futureSAX-Interview mit Jana Mundus

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„Gute PR heißt, Strukturen zu schaffen, Netzwerke aufzubauen.“

 

Im futureSAX-Interview gibt Jana Mundus, freie Journalistin und Medienberaterin für Start-ups und KMUs Einblicke in die Relevanz von Netzwerk-Arbeit für gute PR.

Erfolg am Markt hängt immer mit der Bekanntheit der Marke zusammen. Dabei lohnt es sich, frühzeitig anzufangen und von sich und dem Produkt oder der Dienstleistung zu reden. Start-ups liegt das oft im Blut. Was diese aber trotzdem oft verkennen, verrät Jana Mundus im futureSAX-Interview.

futureSAX: Sie sind freie Journalistin und Medienberaterin für Start-ups und den Mittelstand. Welchen Stellenwert besitzt Ihrer Beobachtung nach die Öffentlichkeitsarbeit bei diesen Zielgruppen?

Mundus: Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt in beiden Gruppen Firmen, die viel Energie und gute Ideen in die PR stecken. Für sie gehört es einfach dazu, von dem, was sie tun, in der Öffentlichkeit zu erzählen. Sie bauen sich ein Image auf, machen sich und ihre Marke bekannt. Andere wiederum beschäftigen sich gar nicht mit dem Thema. Dazu gehören manche Start-ups, aber auch etablierte Traditions- oder Familienunternehmen. In solchen Fällen ist die Angst meist groß, dass sich die Konkurrenz etwas abschauen könnte. Also erzählt man lieber nichts. Das ist allerdings eine schlechte Option, denn gute Kommunikation ist ein Wettbewerbsvorteil.

futureSAX: Warum ist es für Gründende und innovative junge Unternehmen wichtig, bereits frühzeitig eine proaktive Medienarbeit zu betreiben?

Mundus: Ich stelle die Frage anders: Gibt es Gründe, die Medienarbeit nicht von Anfang an mit im Blick zu haben? Wenn ich mit Gründer:innen spreche, kommt ganz häufig der Satz: „Wir hatten noch keine Zeit für PR, weil wir uns erst einmal um unser Produkt und die Finanzierung kümmern mussten.“ Das ist natürlich richtig. Aber wer erst an dem Punkt mit Öffentlichkeitsarbeit anfängt, an dem er etwas verkaufen will, ist leider spät dran. Gute PR heißt, Strukturen zu schaffen, Netzwerke aufzubauen. Letzteres bezieht sich dabei nicht nur auf Social Media, wo Start-ups in vielen Fällen sehr gut aufgestellt sind. Viele verkennen das Potenzial traditioneller Medien und deren Reichweiten. Ich muss eben auch den Fachjournalisten oder die Fernsehredakteurin erreichen, die über mein Unternehmen berichten. Gerade für Start-ups ist das auch in einer frühen Phase gut machbar, weil sie eine interessante Geschichte über sich und ihre Idee erzählen können. Das sollten sie auf möglichst vielen Kanälen für sich nutzen.

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futureSAX: Wir freuen uns, dass Sie Ihren Erfahrungsschatz in Ihrem interaktiven Impuls beim futureSAX-Gründerforum am 4. Mai teilen werden. Vorab interessiert uns schon jetzt: Welche Kernelemente umfasst eine erfolgreiche Medienarbeit für innovative Gründungen?

Mundus: Im Team muss zeitig besprochen werden, wie die PR organisiert wird. Macht man das selbst oder holt man sich extern Hilfe? Wenn das geklärt ist, sollte der Pressebereich auf der Homepage aufgebaut werden. Mit umfassenden Informationen zum Unternehmen und professionellem Fotomaterial in Druckqualität. Wichtig ist es, seine Zielmedien zu kennen: Welche Online- und Printformate passen und können mit welchen Themen bespielt werden? Was gibt es für Fernsehsendungen, die relevant wären? Dann gilt es Ansprechpartner:innen zu recherchieren und einen PR-Verteiler aufzubauen. Pressemitteilungen sind wichtig, aber diese bitte nur dosiert einsetzen, wenn beispielsweise Finanzierungsrunden oder der Launch eines neuen Produkts zu vermelden sind. Viele Medien wollen Themen heute lieber exklusiv angeboten bekommen und scheuen sich davor, Pressemeldungen aufzugreifen, die im Gießkannenprinzip verteilt wurden.

futureSAX: Welche klassischen Stolpersteine gibt es, die es aus Sicht der Gründenden gegenüber den Medienvertreterinnen und -vertretern zu vermeiden gilt?

Mundus: Der erste Stolperstein lauert schon beim Erstkontakt, der meist telefonisch erfolgt. Wer da seine Gründungs- beziehungsweise Produktidee nicht allgemeinverständlich und prägnant rüberbringen kann, hat das Interesse der Journalist:innen schnell verloren. Auf Interviewtermine mit Medienvertreter:innen sollten sich Start-ups gut vorbereiten. Dazu gehört es auch, Bildmotive für Fotos oder Kameraaufnahmen zu planen. Am Ende gibt es eigentlich nur einen Satz, mit dem man sich so richtig unbeliebt machen kann: „Können wir den Text gegenlesen?“ In Deutschland gilt glücklicherweise die Pressefreiheit, die uns vor Zensur schützt. Ich kann verstehen, wenn Start-ups Angst haben, der Beitrag könnte nicht so klingen wie erhofft. Um Fehler und Missverständnissen vorzubeugen, sollte das Hauptaugenmerk deshalb schon beim Gespräch darauf liegen, alles gut und verständlich zu erklären.   

Gute Kommunikation ist ein Wettbewerbsvorteil. Gute PR heißt, Strukturen zu schaffen, Netzwerke aufzubauen. Wichtig ist es, seine Zielmedien zu kennen.

Jana Mundus, freie Journalistin und Medienberaterin für Start-ups und Mittelständler

futureSAX: Sie arbeiten häufig auch mit verschiedenen Mitgliedern des Sächsischen Start-up-Partner-Netzwerkes zusammen. – Wo finden Start-ups Unterstützungsmöglichkeiten, wenn sie Fragen rund die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit ihres jungen Unternehmens haben?

Mundus: Ich beobachte, dass sich da im Moment sehr viel tut. Natürlich liegt bei den Gründungsinitiativen der Schwerpunkt in der Beratung vor allem auf den klassischen Start-up-Themen wie Geschäftsmodell, Finanzierung, Vertrieb oder auch Marketing. Immer mehr rückt jetzt aber auch die Öffentlichkeitsarbeit in den Fokus, was ich sehr wichtig finde. Meiner Meinung nach sollte das ein fester Bestandteil in der Begleitung von Start-ups sein. Für die Gründungsinitiative- das Gründernetzwerk SAXEED darf ich im kommenden Herbst im Rahmen der SAXEED-Masterclass Workshops für Start-ups zu diesem Thema geben. Ich freue mich darauf, schon weil das immer eine gute Gelegenheit ist, innovative Ideen kennenzulernen und mit Gründer:innen ins Gespräch zu kommen.

futureSAX: Welchen Top-Tipp können Sie innovativen Gründerinnen und Gründer mit auf den Weg geben?

Mundus: Erzählen Sie Ihre Geschichte und fangen Sie am besten gleich damit an.

futureSAX: Vielen Dank für die spannenden Einblicke!

Ihr Ansprechpartner bei futureSAX

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Alexander Seedorff

Projektmanager Gründen

Start-ups & Skalierung

Aktiv mitgestalten und Neues schaffen, anstatt anderen dabei zuzusehen – dieses Credo prägt das Leben von Alexander Seedorff. Bereits während seines Studiums der Politik- und Kommunikationswissenschaften an der Technischen Universität Dresden engagierte er sich ehrenamtlich beim Aufbau von professionellen Strukturen beim Basketball-Drittligist Dresden Titans. Durch seine beruflichen Stationen in der Erziehungswissenschaft und im Sächsischen Landtag fokussierte er die zukunftsorientierten Themen Hochschule, Wissenschaft und Bildung sowie Kultur und Medien. Mit Herz und Hand sammelt er persönliche Erfahrungen als Social Entrepreneur bei der Gründung und Leitung eines Vereins zur Förderung der Fankultur.

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