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Klein aber Global Player in Sachen Leichtbau – die Technische Univer­sität Bergaka­demie Freiberg.

Unter­nehmen und Wissen­schaft haben auf dem futureSAX-Innova­ti­ons­forum 2018 zu den branchen­über­grei­fenden Anwen­dungs­po­ten­zialen von Leichtbau disku­tiert. Dabei zeigte sich das breite und exzel­lente Spektrum der anwen­dungs­ori­en­tierten Forschung- und Entwick­lungs­arbeit in Sachsen. Diese Kompe­tenzen zu bündeln und somit den Leichtbau-Standort Sachsen national und inter­na­tional zu stärken ist das vorrangige Ziel des Leichtbau-Allianz Sachsen e.V.. Die Technische Univer­sität Bergaka­demie Freiberg (TUBAF) koordi­niert den Verein. Prof Rudolf Kawalla, Prorektor für Forschung an der TUBAF spricht mit uns im Interview über diese Aufgabe und die Rolle der Univer­sität im Leichtbau.

futureSAX: Herr Prof. Dr.-Ing. Kawalla, die Technischen Universität Bergakademie Freiberg (TUBAF) hat ihr Forschungsprofil neben den traditionellen Montanwissenschaften stark erweitert. Bitte beschreiben Sie in wenigen Worten die Kernkompetenzen und Forschungsschwerpunkte der TUBAF.

Die TU Bergaka­demie Freiberg versteht sich als zukunfts­ori­en­tierte Ressour­cenu­ni­ver­sität mit den Profil­schwer­punkten Geo, Material, Energie und Umwelt. Im Vorder­grund von Forschung und Lehre an unserer Univer­sität stehen die Entwicklung einer nachhal­tigen Rohstoff- und Energie­wirt­schaft sowie der Kreis­l­auf­wirt­schaft für Materialien und Werkstoffe.

Leicht­bau­werk­stoffe und -anwen­dungen bilden insofern einen wichtigen Gegen­stand für uns, dass sie einen maßgeb­lichen Beitrag zur Material- und Energie­ef­fi­zienz leisten. Wichtig sind dazu jedoch auch eine möglichst effiziente und umwelt­scho­nende Erzeugung und Verar­beitung sowie Strategien für ein möglichst umfas­sendes Recycling der einge­setzten Roh- und Werkstoffe. Einen zentralen Schwer­punkt bilden bei uns tradi­tionell die metal­li­schen Leicht­bau­werk­stoffe, zu denen neben den Leicht­me­tallen, wie Aluminium-, Magnesium- und Titan­le­gie­rungen, auch die höchst­festen Stähle sowie innovative metall-keramische Werkstoff­ver­bunde zählen. Bei der Entwicklung von Werkstoff­tech­no­logien für diese Leicht­bau­ma­te­rialien zählen wir zu den weltweit führenden Forschungs­ein­rich­tungen.

futureSAX: Die TUBAF ist die kleinste sächsische Universität – gleichzeitig liegt sie bei der Einwerbung von Drittmittel pro Professor im ostdeutschen Vergleich auf dem ersten Platz. Welche Rolle spielt dabei die enge Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft an der TUBAF?

Die TU Bergaka­demie Freiberg pflegt tradi­tionell enge Verbin­dungen zur Wirtschaft. Darüber hinaus sind die Themen, an denen wir forschen von hoher gesell­schaft­licher Relevanz, die auch für Indus­trie­partner von großem Interesse sind. Unsere Wissen­schaftler sind deshalb sehr erfolg­reich bei der Einwerbung von Mitteln seitens der EU und des Bundes. Dazu kommt eine sehr starke Grund­la­gen­for­schung, was sich bspw. in zwei Sonder­for­schungs­be­reichen und einem Schwer­punkt­pro­gramm der Deutschen Forschungs­ge­mein­schaft (DFG) wider­spiegelt. Zugute kommt uns dabei die sehr enge fachüber­grei­fende Vernetzung innerhalb der Univer­sität, die es ermög­licht, komplexe Problem­stel­lungen inter­dis­zi­plinär und ganzheitlich zu bearbeiten.

„Die TU Bergakademie Freiberg versteht sich als

zukunftsorientierte Ressourcenuniversität mit den Profilschwerpunkten

Geo, Material, Energie und Umwelt.”

futureSAX: Der Transfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft gelingt an der TUBAF unter anderem durch universitäre Spin-offs wie Freiberg Instruments, PARFORCE oder die Gründung des FI Freiberg Institut für vernetzte Energieautarkie GmbH. Welche weiteren Potenziale für den Transfer sehen Sie an der TUBAF.

Neben erfolg­reichen Ausgrün­dungen gibt es auch einen sehr starken Wissens- und Techno­lo­gie­transfer in der Zusam­men­arbeit mit etablierten Unter­nehmen. Insbe­sondere in der Rohstoff- und Energie­wirt­schaft sowie der Werkstoff- und Grund­st­off­in­dustrie ist die TU Bergaka­demie Freiberg auch im weltweiten Maßstab exzellent vernetzt, so dass Ergeb­nisse aus der Forschung unmit­telbar zu Innova­tionen in der Praxis umgesetzt werden können.

Einen nicht zu unter­schät­zenden Beitrag leisten zudem unsere Absol­venten, die in der Wirtschaft einen exzel­lenten Ruf haben und die oft an einfluss­reichen Stellen in den Unter­nehmen zu finden sind. Neben einem Studium mit direktem Bezug zu aktuellen Forschungs­themen trägt auch die nach dem Studium fortdau­ernde enge Bindung zur Univer­sität dazu bei, den Transfer aus der Forschung in die Wirtschaft zu unter­stützen.

Neben den beschrie­benen bereits sehr erfolg­reich etablierten Trans­fer­maß­nahmen, die sich direkt aus beste­henden Kontakten mit der Wirtschaft ableiten, arbeiten wir gegen­wärtig daran, Struk­turen zu schaffen, über die wir poten­tielle Trans­fer­partner noch aktiver ansprechen möchten. Generell sehen wir noch viel Potential dafür, den Forschungs­transfer weiter zu stärken und den Umfang der diesbe­züg­lichen Angebote der Univer­sität zu erweitern.

futureSAX: Sachsen ist ein führender Standort bei der Entwicklung und Anwendung der Schlüsseltechnologie Leichtbau. Mit der Gründung des Leichtbau-Allianz Sachsen e.V., koordiniert an der TUBAF, werden seit 2017 die sächsischen Kompetenzen gebündelt. Bitte erläutern Sie die Ziele und Aufgaben der Leichtbau-Allianz Sachsen. Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie für den Standort Sachsen?

Haupt­aufgabe des Leichtbau-Allianz Sachsen e.V. ist die Förderung von Wissen­schaft und Forschung sowie des Wissens- und Techno­lo­gie­transfers auf dem Gebiet des Leichtbaus. Das Netzwerk­konzept ist ganzheitlich auf Leicht­bau­tech­no­logien (Konstruktion, Werkstoffe, Produk­ti­ons­technik) und alle Bereiche der zugehö­rigen Wertschöp­fungs­kette ausge­richtet.

Damit soll eine Infor­ma­ti­ons­plattform zum wissen­schaft­lichen Austausch über die Leicht­bau­branche und leicht­bau­re­le­vante Techno­logien geschaffen werden. Auch soll damit die Zusam­men­arbeit und Initi­ierung gemein­samer Maßnahmen und Strategien zur gemein­samen Entwicklung von Leicht­bau­tech­no­logien, -werkstoffen und -anwen­dungen gefördert werden, wobei sich die Mitglieder perspek­ti­visch auch hinsichtlich regio­naler, überre­gio­naler und inter­na­tio­naler Forschungs­pro­jekte beraten lassen können sowie selbst auch politische Entschei­dungs­träger beraten sollen. Zudem werden sich der Verein und die durch ihn vertretene Leicht­bau­branche künftig noch stärker regional und überre­gional präsen­tieren.

„Hauptaufgabe des Leichtbau-Allianz Sachsen e.V. ist

die Förderung von Wissenschaft und Forschung

sowie des Wissens- und Technologietransfers auf dem Gebiet des Leichtbaus.”

futureSAX: Welche Rolle spielt der Wissen- und Technologietransfer in der Leichtbau-Allianz Sachsen? Wie kann Ihrer Meinung nach der Transfer von der Forschung in die Anwendung noch besser unterstützt werden und welche ungenutzten Transferpotenziale sehen Sie in Sachsen?

Eine sehr große Rolle. Der Wissens- und Techno­lo­gie­transfer wird durch die gezielte Bündelung von Erfah­rungen und Know-how der in dem Verein zusam­men­ge­schlos­senen Hochschulen, Unter­nehmen und Forschungs­ein­rich­tungen der Leicht­bau­branche verwirk­licht. Die zeitnahe und effektive Überführung wissen­schaft­licher Entwick­lungen auf dem Gebiet des Leichtbaus in indus­trielle Anwen­dungen bietet ein großes Potenzial und liefert wichtige wirtschaft­liche und beschäf­ti­gungs­po­li­tische Impulse.

Bisher gab es eine partielle Vernetzung der sächsi­schen Leicht­bau­ak­teure, wodurch die vorhan­denen Poten­ziale ungenügend ausge­schöpft wurden. Insbe­sondere die im Bereich der Zulie­fer­in­dustrie zahlreichen KMU ohne eigene Forschung und Entwicklung können von der Leichtbau-Allianz Sachsen maßgeblich profi­tieren und erhalten Anschluss an die Ergeb­nisse inter­na­tional führender Spitzen­for­schung. Dadurch sollen die sächsi­schen Unter­nehmen auch im inter­na­tio­nalen Wettbewerb gestärkt werden. Zudem vernetzen wir uns über die sächsi­schen Kontakte hinaus mit zahlreichen inter­na­tio­nalen Partnern, woraus sich für die Leichtbau-Allianz Sachsen und die sächsische Wirtschaft viele positive Impulse ergeben.

futureSAX: Welche Rolle spielen Ihrer Ansicht nach branchenübergreifende Innovationsplattformen, wie futureSAX in diesem Zusammenhang?

futureSAX kann die Leichtbau-Allianz Sachsen durch seine sehr gute Vernetzung innerhalb Sachsens auch zwischen den Wissen­strans­ferak­teuren ideal beim Wissens- und Techno­lo­gie­transfer unter­stützen und damit auch die sächsische Forschung und Wissen­schaft maßgeblich weiter­bringen.

futureSAX: Vielen Dank für das Interview.

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