futureSAX-Interview Vanessa Cann, KI Bundesverband e.V.

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„Mit KI können Unternehmen in nahezu allen Branchen Effizienzgewinne schaffen.“

futureSAX-Interview mit Vanessa Cann, Geschäftsführerin vom KI Bundesverband e.V.

 

Künstliche Intelligenz wird die Wertschöpfung in Deutschland verändern. Doch aktuell stehen klein- und mittelständische Unternehmen in #Sachsen oft noch vor Herausforderungen, die speziell den Einstieg in dieses Thema betreffen. Im futureSAX-Interview zeigt Vanessa Cann, Geschäftsführerin vom KI Bundesverband e.V., konkrete Anknüpfungspunkte auf und schildert, was noch verbessert werden muss.

futureSAX: Sehr geehrte Frau Cann, der KI Bundesverband ist das größte Netzwerk für Künstliche Intelligenz in Deutschland und mit der Gründung 2018 noch ein recht junge Netzwerk. Bitte beschreiben Sie uns kurz die Mission des Verbandes und erste Meilensteine, die seit der Gründung erreicht wurden. 

Als Verband sind wir in erster Linie politische Stimme der KI-Unternehmen in Deutschland. Wir stehen im regen Austausch mit politischen Entscheidungsträger:innen und setzen die Themen von KI-Entrepreneur:innen auf die politische Agenda. Ganz aktuell zum Beispiel im Rahmen der KI-Regulierung, die die Europäische Kommission vorgestellt hat.

Gleichzeitig sehen wir allerdings auch, dass gerade junge Technologieunternehmen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Für unsere Mitglieder ist daher der Austausch in unserer Community besonders wichtig, denn sie profitieren von dem Wissen und dem Erfahrungsvorsprung, den andere KI-Unternehmen oft schon haben.

Dabei ist eine der zentralen Herausforderungen für viele KI-Unternehmen die Zusammenarbeit mit der etablierten Wirtschaft. Gerade KMUs fehlt es oft noch an einem Verständnis über konkrete Anwendungsfelder von KI-Technologie und an der Bereitschaft in Zukunftstechnologien zu investieren. Wir haben daher ein Partnernetzwerk bestehend aus KMUs und europäischen Konzernen aufgebaut, um KI-Technologien besser erfassbar zu machen. Als Teil unserer Community können unsere Partner spannende KI-Anwendungen identifizieren und Kooperationen mit unseren Mitgliedsunternehmen anstoßen.

Wir freuen uns sehr, dass der Verband auch in diesem Jahr weiter stark wächst. Mittlerweile gehören 350 Unternehmen zu unseren Mitgliedern, bei denen die Entwicklung und Anwendung von Technologien auf Basis von Künstlicher Intelligenz im Fokus steht.

Alle unsere Mitglieder haben ihren Hauptsitz in Deutschland, sind regional jedoch über die gesamte Republik verteilt. Das ist uns ein besonderes Anliegen, denn die etablierte Wirtschaft sitzt nicht vorwiegend in den Startup-Hotspots Berlin und München, sondern in der Fläche des Landes. KI-Ökosysteme müssen daher deutschlandweit aufgebaut und gestärkt werden. Unsere Regionalgruppe Ost / Mitteldeutschland geht hier mit bestem Beispiel voran und bringt KI-Unternehmen mit der etablierten Wirtschaft zusammen.

Neben starken regionalen Ökosystem braucht es auch eine stärkere europäische Zusammenarbeit beim Thema KI. Nur so wird es uns gelingen KI-Produkte zu entwickeln, die dem internationalen Wettbewerb standhalten können. Wir haben daher das European AI Forum gegründet, einem Netzwerk bestehend aus neun nationalen KI-Verbänden aus der EU, um KI-Entrepreneur:innen in Europa eine Stimme zu geben. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, dass KI-Technologie im Sinne europäischer und demokratischer Werte Anwendung findet und Europa digitale Souveränität erreicht.

futureSAX: Der KI Bundesverband fördert aktiv gemeinnützige Projekte. Darüber hinaus wird die Wissenschaft bei Forschungsprojekten zum Thema KI unterstützt. Frau Cann, bitte geben Sie uns zwei Beispiele zu diesen Aktivitäten.

Unser aktuell größtes, und für den KI-Standort Deutschland sicherlich wichtigstes Projekt, heißt Large European AI Models (LEAM).

Die Entwicklungen im Bereich der großen KI-Modelle sind absolut bahnbrechend und folgen gerade Schlag auf Schlag. Wir glauben, dass diese KI-Lösungen in den nächsten Jahren die bestehenden Lösungen verdrängen werden.

Allerdings wird der Markt um große KI-Modelle aktuell von amerikanischen und chinesischen Unternehmen dominiert. Alternativmodelle aus der EU gibt es keine. Wir haben daher große Sorge, dass das europäische KI-Ökosystem bei dieser Technologieentwicklung in Abhängigkeit gerät.

LEAM ist unsere Lösung, damit Europa die digitale Souveränität in diesem strategisch wichtigen Bereich aufrechterhalten können. Gemeinsam mit unseren Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik wollen wir sicherstellen, dass die EU im Bereich der großen KI-Modelle wettbewerbsfähig bleiben, alle europäischen Sprachen integrieren und sicherstellen, dass sich unsere Werte und Qualitätsstandards in den Modellen widerspiegeln.

Das zweite Projekt was ich nennen möchte ist unser KI-Gütesiegel, denn kaum ein anderes Projekt zeigt so gut, was unser Ökosystem in Deutschland ausmacht.

Die Mitglieder des KI Bundesverbandes haben Anfang 2019 mit ihrem ehrenamtlichen Engagement ein Gütesiegel entwickelt, um einen menschen-zentrierten und menschen-dienlichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu fördern.

Ein Großteil der KI-Unternehmen denkt hierzulande Werte wie Datenschutz, Datensicherheit, Transparenz der Algorithmen und Verzerrungen der Datensätze bereits bei der KI-Entwicklung mit. Dieses Selbstverständnis wollen KI-Unternehmen mithilfe des Gütesiegels nach außen tragen, daher ist es bis heute noch viel nachgefragt. Sie wissen genau, wie wichtig ihren Kund:innen die Qualität von KI-Produkten ist.

Diese Qualität ist für mich auch, was KI-Produkte aus Deutschland auszeichnet.

futureSAX: Was bedarf es Ihrer Meinung nach, um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken und „KI made in Germany“ zu einer Marke zu machen?

Da fallen mir gleich eine Vielzahl an Stellschrauben ein, an denen man drehen müsste, um unseren Wirtschaftsstandort zu stärken. Um hier drei der zentralen zu nennen:

Erstens, die Zusammenarbeit zwischen KI-Unternehmen und der etablierten Wirtschaft muss dringend verbessert werden. Hier helfen insbesondere regionale Transferinitiativen, die die Vernetzung zwischen KI-Unternehmen, Forschungsinstitute und etablierte Unternehmen vorantreiben. KI-Prämien können hier weitere Anreize für KMUs setzen in KI-Projekte zu investieren.

Zweitens sollten auch Investitionen in KI-Startups durch geringe bürokratische und steuerliche Hürden vereinfacht werden, denn unseren Unternehmen fehlt es insbesondere an Wachstumskapital.

Drittens müssen wir die Datenökonomie weiter stärken. Viele KMUs haben ihre Daten noch in Aktenordnern und müssen sie zunächst digitalisieren und sortieren, bevor sie überhaupt für KI-Projekte nutzbar werden. Hier könnten Datenmarktplätze die nötigen Anreize setzen, sodass Unternehmen ihre Daten zusätzlich monetarisieren können.

Was Ihre Frage anbelangt, wie wir „KI made in Germany“ zu einer Marke aufbauen können, ist meine Antwort vielleicht eine überraschende: Ich glaube diese Marke existiert bereits. Mit ihrem Fokus auf wertebasierte KI und vielen Innovativen Lösungen für digitale Transformation der Industrie zeigen unsere Unternehmen schon lange, wie Qualität und KI zusammengehen.

Statt nur immer ins Silicon Valley zu schauen, sollten wir also stattdessen anfangen mehr an unser Ökosystem zu glauben. Denn wenn es eines ist, das unseren KI-Unternehmen helfen wird, dann sind es Kund:innen.

„Viele KMUs haben ihre Daten noch in Aktenordnern und müssen sie zunächst digitalisieren und sortieren, bevor sie überhaupt für KI-Projekte nutzbar werden.”

Vanessa Cann, Geschäftsführerin KI Bundesverband e.V.

futureSAX: Der KI Bundesverband fördert aktiv gemeinnützige Projekte. Darüber hinaus wird die Wissenschaft bei Forschungsprojekten zum Thema KI unterstützt. Frau Cann, bitte geben Sie uns zwei Beispiele zu diesen Aktivitäten.

Unser aktuell größtes, und für den KI-Standort Deutschland sicherlich wichtigstes Projekt, heißt Large European AI Models (LEAM).

Die Entwicklungen im Bereich der großen KI-Modelle sind absolut bahnbrechend und folgen gerade Schlag auf Schlag. Wir glauben, dass diese KI-Lösungen in den nächsten Jahren die bestehenden Lösungen verdrängen werden.

Allerdings wird der Markt um große KI-Modelle aktuell von amerikanischen und chinesischen Unternehmen dominiert. Alternativmodelle aus der EU gibt es keine. Wir haben daher große Sorge, dass das europäische KI-Ökosystem bei dieser Technologieentwicklung in Abhängigkeit gerät.

LEAM ist unsere Lösung, damit Europa die digitale Souveränität in diesem strategisch wichtigen Bereich aufrechterhalten können. Gemeinsam mit unseren Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik wollen wir sicherstellen, dass die EU im Bereich der großen KI-Modelle wettbewerbsfähig bleiben, alle europäischen Sprachen integrieren und sicherstellen, dass sich unsere Werte und Qualitätsstandards in den Modellen widerspiegeln.

Das zweite Projekt was ich nennen möchte ist unser KI-Gütesiegel, denn kaum ein anderes Projekt zeigt so gut, was unser Ökosystem in Deutschland ausmacht.

Die Mitglieder des KI Bundesverbandes haben Anfang 2019 mit ihrem ehrenamtlichen Engagement ein Gütesiegel entwickelt, um einen menschen-zentrierten und menschen-dienlichen Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu fördern.

Ein Großteil der KI-Unternehmen denkt hierzulande Werte wie Datenschutz, Datensicherheit, Transparenz der Algorithmen und Verzerrungen der Datensätze bereits bei der KI-Entwicklung mit. Dieses Selbstverständnis wollen KI-Unternehmen mithilfe des Gütesiegels nach außen tragen, daher ist es bis heute noch viel nachgefragt. Sie wissen genau, wie wichtig ihren Kund:innen die Qualität von KI-Produkten ist.

Diese Qualität ist für mich auch, was KI-Produkte aus Deutschland auszeichnet.

Ihr Ansprechpartner bei futureSAX

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Michael Kelber

Projektmanager Unternehmen

Innovation & Mentoring

Nach seinem Studium der Architektur war Michael Kelber mehrere Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Transferbereich zwischen Wissenschaft und Innovation an der Wissensarchitektur – Laboratory of Knowledge Architecture der Technischen Universität Dresden tätig. Schwerpunkt seiner Forschung und Lehre lag auf den Gebieten des Wissensmanagements und Entrepreneurships sowie der Methodenvermittlung zur Entwicklung von Geschäftsideen und der Ausschöpfung von Innovationspotentialen. Parallel dazu begleitete Herr Kelber ein vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziertes Forschungsprojekt zum Aufbau und zur Vertiefung von Innovationskapazitäten im sächsisch-polnischen Grenzraum. Durch die Teilnahme an internationalen Forschungskonferenzen und dem Akademischen Austausch mit der Waseda Universität in Tokyo sind Herrn Kelber kulturübergreifende Herangehensweisen und Verfahren zur Entwicklung von Forschungsprojekten und Geschäftsideen vertraut. In seiner Freizeit unterstützte er zuletzt in einer aktiven Rolle die Vorbereitungsphase einer Ausgründung und engagiert sich als Ordentliches Mitglied beim Filmverband Sachsen. 

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