs in der Kategorie Gründen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen und wo stehen Sie heute mit Ihrem Ansatz?

Tobias Pöhlmann: Die Idee für unsere Technologieplattform kam mir während der Arbeiten im Rahmen meiner Postdoktorandenzeit – auch wenn ich damals noch nicht so richtig überblickt habe, wie kompliziert eine Pharma-Entwicklung ist – vor allem hinsichtlich Finanzierung, Patentstrategie und Business Development – und wie langatmig man sein muss. Aber Spaß macht es immer noch, sein eigener Chef zu sein und die Arbeit des Teams in Richtung Therapie zu lenken. Und Spaß macht es, zusammen mit meinen zwei Mitgründern das Unternehmen aufzubauen – zwischen uns passt oftmals kein Blatt Papier mehr – so nahe sind unsere Meinungen zusammen.

Wir haben 2011 zusammen die GO-Bio-Förderung beantragt und 2012 BianoScience gegründet. Seitdem bauen wir innerhalb BianoScience ein Projekt- und Servicebusiness auf und konnten hier auch schon größere Aufträge an Land ziehen. Die Therapieentwicklung läuft im Rahmen der GO-Bio-Förderung noch bis Ende des Jahres an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo wir ein eigenes Labor aufgebaut und über BianoScience eine ganze Menge investiert haben. Dort wurde unsere Therapie intensiv im Zellkultur- und Tiermodell getestet und pharmakologische Fragestellungen wie Bioverteilung, Pharmakokinetik, Verträglichkeit und Efficacy getestet.

Jetzt wollen wir noch an der Formulierung der Wirkstoffe arbeiten und die Produktion in Pharmaqualität vorbereiten, bevor wir die klinische Testung am Patienten vorbereiten. Anfang 2016 wollen wir dann die therapeutische Pipeline als BianoScience übernehmen und in den folgenden Jahren in die Klinik starten. Ach ja – ganz vergessen hatte ich, dass wir in den Jahren der GO-Bio-Förderung die Gelegenheit hatten, eine ganze Reihe innovativer Neuentwicklungen zu patentieren, um die besonderen Vorteile unserer Wirkstoffe noch mehr hervorzuheben.

futureSAX: Aktuell sind Sie gerade intensiv auf der Suche nach einem Investor. Wie viel und wofür benötigen Sie das Geld?

Tobias Pöhlmann: Derzeit haben wir die Möglichkeit, im Rahmen der GO-Bio-Förderinitiative weitere Fördermittel im Rahmen der zweiten Förderphase zu beantragen. Nicht nur für die klinische Prüfung unserer Wirkstoffe, was die Voraussetzung einer Zulassung ist, sondern auch für die Herstellung der Wirkstoffe in Pharmaqualität (GMP), Patente usw. wird eine Menge Geld benötigt. Dieses Finanzvolumen können wir als kleine Firma unmöglich stemmen. Zusätzlich ist es momentan extrem schwer, ein Seed-Investment zu bekommen – vor allem in der Pharma-Branche, die ein besonders hohes Entwicklungsrisiko mit sich bringt. Aber gerade weil die Hürden so groß sind – und weil wir überzeugt sind, dass wir uns mit unseren Innovationen vom Wettbewerbe stark abheben, werden wir unsere Entwicklungsstrategie umsetzen und für unsere Wirkstoffe in den kommenden Jahren die GMP-Herstellung durchführen lassen. Anschließend werden wir eine Phase-1/2a-Studie durchführen, in denen wir bei Triple-Negativen-Brustkrebspatientinnen besonders die Lebermetastasen bekämpfen. Ist die Wirksamkeit im Menschen belegt und sind die Nebenwirkungen ähnlich gering wie im Versuchstier, haben wir gute Chancen auf einen Pharma-Deal – eine gute Exit-Strategie für unseren Investor.

Für solch ein Projekt wird schätzungsweise ein Budget von etwa 8 Mio. Euro benötigt – wir glauben, dass wir bereits mit 4 Mio. Euro Investment eine gute Startposition hätten, um den Rest mit Fördermitteln zu bestreiten. Hierfür sind wir derzeit auf der Suche nach einem Investor bzw. einem Konsortium. An dieser Stelle vielleicht noch ein Wort zu den Risiken im Pharmabereich: Ja, Pharmaentwicklungen sind risikoreich. Allerdings ist der Vorteil unserer Wirkstoffe, dass diese sehr schnell auf andere Indikationen durch einfaches Ändern der chemischen Synthese umgestellt werden können. Dadurch bietet sich eine gute Rückfallposition, falls Änderungen am Molekül notwendig werden; wichtiger ist aber, dass sich durch die Änderungen am Molekül die pharmakologischen Grundeigenschaften der Moleküle praktisch nicht ändern und dadurch die präklinischen Tests der neuen Wirkstoffkandidaten sehr schnell durchgeführt werden können. Auch eine zusätzliche und parallele Wirkstoffpipeline ist denkbar – ein attraktives Szenario für einen Investor.

"Das Feedback der Investoren war leider nicht ganz so wie erhofft. Ich werde deshalb vor den kommenden Veranstaltungen gezielt die teilnehmenden Investoren ansprechen, um mich während der Veranstaltung direkt über Einzelheiten mit den Gesprächspartnern unterhalten zu können. Ich halte eine intensive Vor- und Nachbereitung solcher Veranstaltungen für sehr wichtig."

Tobias Pöhlmann, Geschäftsführer BianoScience GmbH

futureSAX: Im Rahmen der Investorensuche haben Sie Ihr Projekt auch beim futureSAX-Investorentag in Leipzig und bei der futureSAX-Investoren Road Show in Düsseldorf vorgestellt. Welche Erfahrungen haben Sie bei diesen beiden Veranstaltungen sammeln können? Welche Tipps haben Sie für die Pitchteilnehmer? Wie sollten Sie sich am besten auf die Präsentation vorbereiten?

Tobias Pöhlmann: Das Feedback der Investoren war leider nicht ganz so wie erhofft. Ich werde deshalb vor den kommenden Veranstaltungen gezielt die teilnehmenden Investoren ansprechen, um mich während der Veranstaltung direkt über Einzelheiten mit den Gesprächspartnern unterhalten zu können. Ich halte eine intensive Vor- und Nachbereitung solcher Veranstaltungen für sehr wichtig.

Darüber hinaus aktivieren wir derzeit unser gesamtes Netzwerk, um zu allen möglichen Investoren Zugang zu bekommen, und bereiten alle notwendigen Dokumente vor, um möglichst gut für die Gespräche vorbereitet zu sein. Auch Tipps von Gründern, die unsere Situation schon einmal durchlebt haben, helfen uns sehr.

Zukünftigen Pitchteilnehmern empfehle ich neben einer intensiven Präsentationsvorbereitung vor allem auch die Aufbereitung aller für Kapitalgeber wichtigen Dokumente und die Aktivierung der zur Verfügung stehenden Netzwerke.

futureSAX: Wenn die teuren klinischen Tests erfolgreich verlaufen sind und Sie für Ihren Wirkstoff eine Zulassung erhalten haben, was planen Sie dann? Werden Sie eigene Medikamente herstellen oder den Wirkstoff an die Pharma-Industrie verkaufen und sich neuen Forschungsobjekten widmen?

Tobias Pöhlmann: Wir sehen uns als Wirkstoffentwickler mit cleveren Ideen im Nukleotidbereich. Wirkstoffe herstellen und vermarkten können andere Firmen sehr viel besser als wir. Wir möchten unsere Wirkstoffe für einzelne Indikationen an Big-Pharma auslizenzieren und mit dem Geld einen attraktiven Exit für unsere Investoren ermöglichen und außerdem eine eigene Wirkstoffpipeline aufbauen. Traum wäre es, mit eigenem Geld ein eigenes Projekt durch die Klinik zu bringen und zu einer späteren Phase eine Lizenz zu vergeben – hier wäre der Gewinn deutlich attraktiver.

futureSAX: Der Sitz Ihres Unternehmens ist in Zwickau und Ihr Labor befindet sich in Jena. Werden Sie mittel- bis langfristig in Mitteldeutschland bleiben?

Tobias Pöhlmann: Wir sind gerade mit unserem Uni-Labor in neue Räumlichkeiten innerhalb Jenas umgezogen und sind mit der momentanen Raumsituation unserer Entwicklungslabore sehr glücklich. Das heißt aber auch, dass wir Erfahrung damit haben, mit einem Labor umzuziehen, und wir können die Kosten und den Zeitaufwand hierfür sehr gut überblicken. Ich und meine Mitgründer sind uns einig, dass wir dorthin gehen werden, wo wir die Chance sehen, unsere Entwicklungen umzusetzen. Das ist unser vorrangiges Ziel. Mitteldeutschland hat sehr viel Potential und ist eine wunderschöne Gegend – nicht nur für Touristen, sondern auch für Gründer. Außerdem hat Gründergeist in Mitteldeutschland Tradition – unabhängig ob die Stadt nun Dresden, Leipzig, Jena oder Halle heißt. Ziel ist nun, VC-Kapital nach Mitteldeutschland zu holen. Wenn uns das gelingt, werden wir der Region ganz sicher nicht den Rücken kehren.

Mehr Informationen zur BianoScience GmbH finden Sie hier.

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