futureSAX-Interview mit Alireza Rismanchian

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„Das wichtigste Kapital unseres Projektes ist das Gründerteam.“

futureSAX-Interview mit Alireza Rismanchian, Bahnhof Leisnig Verwaltungs GbR
 

 

Ist es verrückt, einen Bahnhof zu kaufen? Diese Frage stellten sich die Gründer der Bahnhof Leisnig Verwaltungs GbR. Die Idee, einen Ort zu schaffen, an dem Musiker aus aller Welt zueinanderfinden, entwickelte sich schnell und gemeinsam schufen sie eine Anlaufstelle für Kultur, Austausch und Begegnung. Wie es dazu gekommen ist und welche Visionen für den Bahnhof bestehen, das beantwortet Alireza Rismanchian von der Bahnhof Leisnig Verwaltungs GbR im futureSAX-Interview.

futureSAX: Lieber Herr Rismanchian, erzählen Sie bitte kurz, wer Sie sind und wie es dazu kam, dass Sie einen alten Bahnhof in einer sächsischen Kleinstadt gekauft haben?

Alireza Rismanchian: Kennengelernt haben wir uns mit den anderen 3 durch die Musik, durch das internationale “Ethno” Musiknetzwerk und das “Folklang” Orchester. Beim gemeinsamen Musizieren entstand nach und nach der Wunsch, einen Ort zu schaffen, an dem man immer auf Musiker aus aller Welt trifft und wo man zu jeder Stunde ungestört musizieren kann. Ein Ort von Musiker für Musiker. 
Anfang 2020 fingen wir an, nach einem geeigneten Ort zu suchen: unter alten Bauernhöfen, Hotels und Herrenhäusern befand sich auch der brachliegende Leisniger Bahnhof, den wir Mitte Februar gleich besichtigten. Es war Liebe auf den ersten Blick. Nach langem Überlegen – “Ist es verrückt, einen Bahnhof kaufen zu wollen?” – taten wir es doch: Mitte Juli kauften wir ihn. Eine Woche später luden wir Freunde und Familie ein, uns mit dem Putzen und Entrümpeln zu helfen. Dazu wurde reichlich musiziert. Der Höhepunkt war der Tag der offenen Tür, der mit fast 500 Besuchern ein großer Erfolg war. 
 

futureSAX: Wir freuen uns, dass Sie uns am 12. Mai zum Gründerbrunch im Kulturbahnhof Leisnig begrüßen. Mit ihrem Projekt bauen Sie eine Brücke zwischen Kultur- und Kreativwirtschaft. Welche Aktivitäten finden im Kulturbahnhof statt, wenn gerade kein Erfahrungsaustausch von Gründerinnen und Gründern erfolgt?

Alireza Rismanchian: Am 30.4. haben wir mit Musik und einer Holzwerkstatt die Eröffnung unseres Biergartens gefeiert. Im Mai und Juni findet unser Musiksommer statt. Am 23. Und 24.7. laden wir an zwei bunten Tagen zum zweiten Mal zu unserem Regiomarkt „Markt der kÖstlichkeiten“, mit Musikern, Künstlern und Essensanbietern aus der Region ein. Bis Oktober gibt es darüber hinaus jede Menge Konzerte und Theaterveranstaltungen. Parallel dazu wird der Bahnhof ständig weiter saniert.

„Das Projekt ist bekannt für seine Offenheit, seinen Respekt und seine Toleranz, es verkörpert eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen lokal bestehenden Gemeinschaften und einem internationalen Kultur-Netzwerk.”

Alireza Rismanchian, Bahnhof Leisnig Verwaltungs GbR

futureSAX: Aktuell befindet sich der Bahnhof in der Renovierung. Beschreiben Sie uns kurz, welche Vision Sie von Ihrem Projekt vor Augen haben?

Alireza Rismanchian: Unsere Vision, die wir aktuell Schritt für Schritt realisieren ist folgende: Der Bahnhof Leisnig ist ein pulsierender Ort für Kultur, Austausch und Begegnung. Es gibt enge Kooperationen mit der Stadt Leisnig, mit den Unternehmen in der Region und auch mit dem überregionalen Kulturnetzwerk und dem internationalen Ethno-Netzwerk. Das Projekt genießt Anerkennung für seine qualitativ hochwertigen Kulturveranstaltungen, Konzerte, Musik- und Tanzworkshops und zieht bekannte Dozenten aus ganz Europa an. Außerdem schafft das Kulturzentrum einen Raum für lokale Kulturinitiativen, Jugendtreffs und Kulturschaffende in der Region. Neben dem Kulturbetrieb gibt es ein Café mit Co-Working Space, einen Biergarten und Räume zur Vermietung und für den Tourismus. Das Projekt ist bekannt für seine Offenheit, seinen Respekt und seine Toleranz, es verkörpert eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen lokal bestehenden Gemeinschaften und einem internationalen Kultur-Netzwerk und soll ein Beispiel dafür sein, wie Kulturinitiativen lokale Gegebenheiten auf positive Weise formen, beeinflussen und verändern können und durch gegenseitiges Geben und Nehmen ein positiver Synergieeffekt für die Stadt entsteht.
 

futureSAX: Die Renovierung und der Betrieb des Bahnhofs sind sicherlich kostenintensiv. Skizzieren Sie kurz ihr Geschäftsmodell und eventuelle finanzielle Herausforderungen.

Alireza Rismanchian: Die Finanzierung der Sanierung soll durch 3 Bausteine erfolgen. Der erste Baustein besteht aus verschiedenen Förderungen die ca. 30% der Kosten abdecken sollten. Dazu kommt ca. 30% Eigenleistungen durch das Gründerteam und sein Netzwerk von Helfern und Unterstützern, sowohl aus Leisnig als auch überregional. Der Rest der Sanierungskosten soll durch Fremdfinanzierung erfolgen. Hauptsächlich durch Bankdarlehen die evtl. durch Einnahmen aus dem Bereich Gastronomie, Vermietung und Tourismus zu-rückbezahlt werden soll. Grundsätzlich verfolgt der Kulturbahnhof Leisnig nicht das Ziel einer Gewinnmaximierung und damit einer stetig steigenden Skalie-rung, sondern die Schaffung eines kulturellen Angebotes, dass selbstverständ-lich kostendeckend wirtschaften muss.
 

Der nächste futureSAX-Gründerbrunch

12.05.2022 | 10:00 - 13:30 Uhr | Landkreis Mittelsachsen

futureSAX-Gründerbrunch zum Thema Social Entrepreneurship und Kultur- und Kreativwirtschaft

futureSAX: Sie arbeiten gemeinsam im Team an dieser Vision. Können Sie darstellen wie sich ihr Team ergänzt und warum die Teamarbeit wichtig ist?

Alireza Rismanchian: Das wichtigste Kapital unseres Projektes ist das Gründerteam. Das Gründerteam ist international, jung und dynamisch mit einem großen internationalen Netzwerk hinter sich. Die vier Gründer besitzen diverse menschliche und professionelle Kompetenzen, die sich ergänzen und die verschiedenen Bereiche des Projektes abdecken. Dem Team ist seine Schlüsselrolle und seine Wichtigkeit für das Projekt bewusst und investiert permanent in seine Weiterentwicklung als Team und als einzelne Personen.

futureSAX: Mit Ihrem Projekt bewältigen Sie ständig neue Herausforderungen. Welche Empfehlungen können Sie speziell auch an die jungen angehenden Gründenden weitergeben?

Alireza Rismanchian: Ich würde jedem Gründer empfehlen als allererstes die richtigen Menschen als Mitgründer zu finden und dann so viel Zeit und Energie wie möglich in das Team und jeden einzelnen Gründer zu investieren, um Ihre Vision und dem Sinn, den sie in dem Projekt suchen zu definieren. Eine gute und gesunde Teamdynamik kann viele Herausförderungen bewältigen.

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futureSAX: Sie haben sich im Call 5 erfolgreich auf den InnoStartBonus beworben. Aktuell können sich Gründende bei futureSAX auf den Call 7 bewerben und im zweiten Halbjahr 2022 wird es einen Sonderaufruf speziell für die Kultur-Kreativwirtschaft geben. Was können Sie Gründenden empfehlen, wenn sie sich auf den InnoStartBonus bewerben?

Alireza Rismanchian: Genug Zeit investieren, um die Kernidee und die Essenz des Projektes rauszufinden und klar kommunizieren damit aus der Bewerbung und evtl. dem Pitch verstanden werden kann, welche persönliche Werte, Ziele und Ideale hinter dieser Gründung stehen.

Ihr Ansprechpartner bei futureSAX

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Heinz Truckenbrodt

Projektmanager Gründen

Gründungsphase & InnoStartBonus

Nach mehrjähriger Tätigkeit als internationaler Produktmanager eines globalen Automobilkonzerns absolvierte Heinz Truckenbrodt ein Masterstudium im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität Dresden und der Mid Sweden University mit den Themenschwerpunkten Corporate Development & Innovation sowie Leichtbau. Während dieser Zeit arbeitet er als Gründungsberater bei dresden|exists und machte sich als solcher im Bereich Business Development für Start-ups selbstständig. Seine Affinität zu digitalen Technologien und Geschäftsmodellinnovationen resultierten in einer Abschlussarbeit über die Digitale Transformation der Automobilindustrie. Darüber hinaus engagiert er sich seit mehreren Jahren ehrenamtlich in zwei Vereinen zur Kulturförderung.

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