futureSAX-Interview mit Friedrich Armin Bethke

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„Viele junge Menschen sind neugierig, vielseitig interessiert und engagiert.“

Friedrich Armin Bethke, Projektleiter mit Schwerpunkt Schülerfirmen bei der Landesarbeitsstelle Schule-Jugendhilfe Sachsen e.V.

 

Auf was für Kompetenzen kommt es eigentlich an, wenn man gründen will? Damit kennt sich Friedrich Armin Bethke sehr gut aus. Als Ansprechpartner der Servicestelle Schülerfirmen beim LSJ Sachsen e.V. ist er in Kontakt mit 120 Schülerfirmen aus dem Freistaat Sachsen und unterstützt dort in allen Fragen eines Firmenalltags. Am 30. Oktober trägt er als Referent bei der futureSAX-Innovationschool speziell im Bereich Gründung einer Schülerfirma bei. Im Vorab-Interview spricht er über die Schülerfirmenlandschaft Sachsens.

futureSAX: Herr Bethke, stellen Sie sich und die Servicestelle Schülerfirmen bitte kurz vor!

Mein Name ist Friedrich Armin Bethke. Ich bin studierter Politikwissenschaftler und Soziologe mit langjährigen Erfahrungen in der Bildungsarbeit sowie im Projektmanagement und seit einigen Monaten bei der LSJ Sachsen für das Thema Schülerfirmen zuständig. Die LSJ Sachsen fungiert im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus als Servicestelle Schülerfirmen und damit als zentrale Anlaufstelle für dieses wichtige Thema in Sachsen.

Als Servicestelle begleiten wir Schülerfirmen auf dem Weg zu ihrer Gründung und beraten zu allen Fragen des Firmenalltags. Wir organisieren Erfahrungsaustausch zwischen den Schülerfirmen und unterstützen die Vernetzung untereinander, z. B. durch eine landesweite Schülerfirmen-Datenbank sowie durch Workshops und Messen. Auf unserer Webseite bieten wir erfolgreichen Schülerfirmen auch die Möglichkeit, sich vorzustellen und eigene Beiträge bereitzustellen. Wir möchten dazu beitragen, dass Unternehmergeist in vielen Schulen Einzug hält. Um das einprägsam zu symbolisieren, haben wir Steady, den Unternehmergeist, als Logo der Servicestelle Schülerfirmen entwickelt.

futureSAX: Was zeichnet eine Schülerfirma aus? Wie erfolgt die Gründung einer Schülerfirma und worin unterscheidet sie sich von einem „echten“ Unternehmen? 

Eine Schülerfirma ist eine hervorragende Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, Praxiserfahrungen fast wie im echten Wirtschaftsleben zu sammeln. Die Lerneffekte sind groß und die Risiken gering, weil die Schule als pädagogischer und rechtlicher Schutzraum fungiert. Die Arbeit in einer Schülerfirma fördert unternehmerisches Denken, Verantwortungsübernahme und Teamfähigkeit. Zudem ermöglicht sie den Schülern, Selbstwirksamkeit zu erfahren. Somit kann eine Schülerfirma ein guter Trainingsort für den Einstieg in das spätere Berufsleben sein.

Schülerfirmen unterscheiden sie sich von „echten“ Unternehmen auch in ihrer finanziellen und inhaltlichen Dimension. In der Regel arbeiten Schülerfirmen innerhalb und für ihre Schule bzw. Schülerschaft. Sie müssen sich an die so genannte Kleinunternehmerregelung mit den darin festgeschrieben Umsatzhöchstgrenzen halten. Damit die Arbeit aber so realistisch wie möglich ist, empfehlen den Schülern, sich an echten Rechtsformen wie GmbH oder Genossenschaft zu orientieren und ihre Strukturen entsprechend zu organisieren.

futureSAX: Seit Anfang des Jahres 2020 wird der Bereich NextGen als eigenständige Säule bei futureSAX mit dem Ziel gestärkt, Jugendliche intensiver für das Thema unternehmerisches Denken und Handeln zu begeistern. Dazu werden erfolgreiche Gründungen sichtbar gemacht bzw. Gründungswillige zusammen mit unseren Partnern auf ihrem Weg begleitet und vernetzt. Warum sollten junge Menschen schon frühzeitig mit Unternehmertum in Berührung kommen?

Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit Unternehmertum leistet einen wichtigen Beitrag zur ökonomischen Bildung und beruflichen Orientierung junger Menschen. Darüber hinaus sind viele junge Menschen neugierig, vielseitig interessiert und engagiert, was ein riesiges Innovationspotential birgt, das es im Hinblick auf die aktuellen gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen zu entwickeln gilt. Zudem kann Unternehmergeist helfen, sich direkt und unmittelbar an Gestaltungsprozessen im Umfeld, z. B. innerhalb der Kommune, zu beteiligen.

Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit Unternehmertum leistet einen wichtigen Beitrag zur ökonomischen Bildung und Beruflichen Orientierung junger Menschen.

Friedrich Armin Bethke, Projektleiter Schülerfirmen beim LSJ Sachsen

futureSAX: Welchen Mehrwert nehmen Jugendliche mit, wenn sie sich bereits im frühen Alter in einer Schülerfirma engagieren? Darf jeder in einer Schülerfirma mitmachen?

Die Mitarbeit in einer Schülerfirma fordert und fördert insbesondere die sogenannten Schlüsselkompetenzen wie Verantwortungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Durchhalte-vermögen und Teamfähigkeit. Junge Menschen können in einer Gemeinschaft eigene Ideen entwickeln und umsetzen. Dabei lernen sie ihre Stärken kennen und können ihre Potenziale entwickeln, was sich im privaten, schulischen und später beruflichen Alltag sicher auszahlen wird.

Grundsätzlich kann jeder Schüler in einer Schülerfirma mitarbeiten. Die konkreten Bedingungen regelt jedoch jede Schülerfirma für sich, z. B. ab welcher Klassenstufe eine Mitarbeit möglich ist oder ob eine Bewerbung zu erfolgen hat. 

futureSAX: Auf unserer großen futureSAX-Innovationskonferenz am 30. November 2020 sollen die innovativen Ideen der NextGen sichtbar werden. Geplant ist, dass sich auch Schülerfirmen präsentieren. Wie viele Schülerfirmen gibt es aktuell in Sachsen und gibt es regionale Hotspots? Welche Geschäftsideen finden sich bei Schülerfirmen ggfs. häufiger wieder?

Die Schülerfirmenlandschaft in Sachsen ist sehr dynamisch, aber es gibt auch einige Schülerfirmen, die schon seit vielen Jahren aktiv und erfolgreich sind. In unserer Datenbank sind aktuell 120 sächsische Schülerfirmen erfasst. Dabei verteilen sich die Schülerfirmen gut im Freistaat Sachsen, wobei die Regionen um Chemnitz, Dresden und Leipzig zahlenmäßig vorn liegen. Jede Schülerfirma kann auf unsere Website schauen und sich in die Datenbank aufnehmen lassen, falls sie noch nicht gelistet ist. Zudem recherchieren wir in unserer täglichen Arbeit neu gegründete oder noch nicht gelisteter Schülerfirmen und gehen von steigenden Schülerfirmenzahlen aus.

Die Geschäftsideen der Schülerfirmen sind vielfältig. Neben der Pausenversorgung sind handwerkliche Produkte und Dienstleistungen im Bereich Computer und Technik sehr beliebte Angebote von Schülerfirmen.

futureSAX-InnovationSchool online

30. Oktober 2020

Gründungsinteressierte Jugendliche aufgepasst: Ein Tag voller Workshops, Impulse und Vernetzung, um aus Ideen ein Business zu machen. Jetzt anmelden!

futureSAX: Eine letzte Frage. Mit dem Format NextGenPower-Konkret ermöglicht futureSAX den Jugendlichen, ihre Power und Erfahrungen untereinander zu teilen und sich auszutauschen. Zudem erhalten Sie Einblicke in den unternehmerischen Alltag und profitieren von den Erfahrungen etablierter Unternehmerinnen & Unternehmern. Warum ist es wichtig, sich frühestmöglich ein eigenes Netzwerk aufzubauen und den Erfahrungsaustausch zu pflegen?

Junge Menschen, die sich frühzeitig innerhalb eines Themen- bzw. Interessengebietes vernetzen, gewinnen verschiedene Perspektiven und können sich so ein umfassenderes Bild machen. Sie haben die Möglichkeit, von anderen zu lernen und auf kurzem Wege Informationen und Kontakte zu erhalten, die für die eigene Qualifikation und Professionalisierung hilfreich sind. Außerdem können sie ihre Ideen und Lösungsansätze in einem qualifizierten Umfeld diskutieren und das Feedback für die Weiterentwicklung ihres Projekts oder Themas zu nutzen. Wir bringen wir das Thema Schülerfirmen deshalb z. B. in die Arbeitskreise SCHULEWIRTSCHAFT in Sachsen. So lernen Unternehmer vor Ort Schülerfirmen und Schüler kennen und können z. B. über Mentorenschaft und Praktikumsangebote miteinander kooperieren. 

Ihre Ansprechpartnerin bei futureSAX

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Denise Beyer

Projektmanagerin NextGen

Bereits während ihres Studiums der Volkswirtschaft entdeckte die gelernte Bankkaufrau ihre Begeisterung für Innovation, Unternehmertum und Venture Capital. Ihre Affinität zu diesen Themen resultierte in ihrer Abschlussarbeit über Entscheidungskriterien bei VC Finanzierungen und führte zu weiteren Tätigkeiten bei einem Venture Capitalist und einem Ausgründungsprojekt. Anschließend war sie zehn Jahre als Gründungsberaterin an einer sächsischen Hochschule tätig, begleitet zahlreiche (Aus)Gründungsvorhaben und baute den hochschuleigenen Inkubator auf.

Ihre Leidenschaft gilt der nächsten Generation (NextGen) und der Aufgabe, diese für Entrepreneurship und Unternehmertum zu begeistern, sie zu befähigen unternehmerische Gelegenheiten zu erkennen und sie auf ihrem Weg zur Gründerpersönlichkeit zu begleiten. Hierfür sammelte sie vielseitige Erfahrungen als Expertin in verschiedenen Feriencamps.

Privat gilt ihr Interesse der italienischen Lebenskultur und der Stärkung des Schulsystems hin zu neuen Lehr- und Lernmethoden für die Schule von heute bzw. morgen.

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