futureSAX-Innovationsforum in Görlitz

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futureSAX-Innovationsforum: Kreislaufwirtschaft

Das futureSAX-Innovationsforum widmete sich in seiner 16. Ausgabe dem Thema Kreislaufwirtschaft und dessen innovativen Anwendungsbereichen. Über 100 Anmeldungen aus Wissenschaft und Wirtschaft untersetzen die Aktualität des Themas. Die Teilnehmenden kamen im Kühlhaus Görlitz zusammen und diskutierten über die aktuellen Herausforderungen und innovativen Lösungen in den Anwendungsfeldern Energie, Verpackung und Werkstoff. Abschließender Höhepunkt der Veranstaltung war der Wettbewerbsauftakt zum Sächsischen Innovationspreis 2023.

Funktionierende Lieferketten und Stoffströme gehören zum Fundament des sächsischen Mittelstandes. Dass diese enormen und teilweise sprunghaften Veränderungen unterliegen, zeigt sich nochmals verstärkter seit Anfang des Jahres. Die damit einhergehenden Herausforderungen gilt es in Innovationen zu übersetzen. Innovative Lösungen stehen somit nicht nur für eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit, sondern mehr denn je für eine Zukunftsfähigkeit. Kreislaufwirtschaft ist in diesem Zusammenhang ein zeitgemäßer Ansatz, um die Anpassungsfähigkeit der Unternehmensprozesse am Beispiel von Lieferkette und Sourcing zu steigern und in diesem Kontext innovative Lösungen immer wieder neu zu denken.

Das futureSAX-Innovationsforum betrachtete das Thema Kreislaufwirtschaft im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf Lieferketten vielschichtig und versammelte eine Vielzahl von Akteuren, um branchenübergreifend Anwendungsszenarien zu präsentieren und insbesondere mit kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie Wissenschaftsvertretern produktive Diskurse anzuregen. Das Impulsevent für den sächsischen Mittelstand setzte einmal mehr vielseitige Impulse durch informative Vorträge, initiierte einen interaktiven Erfahrungsaustausch im Rahmen von Themenwerkstätten und eine branchenübergreifende Vernetzung für zukunftsfähige Innovationen und nachhaltige Wettbewerbsvorteile.

Zahlreiche sächsische Akteure suchen den Austausch und die Kooperation in der Kreislaufwirtschaft

"Es ist großartig, dass so viele relevante Partner und Erfahrungsträger zu diesem Thema vor Ort ihr Wissen geteilt und so neue Impulse gesetzt haben. Aus den Themenwerkstätten gingen vielfältige Anregungen hervor und wir bleiben gespannt auf die ersten Umsetzungen und daraus hervorgehende, neue Partnerschaften im Netzwerk. Ein herzlicher Dank an alle, die dieses Innovationsforum zum Erfolg haben werden lassen!“

Marina Heimann, Geschäftsführerin futureSAX 

Thomas Kralinski, Sächsischer Staatssekretär für Wirtschaft und Arbeit, Sächsisches Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, eröffnete die Veranstaltung mit einem Grußwort und stimmte die Teilnehmenden auf die Veranstaltung ein. Er unterstrich dabei, wie wichtig die erfolgreiche Innovationskultur sächsischer Unternehmen ist, um den gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen zu begegnen.

Die chemische Forschung als Grundlage für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft

Prof. Peter H. Seeberger, Direktor des Max-Planck-Instituts für Kolloid und Grenzflächenforschung und Initiator des Großforschungszentrums Center for the Transformation of Chemistry, welches seitens futureSAX mit einem LOIs unterstützt wird, zeigte im Rahmen seines Impulses,welchen Einfluss die Chemieindustrie auf weitere Wirtschaftszweige hat. Er skizzierte anhand dessen die Herausforderungen und benannte eine Vielzahl an Partnern und Branchen, die eng vernetzt Lösungen umsetzen. Die Abkehr von der linearen Wirtschaft hin zu nachhaltigen Materialströmen, neuartigen, definierten Wertschöpfungsketten und damit verbundenen resilienten Lieferketten sind Teil eines auf nachhaltige Kreislaufwirtschaft ausgelegten Zukunftsmodells. Prof. Seeberger beendete den Impuls mit einem bestärkenden Ausblick auf die bereits entstandenen und noch entstehenden Geschäftsmodelle im Bereich von Chemie- sowie Tech-Industrie und Digitalisierung.

"Mit Partnern interregional arbeiten - nicht als UFO fungieren, sondern Partner lokal und regional integrieren. Somit entstehen durch Kreislaufwirtschaft zukunftsfähige Geschäftsmodelle."

Prof. Dr. Peter H. Seeberger, Direktor vom Max-Planck-Institut Kolloid- und Grenzflächenforschung

Impulse zu den Themenwerkstätten regen zum Diskutieren an

Dem Impuls von Prof. Seeberger folgten die Impulsvorträge zu den Themenwerkstätten. Jörg Liebschner, ESG-Koordinator der Meyer Burger (Germany) GmbH aus Hohenstein-Ernstthal begann für das Panel „Energie“ und formulierte Ziele, Herausforderungen und Lösungen im Bereich der Solarenergie. Den Impuls für das Panel „Verpackung“ setzte Prof. Dr.-Ing. Marek Hauptmann. Als Abteilungsleiter Verpackungs- und Verarbeitungstechnologien des Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Dresden legte er den Fokus auf die Anforderungsprofile von Verpackungen und die Chance, aus diesem Ansatz Kreisläufe hinsichtlich der Effizienz und Wertschöpfung unter Einsatz innovativer Technologien neu zu definieren. Den abschließenden Impuls für die Themenwerkstatt „Werkstoff“ hielt Alexander Knorr, Wissenschaftlicher R&D Koordinator, Elbe Flugzeugwerke GmbH, Dresden. Er thematisierte in seinem Vortrag den Aspekt der tragfähigen Geschäftsmodelle als Basis für Kreislaufprozesse in Bezug auf Rohstoffquellen. Außerdem ging er auf die Bedeutung des Leichtbaus in Kombination mit Innovationen im Werkstoffbereich ein.

Angeregte Diskussionen innerhalb der Themenwerkstätten

In den folgenden zwei Themenwerkstätten diskutierten die Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft mit den Gästen zu den branchenübergreifenden Themenschwerpunkten Energie, Verpackung und Werkstoff. Als Grundlage für die Diskussion dienten die formulierten Thesen:

Themenwerkstatt „Energie“

Jörg Liebschner - ESG-Koordinator, Meyer Burger (Germany) GmbH, Hohenstein-Ernstthal

These: With the right energy, anything is possible.

Mandy Schipke - Geschäftsführerin, NOVUM engineering GmbH, Dresden

These: Miteinander statt gegeneinander - Für die aktuellen Herausforderungen gibt es nicht die eine Lösung. Wir können sie nur gemeinsam bewältigen. „Survival of the Fittest“ war gestern. Heute kommt es darauf an, möglichst gut in Netzwerke eingebunden zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen, wenn es darauf ankommt.

Karen Deprie - Koordinatorin Wissens- und Technologietransfer, DBFZ - deutsches Biomasseforschungszentrum gGmbH, Leipzig

These: Der Faktor Energie im Rahmen der Kreislaufwirtschaft bedeutet vor allem intelligente Vernetzung und Steuerung. So wird aus „Unsere Energie wird immer teurer!“: „Wir haben einen immer größeren Wettbewerbsvorteil, weil wir im Bereich Energie innovativ sind!“

Dr. -Ing. Mihails Kusnezoff - Abteilungsleiter Werkstoffe und Komponenten, Leiter Geschäftsfeld Energie, Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS, Dresden

These: Nur der Wandel von grünen Elektronen zu grünen Molekülen schafft die Energiewende.

Dr. Konstantin Pötschke - Referatsleiter Energie- und Klimaschutztechnologien, Sächsisches Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft

These: Innovative Energietechnologien besitzen ein hohes Potential für das Gelingen der Energiewende und für Wertschöpfung für den sächsischen Mittelstand.“

Themenwerkstatt „Verpackung“

Heinz Schnettler - Geschäftsführer, Pla.to GmbH, Görlitz

These: Design for Recycling ist eine probate Möglichkeit, die Menge an Verpackungskunstoffen zu reduzieren, ebenso wie die Entwicklung neuer Technologien zur Verwertung und zum Recycling.

Dr. Volker Reichert – Geschäftsführer, A&E Applikation und Entwicklung Produktionstechnik GmbH, Dresden

These: Mit dem Sandwich-Verfahren ist es möglich, bis zu 60% Altkunststoffe in allseitig von neuen Kunststoffen (virgin materials) umschlossenen Formteilen wieder zu verwerten und damit den CO2-Fußabdruck der Formteile (Verpackungsteile) spürbar zu senken.

Prof. Dr. Marek Hauptmann - Abteilungsleiter Verpackungs- und Verarbeitungstechnologien, Fraunhofer IVV – Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung, Dresden

These: Resiliente (Verpackungs-) Kreisläufe sind an ihrem spezifischen Anwendungsprofil und regionalen Bedingungen ausgerichtet – nicht zentralisiert.

Lydia Tempel - Geschäftsbereichsleiterin Smart & Circular Solutions, Papiertechnische Stiftung (PTS), Heidenau

These: 100% Recycling ist nicht möglich – auch eine Kreislaufwirtschaft von Verpackungen braucht Quellen und Senken. Ziel ist die Maximierung von Kaskaden-Nutzungs-Zyklen.

Dr. Uwe Lienig – Abteilungsleiter Strategie, Branchen, Marketing, Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH, Dresden

These: Kreislaufwirtschaft heißt, Dinge möglichst im gleichen Kreislauf zu nutzen.

Themenwerkstatt „Werkstoff“

Dr. Stephan Meschke – Transferkoordinator, TU Bergakademie Freiberg

These: Als die Wirtschaft boomte wollten sich deutsche Unternehmen regionale Werkstoffe nicht leisten – seit der Energiekrise können sie es nicht mehr!

Alexander Knorr - Wissenschaftlicher R&D Koordinator, Elbe Flugzeugwerke GmbH, Dresden

These: Skalierungsfaktoren für Kreislaufprozesse als Rohstoffquelle sind nachhaltige und langfristig tragfähige Geschäftsmodelle.

Bernd Wacker – Geschäftsführer, eco-softfibre GmbH & Co. KG, Görlitz

These: Startups mit kreislaufwirtschaftlichen Produkten haben es (grundsätzlich) schwer in den Markt zu kommen!

Prof. Jens Weber - Projektkoordinator LaNDER³, Hochschule Zittau Görlitz, Zittau

These: Neue Werkstoffe ersetzen zu selten alte Werkstoffe - sondern kommen zusätzlich ins Spiel.

Susanne Kroll - Gruppenleiterin Hochleistungsverbunde und Kreislaufwirtschaft, Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU, Chemnitz

These: Wer sich nicht kurz- bzw. mittelfristig um den Einsatz von Sekundärmaterialien kümmert, der gefährdet seine Existenz!

Zusammenfassung der Ergebnisse

Nach den beiden Themenwerkstätten führte Marina Heimann durch die zusammenfassende Gesprächsrunde. Die wichtigsten Erkenntnisse und Entwicklungen, welche innerhalb der Themenwerkstätten diskutiert wurden, resümierte sie mit den Moderator/-innen der Panels. Gemeinsam mit Frank Großmann, Geschäftsstellenleiter Görlitz der Industrie- und Handelskammer, Manuela Gogsch, Geschäftsführerin für Industrie und Außenwirtschaft der Industrie- und Handelskammer Dresden und Dr. Stephan Meschke, Transferkoordinator der TU Bergakademie Freiberg.

"Wir brauchen eine Kompetenzdatenbank, um einen Überblick zu haben, wer in der Wissenschaft an was arbeitet. Also eine unabhängige Plattform für alle Institute und Wissenschaftseinrichtungen." 

Dr. Stephan Meschke, Transferkoordinatior TU Freiberg

Bühne frei für Innovation made in Saxony – Wettbewerbsauftakt zum Sächsischen Innovationspreis 2023

Zum Abschluss der Veranstaltung und vor dem Get-together gab Marina Heimann den Wettbewerbsauftakt für den Sächsischen Staatspreis für Innovation 2023 bekannt. Bereits zum 22. Mal würdigt der Freistaat Sachsen mit dem Sächsischen Innovationspreis Unternehmen, die neuartige Produkte, Dienstleistungen, Prozesse, Verfahren oder Geschäftsmodelle in den Markt gebracht haben. Mit Achim Kockler, Geschäftsführer der INNOPERFORM GmbH aus Malschwitz, kam der Sächsische Innovationspreisträger aus dem Jahr 2019 auf die Bühne und gab Einblicke, welche positiven Einflüsse der Gewinn des Preises für das Unternehmen hatte und noch immer hat. Er motivierte dadurch die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer zu einer Teilnahme an dem Wettbewerb.

Als Vertreter der Handwerkskammern war auch Martin Zschiek aus dem Bereich Innovation & Technologie der Handwerkskammer Dresden auf der Bühne. Die Handwerkskammern stiften im Rahmen des Sächsischen Innovationspreises den Sonderpreis des Handwerks.

Abrundung fand die Veranstaltung beim gemeinsamen Get-together. Bei gutem Essen war ausreichend Zeit, um neue Kontakte zu knüpfen und Kooperationspartner aus anderen Bereichen zu finden. Welche Synergien und Projekte sich aus den Gesprächen entwickeln werden? Man darf gespannt sein!

Sächsischer Innova­ti­ons­preis 2023

Innovationen sichern Zukunft!

Ihr Ansprechpartner bei futureSAX

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Roman Schwarz

Projektmanager Unternehmen

Innovationsmanagement & Mentoring

Dem Unternehmertum ist Roman Schwarz schon frühzeitig durch den familiären Handwerksbetrieb begegnet. Nach einer Ausbildung im traditionellen Handwerk, studierte er Wirtschaftsingenieurwesen an der HTW Dresden mit Schwerpunkt Gründung und Führung mittelständischer Unternehmen. Beruflich lag der inhaltliche Schwerpunkt danach in der Gründungsunterstützung und dem Coaching als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei dresden exists, sowie anschließend bei einer Dresdner Unternehmensberatung, bis es zur eigenen Unternehmensgründung kam. Als Mitgründer eines marinen Aquakulturunternehmens sind ihm die vielseitigen Herausforderungen als Unternehmer, in einer wissensbasierten und innovationsfreudigen Branche, bestens bekannt und wie hilfreich hierbei der branchenübergreifende Impuls sowie das gelebte Netzwerk ist.  Wenn es die Zeit zulässt, engagiert er sich als Gründungsmitglied des lassesunstun e.V. für die Sichtbarkeit gemeinwohlorientierter Projekte in Dresden oder widmet sich innerhalb einer ehrenamtlich organsierten monatlichen Funksession dem Schlagzeugspiel. 

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