futureSAX-Interview mit Martin Jähnert Impact Hub Leipzig

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„Fang erstmal an und schau, was sich daraus entwickelt.“

futureSAX-Interview mit Martin Jähnert, Geschäftsführer vom Impact Hub Leipzig

Außergewöhnlich gute Geschäftsideen kommen selten über Nacht und sind oft das Ergebnis langer und intensiver Entwicklungsprozesse. Als Geschäftsführer vom Impact Hub Leipzig begleitet Martin Jähnert Gründungen oft vom Finden und Ausdefinieren einer Geschäftsidee bis zum Markteintritt und darüber hinaus. Im futureSAX-Interview spricht er über seinen Job als Übersetzer von „Jemand müsste mal“ zu „Du hast gemacht“.

futureSAX: Martin stelle dich bitte kurz vor! Wer bist du und was machst du?

Martin: Hi, die unbefriedigende Antwort zuerst: das kommt darauf an. Ich folge meinen Interessen und oft auch dem Gefühl “da müssten wir doch mal” oder “das könnte doch besser gehen”. So bin ich über wirklich unterschiedliche Stationen wie einen Freiwilligendienst in der Republik Moldau, ein Lehramtsstudium, eine Vereinsgründung für Schülerpatenschaften zu einem Ingenieursstudium und einem Erstflugprojekt bei Airbus gekommen, und danach weiter zu Studien des Design Thinking und des Nachhaltigkeitsmanagements. In dieser Zeit habe ich dann mit Freunden die Modemarke dreiklangkleidung wiederbelebt und drei Firmen mitgegründet, darunter ein Nachhaltigkeitsstartup und den Impact Hub Leipzig.

Hier liegt derzeit mein Schwerpunkt, in der Begleitung von der Übersetzung des “da müssten wir doch mal” in die Ideenfindung und das Schaffen überzeugender und wirkungsvoller Angebote. Das fühlt sich grad richtig gut an.

futureSAX: Mit dem Online-Format NextGenPower-Konkret will futureSAX regelmäßig Jugendlichen tiefergehendes unternehmerisches Wissen vermitteln, Einblicke in den unternehmerischen Alltag geben und den Erfahrungsaustausch mit Unternehmerinnen und Unternehmern bzw. mit Experten ermöglichen. Du bist als Referent dabei und arbeitest ja selber mit Jugendlichen an Ideen und Businessplänen. Was findest du spannend an diesem Format und warum ist in deinen Augen ein solches Format wichtig für Jugendliche?

Martin: Als ich Lehramt studiert habe, konnte ich mir nie vorstellen, je ein Unternehmen zu gründen, war eher im Kontext von Vereinen und Initiativen aktiv. Ich hatte einfach keinen Austausch mit Menschen aus der Welt der Unternehmen. Aber solch einen Austausch braucht es, um abstrakte Annahmen mit realistischeren Vorstellungen zu kombinieren, sie quasi zu testen. Inzwischen gibt es so tolle Angebote wie dieses, und je früher jemand unternehmerische Erfahrungen sammelt, desto schneller kann dieser Mensch Expertise aufbauen und unternehmerisch und gesellschaftlich erfolgreich und achtsam werden. Wenn Ihr als Teilnehmer*innen gute Entscheidungsunterstützung bekommt durch den Austausch mit Peers und mit Leuten, die Erfahrungswissen teilen, hilft das hoffentlich - deshalb freue ich mich natürlich, das zu teilen, was ich derzeit weiß.

futureSAX: Das Thema der 3. Session ist: Wirtschaft neu denken und mit Ideen die Welt FAIRändern. Welche Verbindung hast du zu diesem Thema?

Martin: Der Wandel im unternehmerischen Kontext findet rasend schnell statt und gleichzeitig war ich mit eigenen Gründungen gefühlt oft ein bisschen zu weit vor der eigentlichen Welle dabei, in der der größte Effekt stattfindet. Mit dreiklangkleidung war uns eine sehr kurze regionale Lieferkette wichtig, die T-Shirts wurden etwas zu teuer für unser Zielpublikum. Inzwischen findet aber das statt, was wir immer wollten: die Einpreisung externalisierter Kosten wie der verhinderten Bildung durch Kinderarbeit oder der Umweltzerstörung in der Produktionsregion. Inzwischen sind durch die SDGs der Vereinten Nationen, auch Global Goals genannt, oder wir sagen Menschheitshausaufgaben, viel mehr Themen auf der unternehmerischen Agenda und eine Gründung ohne gesellschaftlichen Mehrwert macht in meinen Augen überhaupt keinen Sinn mehr. Nur, wenn mein Unternehmen eine Daseinsberechtigung hat und im Sinne moderner ehrbarer Kaufleute (heute auch als Social Entrepreneurs bezeichnet) geführt wird, kann ich mich langfristig am Markt behaupten. Sonst holt mich früher oder später die Aufmerksamkeit der Menschen auf meine Handlungen ein, die Regulierung und wahrscheinlich auch der Wettbewerb. Aktuellste Beispiele finden sich immer, diesen Monat sind undurchschaubare Finanztransaktionen oder Billigfleisch an der Reihe. Das heisst nicht, dass ich die Welt allein retten kann oder irgendein Unternehmen oder Mensch perfekt ist. Aber die Bereitschaft, Probleme zu erkennen, auch bei sich selbst, ist wichtig. Argumente sollten gewinnen, und sie sollten nicht nur eindimensional kurzfristiger Profit einer Einheit sein.

futureSAX: Mit dem Impact Hub Leipzig möchtest du ja einen Ort schaffen, wo Ideen rund um das Thema Nachhaltigkeit gedeihen sollen. Welche Herausforderungen siehst du, wenn man nachhaltige Ideen umsetzen und damit Geld verdienen möchte?

Martin: Die unternehmerischen Herausforderungen sind die gleichen: Deine Kunden gut definieren, kennen, verstehen, verstehen was sie brauchen und wollen, schauen auf wen Dein Angebot noch passen kann. Produkte und Angebot entwickeln, ein schlagkräftiges Team bauen, Finanzierung sichern, Dranbleiben. Eine gute Mischung aus Beratungsresistenz, weil alle es immer besser wissen, und der Fähigkeit zuzuhören, damit Du wichtige Tipps nicht abtust. Es gibt aber auch Vorteile aber auch Nachteile für besonders auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Ideen. Vorteile unter anderem beim Finden von Mitstreiter*innen intern und extern, Zugang zu Fördermitteln und spezifischen Impact Investoren, Kundenbindung. Nachteile, weil es manchmal Vorarbeit und extra Aufwand bedeuten kann, sich mehr Gedanken zu machen als nur über den Cashflow. Hintenraus rentiert es sich aber eben, seine Hausaufgaben zu machen.

Hier liegt derzeit mein Schwerpunkt, in der Begleitung von der Übersetzung des “da müssten wir doch mal” in die Ideenfindung und das Schaffen überzeugender und wirkungsvoller Angebote.

Martin Jähnert, Geschäftsführer vom Impact Hub Leipzig

futureSAX: Du bist mit dem Impact Hub Leipzig ganz frisch im Sächsischen Start-up-Partner-Netzwerk dabei. Wie wichtig ist es allgemein für Gründerinnen und Gründer auf ein umfassendes Netzwerk zurückgreifen zu können?

Martin: Schnelle, ehrliche, gut informierte Antworten sind Gold wert. Wir leben in einer Zeit des Informationsüberflusses, und genau der Austausch auf Augenhöhe ermöglicht es, viel schneller gut zu agieren und zu reagieren. Deshalb wollte ich auch unbedingt einen Impact Hub in Leipzig, meiner Wahlheimat: gemeinsam mit dem Impact Hub Dresden sind wir eine Text-Nachricht entfernt von Teams in 100 Regionen in der Welt, die an ähnlichen Herausforderungen dran sind wie wir hier. Die unsere hier geschaffenen Angebote schnell in ihr Ökosystem bringen können, oder ehrliche Rückmeldung geben, warum ein Angebot so dort nicht funktioniert. Und weil niemand alles kann und jeden kennt, verkürzt ein solches Netzwerk die Anzahl der Ecken, über die wir gehen müssen, um eine valide Aussage zu bekommen. Genauso schätze ich das futureSAX-Netzwerk in Sachsen, das schon oft für mich ein kurzer Weg zu wertvollem Austausch und Wissenszuwachs war. Und dann sollten die Gründer*innen natürlich noch ihre fachspezifischen Netzwerke identifizieren und pflegen.

futureSAX: Stellen wir uns vor, ich sei Gründer in einer frühen Phase. Wie sieht konkret die Hilfe aus, die eine Gründerin bzw. ein Gründer in einer frühen Phase dir im Impact Hub Leipzig erwarten kann?

Martin: Wenn Du noch keine Idee hast, kannst Du gern bei unseren Ideenfindungsformaten Menschen, Methoden und Problemfelder kennen lernen und vielleicht kommt dabei eine passende Idee raus. Leute, die ihre Idee gefunden haben und in die Umsetzung kommen wollen, begleiten wir im Rahmen einer Gründungsberatung und später mit der Accelerate Membership, bei der gleich internationaler Austausch mit Peers in den digitalen Bildungsformaten erfolgen kann. Tisch, Stuhl, Firmen-Adresse bieten wir natürlich bei Bedarf auch gern. Und wir hoffen, die Gründungsinteressierten wirklich langfristig bei ihrem Erfolg zu begleiten, denn der Overnight Success braucht oft ein paar Jahre Vorbereitung.

Eine gute Mischung aus Beratungsresistenz, weil alle es immer besser wissen, und der Fähigkeit zuzuhören, damit Du wichtige Tipps nicht abtust.

Martin Jähnert, Geschäftsführer vom Impact Hub Leipzig

futureSAX: Eine letzte Frage. Was würdest du jungen Menschen, die überlegen ihre Ideen umzusetzen mit auf dem Weg geben?

Martin: Dies muss nicht die letzte Idee sein, an der Du arbeitest. Sie ist auch Training und Ausbildung für Deine nächste Idee. Sie muss nicht von Anfang an fertig sein. Das wäre eher außergewöhnlich. Fang mal an, und schau, was sich daraus entwickelt. Und: denke an Deine Bedürfnisse für ein gutes Leben. Ein Projekt zu entwickeln ist wie ein Triathlontraining, dafür brauchst Du auch regelmäßige Regenerationsphasen und musst auch die unterschiedlichen Muskelgruppen mit ansprechen.

futureSAX: Martin, vielen Dank für den kurzen Einblick. Wir sind schon ganz gespannt auf Dich und freuen uns auf den Erfahrungsaustausch beim Online-Event: Wirtschaft neu denken und mit Ideen die WeltFAIRändern.

Ihre Ansprechpartnerin bei futureSAX

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Denise Beyer

Projektmanagerin NextGen

Bereits während ihres Studiums der Volkswirtschaft entdeckte die gelernte Bankkaufrau ihre Begeisterung für Innovation, Unternehmertum und Venture Capital. Ihre Affinität zu diesen Themen resultierte in ihrer Abschlussarbeit über Entscheidungskriterien bei VC Finanzierungen und führte zu weiteren Tätigkeiten bei einem Venture Capitalist und einem Ausgründungsprojekt. Anschließend war sie zehn Jahre als Gründungsberaterin an einer sächsischen Hochschule tätig, begleitet zahlreiche (Aus)Gründungsvorhaben und baute den hochschuleigenen Inkubator auf.

Ihre Leidenschaft gilt der nächsten Generation (NextGen) und der Aufgabe, diese für Entrepreneurship und Unternehmertum zu begeistern, sie zu befähigen unternehmerische Gelegenheiten zu erkennen und sie auf ihrem Weg zur Gründerpersönlichkeit zu begleiten. Hierfür sammelte sie vielseitige Erfahrungen als Expertin in verschiedenen Feriencamps.

Privat gilt ihr Interesse der italienischen Lebenskultur und der Stärkung des Schulsystems hin zu neuen Lehr- und Lernmethoden für die Schule von heute bzw. morgen.

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