Interview mit Prof. Tobias Teich der Westsächsischen Hochschule Zwickau

  1. futureSAX - Innovationsplattform des Freistaates Sachsen
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„Etablierte Netzwerke wie futureSAX sind wichtige Impulse."

Prof. Tobias Teich von der Westsächsischen Hochschule Zwickau im Interview

Die regionale Vernetzung und die Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und Unternehmen spielen für Prof. Teich von der Westsächsischen Hochschule Zwickau eine große Rolle, wenn es um den Transfer von Wissen und Technik geht. Bereits in der Schule setzt die WHZ da an und führt Formate durch, um bei jungen Menschen bereits den Grundstein dafür zu legen. Als Gastgeber des ersten Netzwerk-Treffen des Sächsischen Transfer-Netzwerkes 2020 schildert Prof. Teich im Interview, warum das für die Arbeit des Arbeitskreises für integrierte Informationssysteme wichtig ist.

"Schon seit 2007 arbeiten wir sehr eng mit regionalen Unternehmen, Verbänden und Kommunen zusammen."

futureSAX: Herr Prof. Teich, bitte beschreiben Sie uns in wenigen Worten die Forschungsschwerpunkte und Kernkompetenzen des Arbeitskreises für integrierte Informationssysteme (AIIS).

Prof. Teich: Der Arbeitskreis Integrierte Informationssysteme forscht neben den klassischen betriebswirtschaftlichen Fragestellungen insbesondere auf dem Innovationsfeld der Digitalisierung. Hierzu zählen erfolgreich abgeschlossene Vorhaben in den Bereichen Vernetzte Systeme, Datenanalyse, ERP und PLM wie im Besonderen das Thema Energie(-Management).

futureSAX: Den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften kommt eine besondere Rolle in der regionalen Entwicklung zu. Welche Bedeutung hat der Wissens- und Technologietransfer beim AIIS und welche Transferformate gibt es für den sächsischen Mittelstand?

Prof. Teich: Schon seit 2007 arbeiten wir sehr eng mit regionalen Unternehmen, Verbänden und Kommunen zusammen. Einerseits münden diese Kooperationen in der Beantragung gemeinsamer Forschungsprojekte, andererseits bilden wir in Form von Fachworkshops, Learning Journeys, Webinaren oder Unternehmensstammtischen u.v.m. Mitarbeiter in den Themenbereichen Prozessmanagement, Datenanalyse, Hard- und Softwareentwicklung etc. aus.

Ein weiterer wichtigerer Bestandteil ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Region. Mit verschiedenen Formaten, wie beispielsweise die Betreuung von KLLs in Gymnasien der Region, Durchführung von Projekttagen oder die Ausgestaltung von Vorlesungen für Schüler bis hin zum Regionalwettbewerb der First Lego League gelingt es uns immer mehr, Schülerinnen und Schüler bereits frühzeitig für Technik und Wissenschaft zu interessieren.

"Für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Hochschule sind etablierte Netzwerke, wie das des futureSAX ein wichtiger Impuls für die tägliche Arbeit."

futureSAX: Das AIIS arbeitet mit regionalen Partnern an der Umsetzung der „All Electric Society“. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff, welche Motivation liegt dafür zu Grunde?

Prof. Teich:

Deutschlands Primärenergieverbrauch liegt jährlich bei ca. 3.800 TWh. Die heutige Energieerzeugung ist zum Großteil von fossilen Brennstoffen wie Mineralöl, Steinkohle, Braunkohle und Erdgas abhängig. Nur ca. 15 % des Primärenergieverbrauchs in Deutschland sind aus regenerativen Quellen wie Wind-, Wasserkraft, Photovoltaik, Brennholz usw. gedeckt.

Bei der detaillierten Betrachtung des Stromverbrauchs wird jedoch deutlich, dass der jährlich benötigte Elektroenergiebedarf in Deutschland von 650 TWh zu ca. 40 % regenerativ gedeckt werden kann. Dabei wächst die Nutzung elektrischer Energie in entwickelten Volkswirtschaften schneller als bei anderen Energieträgern und wird somit zur Leitenergie der Zukunft.

Ausgehend von diesen Fakten gehen führende Experten von einer zukünftig voll-elektrischen Gesellschaft aus. Die sogenannte „All Electric Society“ vereint die Sektoren Verkehr, Industrie, Gewerbe und Wohnen und verortet darunter alle Vorgänge, welche die Nutzung von fossilen Energieträgern überflüssig machen. Unabdingbar in diesem Zusammenhang ist die Veränderung von Mobilität und Kommunikation. Eine singuläre Betrachtung der Sektoren und Ebenen ist nicht ausreichend und bedarf einer neuen, holistischen Betrachtung.

Für die All Electric Society müssen folglich die Fragestellungen der Mobilität, Elektrizität und Digitalität integriert betrachtet werden. Aufgrund der bestehenden Eigenschaften und Strukturen emergiert in einer All Electric Society ein neuer interdisziplinärer Forschungsbereich.

futureSAX: Welche Vision verfolgt das Projekt „All Electric Society“?

Prof. Teich: Vereinzelte Themen der „All Electric Society“ sind grundsätzlich schon in der sächsischen Forschungslandschaft vorhanden. Allerdings entsteht ein ganzheitlicher Ansatz erst durch die Emergenz der Einzelthemen wie Mobilität, Digitalisierung und Energie. Diese fehlende Integration führt zu einer Lücke in der Forschungslandschaft Sachsens. Deren Schließung birgt ein hohes Forschungspotential und ist zudem eine wesentliche Ergänzung zu den Initiativen futureSAX und SAXONY5.

Mit der Umsetzung der Forschungslinie All Electric Society hat die WHZ zukünftig ein Alleinstellungsmerkmal in der sächsischen Forschungslandschaft. Im Zusammenhang mit der Innovationsstrategie des Freistaates Sachsen sind die geplanten Strukturen von entscheidender Bedeutung. Darüber hinaus soll eine bundesweite Strahlkraft geschaffen werden, um Partnernetzwerke zu erweitern, zukünftige Fachkräfte für die Region auszubilden und anwendungsorientierte interdisziplinäre Lösungen zu entwickeln

"Durch die Zusammenarbeit von Wirtschaftsunternehmen und Hochschule unter dem Dach des ubineums, soll Wissen zielgerichtet in die Gesellschaft vermittelt werden."

futureSAX: Was war Ihr Beweggrund Teil des Sächsischen Transfer-Netzwerkes zu werden und wie wichtig sind branchenübergreifende Plattformen für den Wissens- und Technologietransfer?

Prof. Teich: Für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Hochschule sind etablierte Netzwerke, wie das des futureSAX ein wichtiger Impuls für die tägliche Arbeit. Hier können neue Technologien gezielt mit Anwendern aus der regionalen Wirtschaft besprochen werden und auch neue Ideen für zukünftige Entwicklungen oder Projekte mitgenommen werden.

futureSAX: Vielen Dank für das Interview.

Mehr zum Arbeitskreis für integrierte Informationssysteme und dem Leuchtturmprojekt Zwickauer Energiewende Demonstrieren“ finden Sie hier:  

https://aiis.fh-zwickau.de/

https://www.energiewende-zwickau.de/

Nächstes Netzwerktreffen:

4. Februar 2020

Thema: Zukunftsstadt – Wohnen und Leben heute und in Zukunft

Ort: Westsächsische Hochschule Zwickau

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Ihr Ansprechpartner bei futureSAX

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Ronny Kittler

Projektmanager Forschung & Transfer

Nach seinem Studium der Internationale Politik, Recht und Volkswirtschaft an der Universität Leipzig setzte Ronny Kittler die Schwerpunkte seiner bisherigen Tätigkeiten speziell beim Wissens- und Technologietransfer. Zunächst auf die internationale Dimension orientiert, war er bei den Vereinten Nationen in Neu Dehli, dem Europäischen Parlament in Brüssel und der Europäischen Kommission in New York tätig. Im Anschluss widmete er sich der Verwertung von Forschungsergebnissen in Beratungsprojekten bei einem Karlsruher Beratungsunternehmen für die Entwicklung neuer Geschäftsideen speziell aus der Forschung, sowie sieben Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der internationalen Projektarbeit am DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum in Leipzig.

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